CTS-MUM

Auch wenn John Mayer sein erstes Album bei einem großen Label, "Room For Squares", schon im August 2002 bei uns veröffentlicht hat, geht es für ihn jetzt erst so richtig los. Seine neue Single "Your Body Is A Wonderland" ist ein lockeres, eingängiges und gute Laune verbreitendes Stückchen Musik, mit dem er nicht nur auf MTV in Power-Rotation zu sehen ist, nein, auch bei Kai Pflaume in "Nur die Liebe zählt" durfte er Mitte Januar das Wochenendpublikum mit seinen Klängen beehren.

In den USA ist John Mayer längst kein Unbekannter mehr. Sein Album verkaufte schon mehr als 1,6 Millionen Exemplare (Platinstatus!), und die erste Single "No Such Thing" erreichte in den USA die Top 20 der Singlecharts. Das Geheimnis des Erfolgs ist einfach schöner Gitarrenpop, mal fröhlich, mal melancholisch, immer aber mit tollen Melodien ausgestattet. In puncto Sound erfindet John Mayer nichts neu, er spielt einfach bodenständige, warme Liedermacher-Stücke, die einen erreichen - dafür, dass die CD gut klingt, sorgt Produzent John Alagia (Ben Folds Five, Dave Matthews Band). Stimmlich erinnert John Mayer manchmal etwas an Sting, manchmal klingt er aber auch wieder ganz anders. Im Gegensatz zu seinem Indie-Debütalbum "Inside Wants Out" (1999), das Mayer solo und akustisch aufnahm, ging er diesmal mit kompletter Band ins Studio, unterstützt von Bassist David LeBruyere und Drummer Nir Zidkiyahu (Genesis, Alana Davis). Das Ergebnis überzeugt auf der ganzen Linie. Es kann zwar sein, dass man "Room For Squares" zwei oder drei mal hören muss, bis man sich so richtig in die Scheibe verliebt, dann aber will man sie am liebsten gar nicht mehr aus dem CD-Player entfernen. Einfach gemütlich und schön, was der Singer/Songwriter aus Atlanta, Georgia, auf 55 Minuten ins Ohr schickt. Wer die Chance hat, John Mayer live zu sehen, der sollte dies tun, und zwar hier:

07.02.03 Berlin, Columbia Fritz
08.02.03 Hamburg, Schlachthof
09.02.03 München, Elser-Zusatzhalle
10.02.03 Köln, Prime Club


Hier ein Interview mit John Mayer:

Frage: Du gehörst zusammen mit Pete Yorn und Ryan Adams zu einer neuen Generation von jungen amerikanischen Singer/Songwritern. Siehst Du da eine Verbindung?

Mayer: Ja, ich sehe da schon eine Verbindung. Wir sind verschiedene Künstler. Ich denke, Pete and Ryan sind sich sehr ähnlich und ich bin ihnen ähnlich, aber die beiden sind einander ähnlicher als ich es im Vergleich mit ihnen bin. Aber was wir alle gemeinsam haben, ist, dass jeder von uns als Künstler mit seiner ihm einzigartigen Stimme spricht. Jeder für sich - nicht wir miteinander. Pete Yorn kommt auf die Bühne und sagt: "Ich bin Pete Yorn und das ist, was ich empfinde und dies ist die Musik, die ich spielen möchte". Und Ryan Adams sagt, wenn er auf die Bühne kommt: "Mein Name ist Ryan Adams. Ich hab diese Musik hier geschrieben, aufgenommen und ich werde sie für Euch spielen. Und durch all diese Dinge drücke ich meinen Stil aus und welche Person ich bin". Ich denke, ich mache das auch so. Musikalisch ist Ryan ein bisschen mehr Country-beeinflusst, Pete eher von straightem Rock und ich gehe mehr in Richtung Pop. Ich denke, unser gemeinsame Nenner ist, dass wir uns alle mit einem einheitlichen ‚das-kommt-direkt-von-mir-selbst' präsentieren, weißt du was ich meine? Anders als in einer Band, wo es heißt: "Das hat mein Manager gesagt" oder "das hat der oder der gesagt". Es ist dadurch sehr beständig. Was ich mache, mache ich in meinem Stil, wie das Video zum Beispiel. Wenn Du mich im Radio hörst, hörst Du meine Stimme. Ich denke, hier liegt die Ähnlichkeit zwischen mir und Ryan. Du kannst unsere Stimmen hören und da ist nichts dazwischen.

