Normaler Circus war gestern - "Cirque du Soleil" ist heute. So in etwa könnte man das Gefühl beschreiben, dass man als Besucher von Veranstaltungen des Cirque du Soleil schon seit mehr als 30 Jahren verspürt, wenn man eine Show verlässt. Was bei der Gründung 1984 im kanadischen Quebec noch als Zusammenschluss von Straßenkünstlern begann, die ihr Programm optimieren wollten, ist inzwischen zu einem weltweit renommierten Show-Highlight geworden. Die Faszination des Cirque du Soleil liegt in einer perfekten Mischung aus toller Artistik, künstlerischer Aufmachung, farbenfrohem Lichtspiel und live dargebotener, toller Musik - Tiere werden hier nicht durch die Lande geschleift. Seit der Gründung gewann der Cirque du Soleil hierfür zahlreiche Preise, darunter den Emmy Award, den Drama Desk Award, den Ace Award, den Gemini Award, die Rose D'Or de Montreaux, den Felix Award und auch den Bambi.

Gab es 2003 bei unserem ersten Bericht über den Cirque du Soleil noch acht verschiedenen Shows weltweit, so werden aktuell bereits 20 Shows dargeboten, wobei "CRISS ANGEL Believe", "KÀ", "The Beatles LOVE", "Michael Jackson ONE", "Mystère", "O", "Zarkana" und die ausschießlich für Erwachsene zugängliche Erotik-Revue "Zumanity" fest in Las Vegas gezeigt werden, dazu kommt neben "La Nouba" in Orlando/Florida inzwischen auch "JOYÀ" im mexikanischen Riviera Maya. Sechs Shows sind momentan im Zelt auf Tour: "Corteo", "KOOZA", "OVO", "TOTEM", "Amaluna" und "KURIOS – Cabinet of Curiosities". Die 2003 in Deutschland gezeigte und von uns damals vorgestellte Show "Saltimbanco" (Kritik hier) gehört momentan nicht dazu. "Quidam" und "Varekai" touren zudem durch große Hallen der Welt.


Der folgende Text stammt aus dem Jahr 2006, als wir "Dralion" besuchten:

Seit der Weltpremiere von "Dralion" (der Name vereint Dragon (Drache), der den Orient repräsentiert, und Lion (Löwe) der den Westen darstellt) 1999 in Montreal wurde die Show von über dreieinhalb Millionen Menschen in 30 Städten in Nordamerika besucht. Auch in den Städten der europäischen Tournee – unter anderen London, Amsterdam, Wien, Madrid, Barcelona – hat die Show für Begeisterungsstürme gesorgt. Weit mehr als 1,6 Millionen Menschen haben "Dralion" in Europa bereits gesehen!

An "Dralion" wirken 62 Artisten aus elf Ländern mit (Argentinien, Weißrussland, Brasilien, Kanada, China, Frankreich, Elfenbeinküste, Österreich, Russland, Ukraine und USA), darunter die Haustruppe, bestehend aus 37 chinesischen Akrobaten. Die vielseitig begabten Darsteller zeigen ein breites Repertoire hochkarätiger Artistik. Höhepunkt ist eine atemberaubende Trampolinnummer, welche die Gesetzte der Schwerkraft zu überschreiten scheint.


Das faszinierend futuristische Bühnenbild steht im Einklang mit den artistischen Darbietungen der Künstler, die eine fesselnde high-tech Performance bieten. Die Kostüme, exklusiv für "Dralion" entworfen, präsentieren sich in vier Farben, die für die vier Elemente stehen: Blau für die Luft, Grün für das Wasser, Rot für das Feuer und Ocker für die Erde. Die schillernden Farben der Kostüme reflektieren sich im metallischen Glanz des futuristischen Dekors.

"Dralion" schöpft aus weltweiten kulturellen Einflüssen und der Vielfalt der Darsteller des Cirque du Soleil. Die Einflüsse der beim Cirque du Soleil traditionell live gesungenen und gespielten Musik - wichtiger Bestandteil jeder Cirque du Soleil Show - reichen von indischen Melodien bis zu Klängen andalusischer, afrikanischer und mitteleuropäischer Instrumente.


Für "Dralion" unter der Regie von Guy Caron wurde die Musik von Violaine Corradi komponiert, die inzwischen auch für die Show "Varekai" noch einmal engagiert wurde. Sieben Musiker, ein Sänger und eine Sängerin sorgen für die richtige Atmosphäre im klimatisierten Zelt, dem weißen Grand Chapiteau, das 2500 Zuschauern Platz bietet. Wie in einem römischen Amphitheater sind die Sitzplätze in einem Kreis von 270 Grad um eine zentrale, kreisförmige Drehbühne herum angeordnet, ein Eingangszelt ist voran gestellt.

