Avenged Sevenfold: The Stage - Deluxe Edition (2CD, Capitol Records, 2017)

 

Mit "The Stage" legten Avenged Sevenfold im Oktober 2016 ein hervorragendes Album vor, eine der besten Metal-Scheiben des letzten Jahres. Nun erscheint - mit zwei Tagen vor Heiligabend etwas zu spät zum Weihnachtsgeschäft 2017 - eine "Deluxe Edition" des Albums, die eine umfangreiche Bonus-CD aufbietet - in schickem Klappcover mit Hologramm. Doch zuerst noch einmal für alle, die sie nicht zu Hause haben, die Infos zum eigentlichen Album, welches man natürlich auf CD 1 findet.



Die elf Songs auf den 74 Minuten von "The Stage" wissen ohne Ausnahme zu überzeugen, somit hört man einen würdigen Nachfolger zum Erfolgsalbum "Hail To The King" aus dem Jahr 2013, das sich rund 1,6 Millionen Mal verkaufte und neben Platz 1 in den USA auch in Großbritannien, Kanada, Irland und Finnland die Spitze der Charts erobern konnte, und auch hierzulande ging es mit Platz 5 erstmals in die Top Ten. "The Stage" produzierten Avenged Sevenfold gemeinsam mit Joe Barresi (Queens Of The Stone Age, Tool), und nicht nur der Sound ist bestens. Zum ersten Mal haben die Jungs um den tollen Frontmann M. Shadows ein Konzeptalbum erschaffen, und bei diesem geht es um das Thema "Künstliche Intelligenz", inspiriert von den Texten von Carl Sagan und Elon Musk. Vielleicht ist die Scheibe auch deshalb nicht so leicht zugängig wie einige der letzten Album, wirkt beim ersten Hören manchmal etwas komplex und verschachtelt, da die Stücke nicht immer gradlining daher kommen. Aber wenn man die Scheibe ein paar Mal hört, dann verliebt man sich mehr und mehr in sie und erfreut sich an intelligenten, ereignisreichen Kompositionen abseits von Einheitsbrei.

Mit dem epischen, achteinhalb Minuten langen Titeltrack wird das Album eröffnet, und alleine hier schon bringen die Kalifornier viel Abwechslung, von Orgelflächen zu Beginn über flotten Metal-Rock und ruhige Gitarren-Harmonien bis zu getragenem Midtempo mit toller Gitarrenlinie und südländisch anmutendem, akustischem Ende. Klasse Song! Bei "Paradigm", "God Damn", "Simulation" und "Fermi Paradox" wird bretthart und schnell abgerockt, wobei gute Melodien auch hier eine große Rolle spielen und auch in diesen Nummern nicht komplett durchgeknüppelt wird. Synyster Gates bietet immer wieder Gitarrensoli allerbester Güte, wie z.B. beim treibenden, coolen "Creating God" dem 16-minütigen Abschluss-Epos "Exist", welches einen am Ende nochmal vom Hocker zu reißen vermag, wenn man nicht sowieso schon begeistert an der Decke schwebt. Die energetische Midtempo-Nummer "Sunny.Disposition" wird von Bläsern bereichert, "Higher" wartet mit hymnischem Gesang im Refrain auf. "Angels" ist eine schöne Power-Ballade, und "Roman Sky" kommt noch ruhiger daher, von Streichern begleitet - ebenfalls ganz tolle Nummern, und bei beiden kann M. Shadows die Breite seines Gesangsspektrums bestens präsentieren, von sanft und emotional über kraftvoll bis zu bösem Shouten beherrscht er einfach alles. Das besten Album von Avenged Sevenfold bisher, ein Meilenstein, der den Jungs auch ihre erste Grammy-Nominierung einbrachte, denn bei den Grammy Awards 2018 ist das Titelstück "The Stage" als "Best Rock Song" im Rennen.



Die Bonus-CD bietet 57 Minuten auf, die man als Fan gerne mitnimmt. Neben vier starken Live-Performances von "Paradigm", "God Damn", "The Stage" und "Sunny Disposition", die in der Londoner O2-Arena mitgeschnitten wurden, findet man sieben im Studio eingespielte Tracks. Diese haben Sänger M. Shadows, die Gitarristen Synyster Gates und Zacky Vengeance, Bassist Johnny Chris und Schlagzeuger Brooks Wackerman im Laufe des Jahres über ihren Vevo-Video-Kanal veröffentlicht, sie waren bislang allerdings nicht käuflich zu erwerben.

Bei den Stücken handelt es sich um den auch sehr ansprechenden, neuen Song "Dose" und um eine ganze Palette an Coverversionen, mit denen A7X, wie der Bandname oft abgekürzt wird, einigen ihrer All-Time-Favoriten abseits des Metal Ehre erweisen. Das Ganze lässt sich prima anhören, ob bei der schmissigen Version des mexikanischen Folksongs "Malaguena Salerosa", beim nahe am Original gelegenen Pink-Floyd-Klassiker "Wish You Were Here" oder bei den Metal-Interpretationen von "God Only Knows" (The Beach Boys), "As Tears Go By" (Rolling Stones), "Runaway" (Del Shannon) oder "Retrovertigo" (Mr. Bungle). Ein großartiges Album in einer interessanten, gut bereicherten Deluxe-Edition.



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