Frage: Wie würdest Du Deinen Musikstil beschreiben?

Mayer: Es ist Jazz und Blues mit einer sehr instrumentellen Herangehensweise an Popmusik. Mein Stil vereint die Freiheit von Jazz mit dem Feingefühl von Pop. Es ist Popmusik, die wie Blues und Jazz aufgebaut ist- eine tiefgründigere Musik. Die musikalische Herangehensweise – gerade für mich als Gitarristen – ist eine sehr instrumentale.

Frage: Könnest Du ein paar Deiner Vorbilder /Helden/ Musikhelden aufzählen?

Mayer: Stevie Ray Vaughan war ein großer Held von mir. Und Buddy Guy. Jimi Hendrix. Albert King. BB King. Eric Clapton. Ich habe zu verschiedenen Zeiten in meinem Leben zu diesen Leuten aufgeschaut. Ich hatte in meinem Leben z.B. ca. sechs oder sieben Eric-Clapton-Phasen, in denen ich ihn richtiggehend vergöttert habe. Eigentlich sind es allesamt Gitarristen, die ihr Instrument großartig beherrschen. Das sind die Gitarristen, die ich liebe.

Frage: Wie wichtig ist es für Dein Songwriting, live zu spielen?

Mayer: Sehr wichtig. Denn wenn ich live spiele - was ich bis zu diesem oder letztem Jahr noch nicht wusste - bringe ich jeden Abend etwas auf die Bühne und ich finde heraus, was ich gerne spielen möchte. Nicht nur, was ich gerne SCHREIBEN möchte. Denn du kannst Sachen schreiben, die Du nicht wirklich live spielen möchtest. Das ist ganz einfach. Ich habe das vielleicht bei ein paar Songs gemacht. Heute lerne ich, wie ich Sachen schreibe, bei denen ich mich gut fühle und die ich gerne spiele. Deshalb beeinflussen meine Live-Auftritte auch, wie meine nächste Platte aussehen wird - weil ich so oft live gespielt habe, dass ich jetzt weiß, was ich spielen muss.

Frage: Du hast bereits ein Akustik-Album namens "Inside Wants out" auf einem Indie- Label veröffentlicht. Betrachtest Du "Room For Squares" als Dein wirkliches Debutalbum?

Mayer: Auf jeden Fall. ‚Inside Out' ist eine Platte, die ich aufgenommen habe, weil ich nichts machen konnte. Das heißt nicht, dass es eine schlechte Platte ist. Aber wenn Du nur eine Kamera hättest, um einen Film zu machen, würdest Du eine ganz bestimmte Art von Film machen. Da bist Du schon ziemlich festgelegt und ich hatte eben nur eine Akustikgitarre und eine Stimme. Und dieser Platte damals, von der ich wusste, dass ich sie machen musste, war es genauso, weil ich keine Band finden konnte. Es war ganz einfach mein erster Versuch, eine Platte zu machen. Es war die Art Platte, die ich machen musste, um eine musikalische Visitenkarte zu haben, damit ich eine Platte mit einem Major Label machen kann - wozu ich glücklicherweise ja auch die Möglichkeit hatte.

Frage: Gibt es Songs auf "Room For Squares", die bereits auf "Inside Wants Out" waren?

Mayer: Vier Songs von "Inside Wants Out" sind auch auf "Room For Squares". Nur weil dies Songs waren, die ich unbedingt fertigstellen wollte. Einige finde ich jetzt überflüssig und manche möchte ich nicht mehr spielen. Aber da waren ungefähr vier Songs auf "Inside Wants Out", bei denen ich das Gefühl hatte, dass ich sie beenden muss, um als Künstler zufrieden zu sein. Sie mussten fertig werden und es ist toll, das geschafft zu haben und dass sich die Songs so anhören wie sie sich anhören. Und dass ich einen Song im Badezimmer schreiben kann. Das sind alles Songs, die in meinem Badezimmer als kleine Ideen auf meiner Akustikgitarre entstanden sind. Wenn ich sie als satte, fertige Arrangements höre, macht mir das Hoffnung, dass ich auf dem richtigen Weg bin, wenn ich nur durchhalte. Es ist sehr schwierig, wenn man sagt: ‚Ich mache jetzt genau das' – nur so für sich selbst – und ein Jahr später ist es dann fertig. ‚Es ist fertig, ich hab es gemacht'. Das ist neu für mich.