Mehr Informationen zur Show findet man auf www.cirquedusoleil.com.

Termine
 

Momentan wird "Dralion" in Deutschland nicht gezeigt. Dafür gibt es die Show "Varekai" in verschiedenen Städten zu sehen, für die man Tickets online über die Website www.cirquedusoleil.com nach Hause bestellen kann, man bekommt sie aber auch an allen bekannten Ticket Online-Vorverkaufsstellen.



Meinung
 


Die Show "Dralion" wurde 1999 vom Cirque du Soleil erschaffen, ist somit neuer als "Saltimbanco", "Alegria" und "Quidam", die auch schon in Deutschland zu sehen waren und die Besucher begeisterten. "Dralion" ist auch wieder ein großes Spektakel und garantiert einen schönen Abend in der typischen Cirque du Soleil Fantasiewelt. Lediglich musikalisch wusste die Show nicht ganz so sehr zu bezaubern wie z.B. "Alegria" oder "Saltimbanco". Ein Sänger (Calvin Braxton) und eine Sängerin (Agnès Sohier) brachten in goldene Kostüme gehüllt an Open erinnernde Töne zur Livemusik der siebenköpfigen Band - natürlich technisch sauber, aber das Ganze besaß nicht den schon alleine durch Klangwelten verzaubernden Charakter der anderen Shows, passte aber natürlich trotzdem noch bestens zum Gebotenen. Los ging es mit einem atemberaumbenden einhändigen Balanceakt, bei dem das chinesische Mädchen Wang Junru sich nur mit einer Hand in die Luft stemmte und so grazil und sicher bewegte, wie die meisten es nicht einmal können, wenn sie fest mit beiden Beinen am Boden stehen. Wahnsinn! Es folgte eine Bambusruten-Blanacier-Nummer, die Stimmung ins Zelt brachte, bevor die drei Clowns erstmals in Erscheinung traten. Diese gingen schon vor der Show durch die Publikumsreihen und stimmten mit kleinen Gags die Besucher ein - nun zeigten sie auf der Bühne ein starkes, witziges Zusammenspiel, welches sich im Laufe des Abends noch dreimal bestätigen sollte. Ein Akteur wurde zudem so im Publikum platziert und schon bei der Ansage vor der Show von den Clowns als etwas verklemmter Besucher agierend auf die Bühne geholt, wobei sich dann schon schnell heraus stellte, dass er doch zum Ensemble gehört. In jedem Fall hat es der Cirque du Soleil auch hier wieder geschafft, Clowns mit Klasse einzubinden, die zwischen Slapstick und hochklassigem Humor gekonnt zum Lachen bringen. Besonders gegen Ende die Nummer, wo die Clowns verschiedene Showteile kurz aufgriffen, war einfach nur klasse. Die eindrucksvollsten Showacts neben besagtem Ein-Hand-Balanceakt waren Viktor Kee als sehr kunstvoll agierender Ball-Jonglierer, eine tolle Trampolinnummer, bei der die fünf Künstler wunderbar anzusehen zwischen Trampolin und Bühnenbild hin und her schwebten, ein kunstvolles Lichterballett und ein tolles Pas de Deux zweier an Bänden schwebender Künstler (Igor Arefiev, Claudel Doucet). Für viel Action auf der Bühne sorgten chinesische Gruppen mit Springseilen oder Reifenspringen, ein Luftballett war schön anzuschauen, die Doppeltrapez-Nummer hingegen kam etwas unspektakulärer im Vergleich, und dann war da noch die namensgebende Dralions-Nummer, bei der die Akteure auf großen Bällen turnten oder auf sie sprangen. Die Akrobatik war also mal wieder umwerfend, wurde aber natürlich erst wieder zur großen, begeisternden Cirque du Soleil Nummer durch großartige Kostüme, das Zusammenspiel mit tollem Bühnenbild, farbigen Lichtspielen und der wenn diesmal auch nicht umwerfend aber ja immer noch sehr kunstvollen Musik. Figuren als Elemente (Luft, Erde, Feuer, Wasser) tauchten hier und dort auf und integrierten sich wunderbar in die Shownummern, dazu gab es Kinder als vier Mini-Elemente und einen Mini-Buddha. Fazit: "Dralion" ist vielleicht nicht ganz so spektakulär wie das perfekte "Saltimbanco", aber immer noch eine super Show, die man sich nicht entgehen lassen sollte! Besser als von Cirque du Soleil kann man sich einen Abend nicht unterhalten und verschönern lassen.

(Tobi)