Expedia.de - Reisen. Wie, wann, wohin du willst.
Frère: Void (CD, popup-records, 2017)

 

Von Alexander Körners Projekt Frère gab es bisher nur eine EP, ansonsten setzte er vielmehr auf Livekonzerte, von denen er in den letzten drei Jahren ungefähr 150 spielte. Nun also gibt es ein Debütalbum. "Void" bietet mit seinen acht Songs auf 43 Minuten alles andere als stimmungsvolle Partymusik. Nun gut, um Stimmung geht es hier schon, aber eben nicht um Fröhlichkeit, sondern um Melancholie.

Zusammen mit Multi-Instrumentalist und Produzent Alessandro Marra, Jazz-Schlagzeuger Sebastian Grönheit und dem Gitarristen und Bassisten Alan Kasab hat Alexander aus dem Soloprojekt eine Band geformt, und Frère haben getragene, düstere, aber irgendwie auch schöne Singer/Songwriter-Stücke eingespielt, die so etwas sein könnten wie Dark Folk. Übliche Songstrukturen und Längenbeschränkungen spielen keine Rolle, hier ist die Musik eher als Kunst zu verstehen, und so bricht eine achtminütige Nummer wie "Book" dann eben in ihrer zweiten Hälfte auch mal wie ein Vulkan aus, lässt es raus, um sich am Ende wieder ganz minimalistisch zu fangen.

Auch "Portugal" hat einen ähnlichen Spannungsaufbau, nur kürzer und - wenn man das Wort hier überhaupt nutzen darf - fröhlicher ... wobei, nee, darf man nicht nutzen. Mein Ex-Kollege Thomas G. hätte das Prädikat "Musik zum Pulsadern-Aufschneiden" vergeben - nun ja, oft waren die Scheiben, bei denen er so urteilte, die besten. Zu den besten Alben gehört "Void" noch nicht, aber die gewordene Band aus Bochum bietet definitiv interessante Songs mit Anspruch, die fernab jeder Chart-Bestrebung liegen und vor allem live sicher eine sehr dichte, packende Atmosphäre entwickeln können - was auf CD noch nicht komplett gelingt. Ganz am Ende wird es mit "Trains" dann auch überraschenderweise fast normal, denn wir haben es mit einer klaren Folk-Nummer zu tun, die sich allerdings strukturell dann doch noch erfolgreich gegen die Normalität wehrt. Interessant, aber noch nicht komplett überzeugend.



freremusik.de
www.facebook.com/frereofficial



Bewertung: 6 von 10 Punkten

(Tobi )