Frage: Wie suchst Du Deine Musiker aus?

Mayer: Mein Bassist David La Bruyere ist ein wichtiger Teil meiner Band. Wir beide sind fest, alles andere kann immer noch ausgewechselt werden. Aber sein Bassspiel ist das beste, das ich je im Pop gehört habe. Steven Jopek spielt Schlagzeug - er ist großartig - und wir haben da einen neuen Gitarristen an der Hand... Aber es ist eine Band, die genau das unterstützt, was ich mache. Und sie sind dabei immer noch als Musiker für sich UND die Menge interessant. Es sind nicht einfach nur drei Typen, die hinter mir stehen und darauf warten, wieder von der Bühne herunterzukommen. Es ist ein unglaubliches Glück, diese großartigen Musiker zu haben, die hinter dem stehen, was ich mache und nicht versuchen, dagegen anzukämpfen, sondern sich da richtig hineinversetzen. Und auf der Bühne zu stehen vor so einer Band ist einfach unglaublich.

Frage: Welche Bedeutung hat der Albumtitel?

Mayer: Es geht irgendwie darum, jeden mit ein zu beziehen. Und ich denke, ich habe eine Platte gemacht – ich HOFFE, ich habe eine Platte für jedermann gemacht. Ich hoffe, ich habe eine Platte gemacht, die jeden willkommen heißt. Egal wie Du aussiehst, egal welche Musik Du sonst magst - ich hoffe, dass ‚Room For Squares' in den CD-Sammlungen der Menschen zwischen der verschiedenartigsten Musik aus aller Welt steht. Auf meiner Party gibt es keinen Dress-Code. Und indem ich die Platte in diesem Sinne konzipiert habe, können alle Leute mit ihr Verbindung treten und sich willkommen fühlen. Wenn Du mich auf dem Cover so anschaust, sehe ich so uncool aus, wie es nur irgendwie geht. Das habe wir so angelegt um den Betrachter herauszufordern und sich zu fragen: ‚Kann das denn gut sein?'. Das ist fast schon anmaßend. Diese Herangehensweise ‚Ich will, dass Ihr ins grübeln kommt, ob das was taugt'.

Frage: Welches sind die wichtigsten Stücke auf dem Album?

Mayer: '3x5' ist ein Song auf dem Album, der wirklich wichtig ist. Ich denke, es ist der reifste Song, den ich geschrieben habe. Es ist gleichzeitig der letzte Song, den ich für das Album geschrieben habe und das gibt mir Hoffnung, das ich mir einen ganz neuen Schreibstil aneigne. ‚No Such Thing' ist die Single. Ich denke, wenn jemand eine Beziehung mit dem Stück eingeht, dann sehr nachdrücklich. Es ist dann eine sehr feste Bindung. Die Texte. ‚Your Body Is A Wonderland' ist ein Song, mit dem viele Menschen etwas anfangen können. Ich liebe ‚City Love', weil es meine einzige und nahezu originale Blues-Komposition ist. Ich bin auf jeden Song dieser Platte stolz, an diesem oder jenem Punkt in meinem Leben, weißt Du? Das kommt und geht. Und während sich mein Leben verändert, begreife ich, das Songs für mich selbst geschrieben habe, die ich mir anhören und etwas für mich heraus ziehen kann. Die Tatsache, dass ich einige dieser Songs geschrieben habe, ohne etwas bestimmtes dabei zu empfinden und es mir lediglich ausgedacht habe und es dann EIN JAHR SPÄTER tatsächlich zu fühlen und zu verstehen ‚Oh mein Gott! Das bedeutet der Text also', ist wirklich unglaublich.

Frage: Der Anfang von "Neon" beginnt mit einem funky Gitarrenriff, das fast wie ein Sample klingt. Würdest Du jemals Samples benutzen?

Mayer: Nicht, wenn ich sie nicht in einer kreativen Art und Weise tun könnte und sie wirklich wie ein Instrument benutzen könnte, anstatt einer Krücke. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, Samples von anderen Künstlern anders zu benutzen, als ein Teil und nicht die vorgefertigten Akkorde, könnte ich mir das vorstellen. Aber ich glaube nicht, dass ich von mir aus darauf kommen würde.

