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Am 2. Oktober 2011 wurde in der Londoner Royal Albert Hall der 25. Geburtstag des Musicals "The Phantom Of The Opera" (Das Phantom der Oper) gefeiert. Mit seiner Umsetzung des Romans des französischen Schriftstellers Gaston Leroux gelang dem britischen Komponisten Andrew Lloyd Webber ein Welthit im Musical-Genre - mehr als 100 Millionen Zuschauer in rund 150 Städten weltweit ließen sich seit 1986 von der Geschichte um die Opernsängerin Christine Daaé und das geheimnisvolle Phantom verzaubern. Die Broadway-Aufführung von 1988 wurde mit sieben Tony-Awards ausgezeichnet, und in London läuft das Musical im "Her Majesty´s Theatre" noch heute (nur "Les Miserables" weist eine noch längere Spielzeit auf).

Zur Jubiläumsfeier wurde in London eine üppig ausgestattete Gala-Aufführung des Musicals veranstaltet, neu inszeniert, mit großem Orchester und einem insgesamt gut 200-köpfigen Ensemble. In den Hauptrollen standen der iranisch-kanadische West-End-Star Ramin Karimloo und die amerikanische Sopranistin Sierra Boggess, die 2006 ihren großen Karriere-Durchbruch in der Kurzversion "Phantom - The Las Vegas Spectacular" erzielte, auf den Brettern der altehrwürdigen Royal Albert Hall. Wer keines der rund 5.000 begehrten Tickets ergattern konnte, der konnte in ausgewählten Kinos dabei sein, in die das Event via Satellit live übertragen wurde.

   

Nun gibt es die große Gala "The Phantom Of The Opera At The Royal Albert Hall" auf DVD und Blu-ray sowie Doppel-CD zu kaufen. Für Fans des Musicals ist das Ganze ein Muss. Im Vergleich zur Audio-CD (eine Kritik inkl. Verlosung findet man hier) ist der Genuss beim Anschauen der Blu-ray oder DVD noch weit größer ist, denn nur so bekommt man das gigantische Ausmaß dieser Jubiläumsveranstaltung so richtig vermittelt - zudem fehlt auf der CD die "The Phantom Of The Opera"-Zugabe von Stargast Sarah Brightman.

Zu sehen ist das komplette Musical in einer sehr aufwändigen Inszenierung. Die dargebotene Musik ist natürlich wunderbar, sie kennt man ja schon. Aber hier stimmt auch alles weitere. Das Ensemble glänzt - vom grandiosen Ramin Karimioo als Phantom und der ebenfalls mit ihrer stimmlichen Leistung überragenden Sierra Boggess als Christine bis hin zu eher unauffälligen Akteuren - hier stimmt einfach alles. Das Bühnenbild ist super, die Kostüme sind toll, und auch wenn die Umsetzung der Handlung nicht 100% dem entspricht, was man kennt (in der Royal Albert Hall lässt man halt nicht mal so einfach einen Kronleuchter herab stürzen oder Hannibals Elefanten aufkreuzen), so nimmt die Handlung doch keinen Schaden und es ist sogar sehr interessant, zu sehen, wie die eingeschränkten Möglichkeiten bestens ausgefüllt werden.

Zum Schluss im "Grand Finale" bedankt sich Andrew Lloyd Webber noch bei vielen, die mitgeholfen haben, den großen Erfolg aus dem Musical zu machen - und ehrt auch einige Mitglieder der ersten London-Cast. Neben Sarah Brightmann singt dann noch Colm Wilkinson das grandiose "Music Of The Night" zum Abschluss und erzeugt noch eine letzte Gänsehaut. Klasse Show!

   

Passenderweise erscheint auch die Fortsetzung des Musicals, "Love Never Dies", gleichzeitig auf DVD und Blu-ray. Kaum ein Musical der Neuzeit wurde so sehnlich erwartet und zugleich schon vorab zum Scheitern verurteilt wie der Nachfolger zum großen "The Phantom Of The Opera". Die meisten Musical-Fans haben bezweifelt, dass das Genre-Genie Andrew Lloyd Webber sich damit einen Gefallen tun würde, eine Fortsetzung für das Phantom und seine unglückliche Liebe zur Opernsängerin Christine Daaé zu erschaffen.

Die Handlung spielt sich zehn Jahre später ab, im Jahr 1907. Das Phantom hat sein Versteck unter der Pariser Oper verlassen und ist in die USA ausgewandert, wo er in New York in Coney Island den Attraktionenpark "Phantasma" erschaffen hat. Hier kennt man ihn als den Gönner Mr. Y, der Christine nun mit einer reizvollen Gage nach New York lockt. Diese ist in Paris zwar eine erfolgreiche Sängerin, aber ihr Mann Raoul hat die Finanzen der Familie mit lottrigem Lebensstil minimiert, daher kann sie das für nur einen Auftritt gebotene Geld bestens gebrauchen. Mit Raoul und dem Sohn Gustave reist sie nach New York...

