Wie alles anfing...

Im April 1983 öffnete in Tokyo der erste Disney-Themenpark außerhalb der USA seine Pforten, und nachdem man mit Disneyland in Kalifornien und Disneyworld in Florida bereits große Erfolge verbuchen konnte, wurde auch dieser dritte Park zu einem Publikumsmagnet. Walt Disney Productions hatte hiervon allerdings erstaunlich wenig, gehörte ihnen der Park doch gar nicht. Die Oriental Land Company, von einem Konsortium mächtiger japanischer Unternehmen gegründet, hatte den Bau finanziert und daher auch die Rechte, den Park allenie zu betreiben. Disney bekan lediglich etwas Geld aus Lizenzen und 5% der Merchandising-Einnahmen. Es war also klar, dass ein vierter Park ins Auge gefasst wurde, bei dem man dann auch wieder selbst alles in der Hand haben wollte. Die Entscheidung für Europa fiel recht schnell, liefen die Disney-Filme doch auf diesem Kontinent erfahrungsgemäß noch um einiges besser als in den USA, man brauchte also niemanden mehr an Disney und Merchandising zu gewöhnen, es gab schon Massen an Fans.

Von 1983 bis 1987 suchte man in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien einen geeigneten Ort, zum Schluss blieben die Costa del Sol in Spanien oder Paris in Frankreich als Kandidaten übrig. Auch wenn das Klima in Spanien mehr Sicherheiten zu bieten schien, entschied man sich für Frankreich, da die Bevölkerungszahl dort höher war und das Verkehrsnetz weit besser ausgebaut. Die Erfolge im klimatisch ähnlich gelegenen Tokyo waren zudem Ausschlag gebend.

Schon 1987 stand fest, wie Disneyland Paris einmal aussehen sollte:
  • Disneyland Park mit fünf Ländern (Adventureland, Frontierland, Discoveryland, Fantasyland und Main Street USA)
  • Ein zweiter Themenpark, die Walt Disney Studios
  • Sieben Hotels mit insgesamt 5800 Zimmern
  • Zwei Konferenz-Zentren für wirtschaftstreffen
  • 69 gastronomische Betriebe, von Fast-Food bis zu edlen Restaurants
  • 52 Geschäfte
  • Disney Village als Verbindung zwischen den Hotels und den Parks, mit Restaurants, geschäften, einem 15-Saal-Kino und Showtheatern
  • 27-Loch Golfplatz
  • Gute Verkehrsanbindung für das 1943 Hektar große Areal außerhalb von Paris, per Zug (Marne-la-Vallee-Chessy TGV) und per Auto (über die A 4)

Als die französische Regierung von ihrem Recht Gebrauch machte, das Land billiger als normal an Disney zu verkaufen, gab es Proteste der ansässigen Farmer - vor allem weil einigen von diesen Land enteignet wurde. Die Disney Company arbeitete hieraufhin eng mit den Landbesitzern zusammen, um Problemen vorzubeugen, und sie schaffte es, dass man nach kurzer Zeit stolz war, bald Besucher aus vielen Ländern zu bekommen. Natürlich wurde auch das Versprechen, neue Jobs zu schaffen, positiv aufgenommen, und so stand dem Projekt nichts mehr im Wege.

Am 12. April 1992 wurde der weltweit vierte Disney-Themenpark eröffnet. Man hoffte auf 11 Millionen Besucher jährlich, rechnete etwa mit der Hälfte hiervon aus Frankreich. Die Rechnung ging nicht auf: Zwar kamen die 11 Millionen Besucher, aber die Einnahmen waren bei weitem nicht so hoch wie erhofft. Ende 1993 hatte man 1,5 Milliarden Mark Verlust eingefahren, vor allem aufgrund der Kreditschulden und ihrer Zinsen. Man hatte den Fehler gemacht, sich trotz mehrerer Angebote keine Partner für Eurodisney ins Boot zu holen, die das Risiko mit tragen würden, und auch die Rezession wurde nicht ernst genommen. Zudem hatte man amerikanische Erfahrungen als Grundlage für europäische Verhaltensweisen angenommen, womit man sich auf Glatteis bewegte. Ein Beispiel: Der Franzose trinkt mittags eben gerne einen Wein zum Essen, und das aus den anderen Parks übernommene Alkoholverbot wurde so zu einem Problem, denn die Gäste waren nicht zufrieden mit dem Angebot. Auch die Annahme, montags kämen nicht viele Leute, dafür freitags, war vollkommen falsch. Die Tatsachen lagen genau anders herum, und das montags limitierte Personal wurde mit den Massen kaum fertig, während freitags einige Mitarbeiter Däumchen drehen konnten. Zudem brachten die Europäer aufgrund des ja schon nicht geringen Eintrittspreises bei weitem nicht das Geld zu Restaurants und Shops, wie erwartet wurde. Presseberichte über unzufriedene Angestellte taten ihr übriges. Folgen waren ein rapide sinkender Aktienkurs, die Entscheidung, das Disney-MGM Studios Projekt erst einmal auf Eis zu legen (eigentlich sollten die Studios 1995 eröffnen) und ein Wechsel des Managements.

