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Charlotte Gainsbourg: Rest (CD, Because, 2017)

 

Nachdem die französische Schauspielerin Charlotte Gainsbourg 1986 bereits im Alter von 15 Jahren auch gesanglich als Solokünstlerin in Erscheinung trat mit seichten Popsongs für ihren Film "Charlotte For Ever", folgte 1993 eine Wiederveröffentlichung des Debüts unter dem Namen "Lemon Incest" - der Titelsong war der einzig neue hier, allerdings sang die Tochter des Chanson-Sängers und Schauspielers Serge Gainsbourg und der britischen Schauspielerin und Sängerin Jane Birkin diesen auch bereits 1984 mit ihrem Vater für eines seiner Alben ein. Danach konzentrierte sich Charlotte Gainsbourg auf die Schauspielerei und spielte in vielen Filmen wie "Love, etc.", "La Bûche" (für den sie einen César als beste weibliche Nebendarstellerin erhielt), "Les Misérables – Gefangene des Schicksals" oder "21 Gramm".

Im Jahr 2006 dann meldete sich Gainsbourg musikalisch zurück, mit dem Album "5:55", das sie vor allem mit der Band Air erarbeitet hatte - was schon klar macht, dass sie sich vom seichten Pop wegbewegte zu kunstvollerer und auch elektronischerer Musik mit viel Stimmung und Schönheit. In ihrer Heimat erreichte sie damit Platz 1 der Charts, was ihr 2009 mit dem Nachfolgealbum "IRM" erneut gelang. Für dieses hatte sie mit Beck zusammen gearbeitet, und von Kritikern sowie Fans wurde die Scheibe hoch gelobt. Da sie zudem für ihre Rolle in Lars von Triers "Antichrist" beim Film-Festival von Cannes zur besten Schauspielerin gekürt wurde, dürfte 2009 zu einem der besten Jahre ihrer Karriere zählen.

2012 ließ sie das CD-DVD-Bündel "Stage Whisper" folgen, welches viel zu bieten hatte und doch kein neues Album darstellte. Die insgesamt 19 Tracks auf den 66 Minuten der Audio-CD teilten sich auf in acht bislang unveröffentlichte Titel aus den letzten Jahren und elf live mitgeschnittene Songs der Tour zu "IRM", als sie sich erstmals überhaupt als Sängerin dem Publikum präsentierte. Die Studio-Tracks zwischen Elektro, hypnotischem Indie und chilligem Melancholie-Pop waren sehr interessant, gut und abwechslungsreich - wohl auch an der Vielfalt der Kollaborationspartner und Songschreiber wie Beck, Asa Taccone, Charlie Fink oder Conor J O'Brien lag.



Nachdem sie zuletzt wieder in einer ganzen Reihe von Filmen mitwirkte wie "Nymphomaniac" (2013), "Independence Day: Wiederkehr" (2016) oder auch gerade erst in "Schneemann", liegt mit "Rest" nun das vierte Studioalbum des Multitalents vor. Produziert vom Ed Banger-Mitglied SebastiAn (Frank Ocean, Kavinsky) bietet Gainsbourg auf 49 Minuten erneut sehr interessante Stücke an. Die Texte der elf Songs hat sie diesmal - und zum ersten Mal - allesamt selbst geschrieben, und entsprechend persönlich ist die Scheibe dann auch geworden. Dazu gehört, dass auch Trauer verarbeitet wird, frischere wie ältere. Das Chanson und seichten Elektropop wunderbar verbindende, ruhige Titelstück "Rest" behandelt wie auch das orchestrale "Kate" oder das tanzbar daher kommende "Les Oxailles" den Tod ihrer Schwester im Jahr 2013, das progressivere "Lying With You" den des Vaters im Jahr 1991.

"Rest" und "Lying With You", oder auch der starke, getragene Opener "Ring-A-Ring O'Roses", sind hierbei bester Beweis, dass Gainsbourg in ihren neuen Stücken auch gerne mal französische wie auch englische Textpassagen innerhalb eines Stücks aufbietet - aber nicht immer. Sowieso sind französische, eigene Texte neu für Gainsbourg, und sie erklärt: "Im Schatten meines Vaters stehend, traute ich mich nie auf Französisch zu schreiben. Aber durch den Verlust meiner Schwester öffnete ich mich ohne Vorbehalte. Nichts hatte mehr eine Bedeutung. Es war eine Zeit intensiven Schmerzes, und so war es einfacher, bestimmte Dinge auszudrücken."

Der einzige Song, an dem sie nicht mitgeschrieben hat, ist das atmosphärisch experimentelle "Songbird In A Cage", das ihr kein Geringerer als Paul McCartney nicht nur zur Verfügung stellte, er spielt auch Piano, Gitarre und Schlagzeug bei der Nummer. Sonstige Kollaborationspartner der Scheibe sind Guy-Manuel de Homem-Christo (Daft Punk), der neuseeländische Psychedelic-Rock-Sänger Connan Mockasin und der kanadische Violinist und Sänger Owen Pallet, auch als Live-Musiker von Arcade Fire bekannt. Heraus gekommen ist eine gute, facettenreiche Scheibe, dominiert von Charlottes sanftem, manchmal gar säuselndem Gesang, der selbst den melancholischten Stücken noch Schönheit verleiht.



facebook.com/charlottegainsbourg



Bewertung: 8 von 10 Punkten

(Tobi )