Frage: Deine Musik ist eine großartige Balance von exzellentem Handwerk und feinsinnigem Pop. War das ein Konzept oder kam das ganz natürlich?

Mayer: Vielleicht beides. Weil ich so lange Zeit damit verbracht habe, Gitarre zu spielen – ausschließlich Gitarre mit dem Ziel ‚wie kann ich der beste Gitarrist werden' – auch als ich noch nicht sang. Außerdem hörte ich mir so unglaublich viele Popsongs an und versuchte Pop-Refrains zu schreiben. Die Kombination liegt für mich nicht im Handwerk, sondern an der Hingabe. Die Leidenschaft, Gitarre zu spielen mit einem Sinn für Pop, schließt Handwerk irgendwie mit eingeschlossen. Es ist also die Verbindung beider Hälften meiner Plattensammlung – die eine Hälfte ist Ben Folds Five, Dave Matthews Band und Sting und Paul Simon, Simon & Garfunkel, Billy Joel, Elton John, James Taylor. Auf der anderen Seite habe ich Stevie Ray Vaughan, Jimi Hendrix, Buddy Guy, Eric Clapton und Robert Cray. Dies zusammen zu bringen um herauszufinden, was dieser Teil ist, und zwischen diesen beiden Dingen ist wirklich das, was ich mit meinen Platten machen möchte. Die Expressivität von (singt) mit der Art von Feinsinnigkeit zu finden, die die Menschen bewegt. Nicht "Hit me baby one more time..." (singt nachäffend) aber POP! Denn ich denke, das Pop viel bekömmlicher für die Menschen ist. Sie ist ihnen viel willkommener. Und wenn in die Popmusik eine tiefgründigere Musikalität schmuggeln kann, wissen die Leute vielleicht nicht, WARUM sie es mögen – wenn sie es mögen – aber sie würden es mehr mögen, weil es dieses Extra-Element hat.

Frage: Du scheinst nicht viel von Popstars wie Britney Spears und dem, was sie machen, zu halten.

Mayer: Ich denke, es ist großartig. Ich denke aber, es ist nicht das gleiche wie Musiker. Sie ist ein Darsteller. Fast schon eine Schauspielerin. Ich finde sie großartig. Aber ich denke nicht, dass Dir irgendjemand weiß machen könnte, das man Britney Spears mit Ryan Adams verwechseln könnte. Das sind zwei ganz verschiedene Berufe, zwei verschiedene Karrieren.

Frage: Könntest Du in Versuchung kommen, Songs für sie zu schreiben? Vielleicht mit Geld?

Mayer: Nah! Weißt Du, es gibt eine Grenze. Du musst keine Million Dollar verdienen, um Dich nicht darum zu scheren. Du brauchst keine Million Dollar, um zu sagen: ‚Eine Million Dollar sind mir egal.' Ich habe keine Million. Ich habe nicht mal ein HALBE Million. Aber es kommt ein Punkt, an dem Du so befriedigt von Deinem Job bist, und Du merkst, dass Du auf einem fantastischen Kurs bist, ein Pfad, dem Du folgst. Dann ist Dir klar, dass Du nicht für keine Summe der Welt tätest, dass dies versauen könnte, weil das dann die ‚Geldmaschine' wäre. Aber ich mich von einem solchen Angebot sicherlich geschmeichelt fühlen. Ich würde mir ihre Demos anhören und ein paar Tips geben.

Frage: Gibt es Musiker, mit denen Du gerne arbeiten würdest?

Mayer: Ich würde gerne mit Bonnie Riatt arbeiten. Und mit Eric Clapton.

Frage: Hast Du sie bereits getroffen?

Mayer: Nein. Aber ich weiß, dass Bonnie ein Fan ist und ich ein Fan von ihr. So erwähnte mich bei einigen TV-Auftritten. Daher weiß ich, dass sie ein Fan ist.

Frage: Hat sie Dein neues Album schon gehört?

Mayer: Um ehrlich zu sein, hat Elton John es ihr zugeschickt. Elton und ich sind quasi Freunde.


Wer in John Mayers aktuellen Videoclip zu "Your Body Is A Wonderland" hinein schauen möchte, der kann dies hier tun (Windows Media Video).

Mehr über John Mayer findest du auf seiner Artistpage bei Sony Music.

(Tobi)