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Oomph!: Des Wahnsinns fette Beute (CD, Columbia, 2012)

 

Wenn Oomph! auf dem Cover ihres 12. Albums in Armeeklamotten comichaft posieren, den Longplayer "Des Wahnsinns fette Beute" betiteln und hinten noch einen bewaffneten Hamster abbilden, dann hat der Wahnsinn wohl tatsächlich zugeschlagen. Und so muss man als langjähriger Fan auch einige Zeit investieren, um den ersten Schock zu überwinden und sich in die Scheibe reinzuhören, was alles andere als leicht fällt. Dero, Flux und Crap haben einige ihrer Konstanten über Bord geworfen, wie zum Beispiel den Anspruch an ihre Texte, in denen Dero über die Jahre - oft bildhaft - ernste Themen hervorragend behandelte. Nun geht es halt auch mal um Affen, Selbstbefriedigung, Casting-Shows, Bi-Neigung oder einen Raumfahrer. Dero erklärt die neue Herangehensweise: "Lasst uns alles zulassen, so als hätten wir eine neue Band gegründet. Lasst uns selbstironisch augenzwinkernd ans Werk gehen. Bevor andere über uns lachen, machen wir das lieber selbst". Dazu holten sich die Jungs befreundete Musiker ins bandeigene Studio, die ebenfalls Ideen beisteuerten. "Wir wollten uns neu entdecken. Raus aus Gothic und Melancholie, bunt statt dunkel", bekräftigt Crap. Musikalisch geht es glücklicherweise meistens doch noch in gewohnter Oomph!-Manier zu, und da wird halt auch mal ein Affensong wie "Bonobo" zum Knaller. Gut, wenn man die Spielregeln neu aufstellt und halt auch mit einem Kinderreim-Lied den größten Erfolg der Karriere verbuchen konnte, dann muss man als Fan diesmal eben einiges schlucken - auch dass bei einigen Tracks wie "Such mich find mich" die Beats doch etwas zu dancelastig ausgefallen sind. Vergessen wir also mal die alten, anspruchsvollen Oomph! und versuchen, das Album völlig losgelöst zu sehen. Apropos losgelöst, "Kosmonaut" schwebt ebenfalls ungewohnt ins Ohr, allerdings nicht ungeschickt. Zuerst aber wird doch noch anständig gerockt mit "Unzerstörbar", gefolgt von der Single "Zwei Schritte vor" über die Weltwirtschaftskrise - für mich allerdings einer der wenigen wirklich schlechten Songs des Albums. Neben "Unzerstörbar" und "Bonobo" gefallen vor allem "Die Geister die ich rief", "Kleinstadtboy" (bei dem die bekannte Melodie des 80er-Hits "Smalltown Boy" von Bronski Beat interessant verarbeitet wird - bestens also zum Titel passend), die schon fast poppig mit Streichern angerichtete Ballade "Regen" und die traurige Abschiedsnummer "Unendlich". Dazu gibt es mit "Seemannsrose" noch einen schlüpfrigen Shanty, der witzig gemacht ist - hier funktioniert das Prinzip "Alles ist erlaubt" mal richtig gut, und am Ende wird auch noch gut abgerockt. Schlimm finde ich hingegen "Deine Eltern" über Onanie-Warnung - so weit kann man den eigenen Anspruch beim besten Willen nicht herunter schrauben, um diesen Teenie-Song als Langzeit-Fan zu akzeptieren, der musikalisch auch noch sehr ordentlich gestrickt ist. Zusätzlich zur normalen Audio-CD gibt es übrigens auch eine "Deluxe Edition", bei der die CD noch zwei Bonustracks (von denen mit dem fast schon Bond-artigen "Der Tod ist einen Herzschlag entfernt" sich auch einer durchaus lohnt) und eine DVD enthält. Sagen wir mal so - es ist Oomph! definitiv gelungen, zu überraschen und mal was völlig anderes zu bieten, auch wenn sie hiermit natürlich weder das beste noch wertvollste Album ihrer langen Karriere vorlegen. Bis auf einige wenige Ausrutscher sind die Nummern ja auch gut hörbar, und live fuktionieren sie sich auch gut - und hier sind die Jungs ja sowieso Konstanten.

Oomph! live auf Tour (Tickets gibt es hier):

24.06.12 Gelsenkirchen - Blackfield Festival
12.07.12 Ballenstedt - Rockharz
20.07.12 Weigendorf - Weigendorfer Open Air
22.07.12 Cuxhaven - Deichbrand Festival
03.08.12 Wacken - Wacken Open Air
18.08.12 Dinkelsbühl - Summer Breeze
23.09.12 Köln - Essigfabrik
24.09.12 Bochum - Zeche
26.09.12 Bremen - Schlachthof
27.09.12 Hamburg - Markthalle
29.09.12 Rostock - MAU Club
30.09.12 Berlin - Huxley’s
02.10.12 Leipzig - Haus Auensee
04.10.12 München - Backstage Werk
07.10.12 Ludwigsburg - Rockfabrik
08.10.12 Frankfurt - Batschkapp
09.10.12 Saarbrücken - Garage
19.10.12 Braunschweig - Meier Music Hall

Einen Videotrailer zum Album hätten wir auch direkt parat:



www.oomph.de



Bewertung: 7 von 10 Punkten

(Tobi )