Expedia.de - Reisen. Wie, wann, wohin du willst.
Benjamin Richter: Memory Lane (CD, Sony Classical, 2017)

 

"Ich möchte die Menschen mit meiner Musik berühren und sie ebenfalls zum Träumen einladen", erklärt Benjamin Richter - und das gelingt ihm auch. Wenn er das Wort 'ebenfalls' benutzt, dann bezieht sich dies auf die vorhergehende Beschreibung seiner Beziehung zu seinem Instrument: "Am Klavier fließen meine Gedanken einfach in Musik. Für mich ist es etwas ganz Persönliches und Poetisches darauf zu spielen – als würde ich Träumen, nur halt in Musik."

Auf seinem zweiten Pianoalbum "Memory Lane" bietet der in Berlin lebende Komponist, Produzent und Pianist zwölf Stücke auf 43 Minuten, die sich wunderbar durchhören lassen und eine perfekte musikalische Untermalung darstellen, ob man nun gerade weite Autostrecken durch schöne Landschaften fährt, über den Wolken im Flieger sitzt, bei Kerzenschein an einem guten Rotwein nippt, Hintergrund-Musik für eine gediegene Feier sucht - oder sogar arbeitet, denn dezent im Hintergrund taugt die Scheibe selbst hier gut.

Auf "Memory Lane" bietet Richter instrumentale Songs, hierbei eine Mischung aus Eigenkompositionen und Arrangements populärer Songs aus Pop und Rock, die er mit Piano, Orchester, einer Prise Elektronik und manchmal auch choralen Flächen sehr atmosphärisch und stimmig neu angerichtet hat. In der Auswahl der Stücke für die Coverversionen ging er hierbei breitgefächert vor. Als Opener interpretiert Richter den Dancetrack "Faded" von Alan Walker in einer tollen Version, die nicht umsonst als Single auserkoren wurde. "Don't Let Me Down" von The Chainsmokers kommt aus ähnlichem Genre, aber einige der ausgewählten Stücke stammen auch aus dem rockigem Segment - kein Wunder, war der 1981 geborene Rheinländer doch nach einer Zeit in der Liveband von Marc Terenzi auch in der Metalband Butterfly Coma und als Livekeyboarder der Symphonic-Metal-Formation Krypteria aktiv. Die Rocknummern "The Pretender" von den Foo Fighters und "In The Shadows" von The Rasmus setzt Richter sehr ansprechend um, ebenso wie den Balladenhit "I See Fire" von Ed Sheeran, der auch hier viel Ruhe ausstrahlt. Aber Richter bedient sich auch im Klassik-Metier, wenn er zeigt, dass Barbers "Adagio For Strings" auch Piano-dominiert gut funktioniert und dass Rondò Venezianos "Odissea Veneziana" nicht nur etwas für ältere Semester ist.

Richters eigene Kompositionen wie "Innermost", "Scenes From A Memory" oder "now.Here" sind ebenfalls sehr interessant und wissen zu gefallen. Es ist schön, bestätigt zu bekommen, dass er weit mehr kann als Neuinterpretationen - was nach seinem 2015er-Debüt "The Grand Momentum" aber ja eigentlich auch nicht in Frage stand.

Hier das Video zu "Faded":



www.facebook.com/richterpianomorte



Bewertung: 8 von 10 Punkten

(Tobi )