Im März 1994 wurden Schritte eingeleitet, um Eurodisney zu retten. Nach sehr zähen Verhandlungen zwischen den Banken, die mit investiert hatten, und Disney gab es kurz vor dem bevorstehenden Aus doch noch ein glückliches Ende: Die Disney Company willigte ein, 750 Millionen Dollar in das Projekt zu investieren, außerdem für fünf Jahre auf Lizenzgebühren an den Mutter konzern zu verzichten. Die Banken ihrerseits kauften für 500 Millionen Dollar 51% der Aktien und vergaben 18 Monate an Zinszahlungen und setzten die Ratenzahlungen für drei Jahre aus. Eurodisneys war gerettet, aber die schlechte Presse hatte ihre Wirkung auf die Besucherzahlen gehabt. Im Juni 1994 brachte eine erneute Finanzspritze Entspannung. Prinz Al-Walid bin Talal bin Abdul-Aziz Al-Saud aus Riyadh, Saudi Arabien, investierte in das Projekt, und nach Neuemission und zusätzlichen 100 Millionen Dollar hielt er schließlich 17% an Eurodisney. Der Name Eurodisney wurde am 1. Oktober 1994 in Disneyland Paris geändert, um die schlechten Assoziationen des Beginns zu verdrängen und durch Nennung einer der romantischten Städte der Welt einen noch reizvolleren Titel zu haben. Zudem wurden die zu hohen Preise gesenkt, was die Besucher natürlich freute. Am 31. Mai 1995 eröffnete im Discoveryland die Top-Attraktion "Space Mountain - De la Terra à la Lune", eine Achterbahn im Dunkeln, und die Besucher strömten wieder. Im Juli 1995 wurden, was viele als Überraschung ansahen, erstmals schwarze Zaheln vorgelegt, man hatte mit 35,3 Millionen Dollar im Plus den ersten positiven Quartalsabschluss zu verkünden. Die Besucherzahlen stiegen weiter an - Disneyland Paris lief endlich rund.

Im September 1999 ließ man offiziell verlauten, dass der verschobene zweite Themenpark nun endlich gebaut werde, und nach einigem Hin und Her um den Namen (das ursprüngliche "Disney-MGM Studios" war schon vom Tisch) wurde 2001 "Walt Disney Studios Paris" bekannt gegeben - der Städtename verschwand aber wieder, als dem Gesamtprojekt der neue Name "Disneyland Resort Paris" verpasst wurde. Zur Finanzierung musste EuroDisney SCA das Aktienkapital um 1,5 Milliarden Franc aufstocken. Am 12. März 2002 öffnete schließlich der zweite große Komplex, der aber sicher noch weiter ausgebaut wird.

Einige Fakten:
  • Bis Ende 2001, also in zehn Jahren Bestehen, besuchten mehr als 110 Millionen Menschen den Park.
  • Über 70.000 Jahreskarten werden verkauft.
  • Die Besucher kommen etwa zu 40% aus Frankreich, dann etwa zu je 17% aus Belgien/Luxemburg und Großbritannien, etwa 8% kommen aus Deutschland.
  • Etwa 11.000 Angestellte aus ca. 100 verschiedenen Nationen arbeiten für Disneyland Resort Paris in 725 verschiedenen Berufen. Im Durchschnitt sind sie 31 Jahre alt, die Hälfte ist schon mehr als drei Jahre dabei. Seit 1999 arbeitet man 35 Stunden in der Woche.


Über die einzelnen Attraktionen vom Disneyland Resort Paris berichten wir in unserer Kritik.


Mehr Informationen

Weitere Informationen zum Disneyland Resort Paris, zu Eintrittspreisen und Öffnungszeiten, zu Spezialveranstaltungen und vielem mehr gibt es online unter www.disneylandparis.com.