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Erasure: World Be Gone (CD, Mute, 2017)

 

Lange 32 Jahre gibt es das Duo Erasure nun schon, und in dieser langen Zeit erlebten Mastermind Vince Clarke und Sänger Andy Bell die Höhen und Tiefen des Musikbusiness. Hört man eines der inzwischen diversen Best-Of-Alben der Jungs (das letzte war 2015 "Always: The Very Best of Erasure"), dann findet man eine ganze Reihe an Hits, wie "Sometimes", "Ship Of Fools", "Chains Of Love", "A Little Respect", "Chorus" oder "Love To Hate You". Diese Nummern stammen aus den 80ern und ganz frühen 90ern und sind der Hauptgrund für über 25 Millionen verkaufte Alben. Das letzte Stück, das im alten Jahrtausend als Hit tituliert werden kann, war "Always" aus dem 1994er-Album "I Say I Say I Say" - und bevor sich Fans beschweren, ja, auch "Run To The Sun" aus dem selben Longplayer war noch recht erfolgreich mit Platz sechs in Großbritannien. Dann aber ging es in puncto kommerzieller Erfolge bergab. Auf "Erasure" fand man 1995 ambientlastige, experimentelle Balladen, und im Jahr 2000 waren auf "Loveboat" dann Akustikgitarren und HipHop-Beats zu hören - ungewohnt für das ansonsten klar im Synthiepop angesiedelte Duo, und auch nicht gefallend. Mit dem Coveralbum "Other People's Songs" schafften Erasure dann 2003 die Rückkehr in die Gehörgänge, vor allem ihre Adaption des Peter-Gabriel-Klassikers "Solsbury Hill" brachte wieder höhere Verkaufszahlen ein. Die Single "Breathe" aus dem 2005er-Album "Nightbird" sollte zum größten Hit des neuen Jahrtausends werden mit Platz 4 in UK und Platz 1 in den US-Dance-Charts. Das Momentum wussten Clarke und Bell nicht zu nutzen. Mit "Union Street" folgte 2006 ein wenig beachtetes Akustikalbum mit Interpretationen eigener, nicht als Single ausgewählter Tracks früherer Jahre. Mit "Light At The End Of The World" (2007), "Tomorrow's World" (2011) und dem letzten Album "The Violet Flame" (2014) folgten Alben mit mittelprächtigem Erfolg, 2013 brachten Erasure außerdem mit dem Weihnachtsalbum "Snow Globe" besinnliche Stimmung.

Wir schreiben 2017 und Erasure melden sich mit ihrem 17. Album "World Be Gone" zurück. Zuerstmal die gute Nachricht: Vince Clarke und Andy Bell bewegen sich rein im Synthiepop, Fans müssen also keine weiteren Experimente über sich ergehen lassen. Auf 40 Minuten findet man zehn neue Songs, mit denen die Jungs nicht versuchen, ihren erfolgreichen Stil mit tanzbaren, druckvollen Songs aus den 80ern zu kopieren. Klanglich bleibt Clarke schon Clarke, das Ganze klingt aber modern vielfältig, während man früher doch meinte, er würde sich nur bei seiner eigenen Sound-Sampling-CD "Lucky Bastard" bedienen. Die Songs lassen sich insgesamt gut anhören, ohne aber direkt im Ohr zu verweilen, ein echter Ohrwurm also ist nicht vertreten. So muss man sich reinhören in die Scheibe, und wenn man dies tut, entdeckt man einige Highlights. "Be Careful What You Wish For!", "World Be Gone" und "Lousy Sum Of Nothing" besitzen schöne Melodien und auch anständige Texte, in denen es - die Herren sind ja erwachsen - auch gerne mal gesellschaftskritisch zugeht, sie sich mit der heutigen Welt auseinander setzen. "Still It's Not Over" ist zudem eine schöne Ballade, "A Bitter Parting" lässt sich gut anhören und "Oh What A World" ist ein mal düsterer, interessant gemachter Song über die verdorbene Gesellschaft. So weit, so gut - wären da nicht auch einige textlich wie musikalisch belanglose Nummern zu finden. "Love You To The Sky" und "Sweet Summer Loving" kommen mit fast schlagertauglich wenig Texttiefe und Tralala-Melodien daher, die unter der Würde eines Vince Clarke sind. Gut, dass beim abschließenden "Just A Little Love" wenigstens die auch hier nicht sonderlich intellektuell verpackte Message irgendwie noch taugt als Appell für mehr Liebe in der Welt als Mittel zum Glück - das kann ja generell nicht schaden, aber musikalisch ist auch diese Nummer dürftig. Durch die erwähnten, überflüssigen Tracks ist "World Be Gone" leider insgesamt nur besseres Mittelmaß - aber bei weitem nicht das schlechteste Album der Band. Sie können es halt nur weit besser...

Hier kann man "Still It's Not Over" hören:



Live sind Erasure bei uns demnächst in riesigen Stadien zu sehen - im Vorprogramm von Robbie Williams:

28.06. Düsseldorf, Espirit Arena
11.07. Hannover, HDI Arena
19.07. Frankfurt, Commerzbank Arena
22.07. München, Olympiastadion
25.07. Berlin, Waldbühne
26.08. A-Wien, Ernst Happel Stadium
29.08. A-Klagenfurt, Wörthersee Stadium

www.erasureinfo.com
www.facebook.com/erasureinfo



Bewertung: 6 von 10 Punkten

(Tobi )