Bereits 1990 begann Andrew Lloyd Webber mit den Planungen zur Fortsetzung der Geschichte um das Phantom und Christine. Bald jedoch stellte er fest, dass er in puncto Story nicht so voran kam wie erhofft. Er begann, mit dem erfolgreichen Autor Frederick Forsyth zu arbeiten, von seinen Ideen wurden aber nur einige aufgegriffen, und als Ergebnis veröffentlichte Forsyth 1997 den Roman "The Phantom of Manhattan". Webber hingegen legte das Projekt auf Eis und begann erst Mitte des abgelaufenen Jahrzehnts wieder mit intensiver Arbeit am Stoff. Mit verschiedenen Autoren suchte er nach der passenden Handlung, und schließlich lieferte Ben Elton, mit dem er bereits das Musical "The Beautiful Game" erschuf, die entscheidenden Ideen. Für die Liedtexte verpflichtete Webber schließlich Glenn Slater. Am 9. März 2010 feiert "Love Never Dies" Weltpremiere im Londoner Adelphi Theatre - ab November war das Musical dann auch in New York zu sehen, und für 2011 waren Aufführungen in Australien schnell bestätigt. Zur Weltpremiere erschien bereits eine Doppel-CD des Musicals, eingesungen von der Erstbesetzung aus London, ebenfalls mit Ramin Karimloo als Phantom und Sierra Boggess als Christine (siehe oben).

Auf DVD und Blu-ray gibt es nun eine Aufzeichnung aus dem Regent Theatre in Melbourne zu kaufen, in der Ben Lewis als Phantom und Anna O'Byrne als Christine in den Hauptrollen spielen und singen. Dies tun sie gekonnt, obwohl sie es nicht ganz schaffen, den Zauber von Karimloo und Boggess zu verströmen - schade, dass man nicht die Erstbesetzung aus London geboten bekommt. Spaß bereitet die Aufzeichnung aber trotzdem, denn das Musical weiß zu überzeugen und zu gefallen, auch wenn es im Endeffekt nicht ganz die bombastische Klasse des Vorgängers besitzt, die aber auch nur selten erreicht werden dürfte. Die lange und akribische Arbeit an "Love Never Dies" hat sich aber in jedem Fall gelohnt, bis auf den kitschigen Titel des Musicals - welches eigentlich zuerst "Phantom: Once Upon Another Time" heißen sollte - gibt es kaum etwas zu bemängeln. Im Gegenteil, das Musical knüpft gut an den Vorgänger an, die Handlung weiß im Endeffekt durchaus zu überzeugen, und die Musik ist eine Mischung aus einigen Perlen und immer noch ansprechenden Stücken, die mehr sind als Füller. Webber ist es gut gelungen, einige Elemente aus dem Vorgänger mit aufzugreifen, allerdings so eingebunden, dass sie nicht zu plakativ wiederverwendet werden. Das fröhliche Phantasma spiegelt sich im beschwingten "Heaven By The Sea" wider, generell aber bietet Webber wieder ein schön klassisches Musical, welches an den Vorgänger anknüpfend teilweise dann natürlich auch wieder in Richtung Operette geht, wenn es um Christines Gesangsaufführungen geht. Das gelungene Bühnenbild macht das Erlebnis erst vollkommen. Die ersten Auftritte des Phantoms sind mit der richtigen Dramatik gespickt, zwischen Verzweiflung und Entschlossenheit wechselnd - musikalisch einfach nur klasse umgesetzt, besonders im sehnsuchtsvollen "'Til I Hear You Sing". Christines hoffnungsvolle Ankunft und Raouls Unlust auf New York sind passend intoniert, gefolgt von "Beneath A Moonless Sky" als Begegnung Christines mit dem Phantom und Rückblick auf alte, vergangene, für sie längst abgeschlossene Zeiten. Später begreift auch Raoul, mit wem er es zu tun hat ("Dear Old Friend") - und das Phantom fragt sich, ob es nicht vielleicht der Vater des musikalischen Gustave ("Beautiful") sei. Auffallendstes Stück des ersten Akts ist "The Beauty Underneath", bei dem das Phantom sich Gustave offenbart - musikalisch schwer rockend umgesetzt, was zuerst unpassend wirkt, sich dann aber mehr und mehr einpasst und als geschickt gesetzer Aufrüttler kurz vor der Pause erschließt. Im Gegensatz zu unzähligen Musicals, bei denen der zweite Akt klar abfällt gegenüber dem ersten, wird die Klasse hier nicht nur gehalten, man findet man sogar noch mehr Highlights. Ohne zu viel auf die weitere Handlung einzugehen, da diese ja für die Zuschauer spannend bleiben soll, die sich nicht vorab mit ihr auseinander setzen, müssen Raouls nachdenkliches "Why Does She Love Me?", das Phantom-Raoul-Wort-Duell "Devil Take The Hindmost", Christines Auftritts-Überdenkung "Before The Performance" und das namensgebende "Love Never Dies" allesamt als Höhepunkte erwähnt werden. Der zweite Akt ist sehr dramatisch, und Gefühle wie Selbstzweifel, Neid, Eifersucht, Hass sowie natürlich Liebe werden musikalisch sehr gut umgesetzt. Und am Ende steht fest: Andrew Lloyd Webber bleibt der König des Musicals!


Wir verlosen zum Jubiläum nicht nur eine Doppel-CD der Gala (siehe Link zur CD-Kritik oben), sondern auch jeweils eine Blu-ray von "The Phantom Of The Opera At The Royal Albert Hall" und "Love Never Dies". Zur Teilnahme einfach hier klicken. Einsendeschluss ist der 9. April 2012. Viel Glück!

(Tobi)