Vor unserem Besuch im Heide-Park trafen wir Pressesprecher Klaus Müller und sprachen mit ihm über Konkurrenzdenken, Pläne für die Zukunft und den Spaß am Achterbahnfahren.
MUM: In den Jahren 1996 bis 1998 kam der holländische Stadtteil zum Park und es gab das 20-jährige Jubiläum. Jetzt kamen mit "Limit" und "Colossos" innerhalb von drei Jahren wieder zwei große Fahrgeschäfte hinzu. Ist nach dem Motto "schneller, höher, weiter" die nächste Attraktion geplant?
M: Ja, da ist etwas geplant.
MUM: Können Sie uns mehr verraten?
M: Nicht so viel. Wir werden eine sehr, sehr große Stahlachterbahn bauen, die 2003 fertig gestellt sein wird.
MUM: Zum 25-jährigen Jubiläum also. Sind sonst bereits Feierlichkeiten geplant?
M: Mit Sicherheit. Wir denken allerdings noch nicht soweit. Der Knackpunkt wird diese Achterbahn sein, und dann gibt es bestimmt noch andere Aktivitäten.
MUM: Die Achterbahn ist dann auch sicher 2003 fertig?
M: Ja, das wird kein Problem.
MUM: Stoßen Sie denn in puncto Ausdehnung an Grenzen, oder haben Sie noch genügend Platz?
M: Wir haben 85 Hektar bebaut, wobei es noch erhebliche Baulücken hierin gibt. Insgesamt haben wir über 400 Hektar zur Verfügung, wobei wir allerdings nicht alles bebauen werden, weil wir auch Waldgebiete auf dem Areal haben, wir haben aber noch viele Möglichkeiten, neue Attraktionen zu bauen.
MUM: War der Park bei seiner Eröffnung 1978 schon so konzipiert, dass er immer erweitert werden sollte, oder hat sich dies dann erst ergeben?
M: Dies war immer schon so geplant, wobei wir nicht wussten, welche Dimensionen dies mal annehmen würde, das war nicht absehbar.
MUM: Sehen Sie die neuen Attraktionen mehr als Mittel, die Besucher wieder anzulocken, die schon einmal im Park waren, oder als Köder für Erstbesucher?
M: Beides. Die Holzachterbahn hat uns jetzt zum Beispiel viele neue Besucher in den Park gebracht, auch aus dem internationalem Bereich. Es sind sogar Leute gekommen, die einfach nur Holz mögen, nicht mal unbedingt Freizeitparks. Fakt ist, dass wir natürlich unsere Stammbesucher - dies sind über 60% - immer wieder zufrieden stellen wollen, andererseits wollen wir natürlich neue Besucher in den Park holen.
MUM: War ein ausschlaggebender Punkt für den Bau der Holzachterbahn auch der künstlerische Anspruch?
M: Eigentlich gar nicht mal. Das war ein Lebenstraum unseres Chefs, Hr. Tiemann wollte immer schon so eine Bahn haben, doch so ein Ding ist ja very expensive, kostet viel Geld, 44 Millionen Mark. Das Geld muss man erst einmal auf der hohen Kante haben, und wir sind ein sehr gesunder Park, also haben wir die Achterbahn gebaut.
MUM: Im Phantasialand ist eine Holzachterbahn abgebrannt...
M: Falsch! Absolut falsch. Es ist traurig, dass dies immer noch so in den Köpfen der Journalisten ist, denn es handelte sich um eine Stahlachterbahn, mit Kunststoff verkleidet. In der Nähe der Bahn gab es einige Holzgebäude, dies war alles. Da gab es viele Falschmeldungen in der Presse, dass es eine Holzachterbahn gewesen sei.
MUM: Haben Sie denn Kontakt zu anderen Parks?
M: Wir haben einen guten Kontakt zu den großen Parks, ja.
MUM: Tauscht man sich denn auch über Sicherheitsaspekte aus?
M: Ja, da gibt es Fachgespräche. Was man leider nicht abstellen kann, das ist die Unvernunft der Besucher. Vor kurzem gab es einen Unfall in einem wesentlich kleineren Park, da ist ein Kind ums Leben gekommen, weil es irgendwo ins Wasser gesprungen ist, wo es dies absolut nicht durfte. Leider heißt die Schlagzeile dann immer "Schon wieder ein tödlicher Unfall in einem Freizeitpark", da geht die Presse nicht sehr säuberlich mit um.
MUM: Dies ist ja auch eine Frage der Herangehensweise des Journalisten, ob er eine reißerische Geschichte haben will oder nicht.
M: Ja. Es gab zum Beispiel über den Phantasialand-Brand einen Bericht in der "Bild", da wurde ein verschlossenes Eingangstor abgebildet, und darunter stand "Sicherheitstür des Phantasialands" - dabei gibt es dieses Tor dort überhaupt nicht. Mit solchen Dingen ist dort gearbeitet worden, was ich sehr bedauerlich finde, denn Phantasialand gehört meiner Ansicht nach zu den am besten geführtesten Parks. Dass dort etwas passiert ist, das war sehr bedauerlich, doch man kann es auch nicht dem Park vorwerfen, sondern eher der ausführenden Firma. Ich finde es schade, dass deswegen nun der Besucherstrom dort so abgeebbt ist.
MUM: Wie Ihren Worten zu entnehmen ist, sehen Sie sich nicht als Konkurrenten, sondern pflegen ein Miteinander.
M: Es gibt im Norden einen sehr großen Park, es gibt im Süden einen sehr großen Park, und es gibt in Mitteldeutschland einen sehr großen Park, sie sind also gut verteilt. Diese Parks verstehen es, Parkgeschichte in Deutschland zu schreiben.
MUM: Gab es denn im Heide-Park schon Unglücke?
M: Es gab schon Unfälle, ja, aber toi toi toi, das sagen wir ganz ehrlich, sind diese nur auf Fehlverhalten der Besucher zurück zu führen gewesen. Wir sind einer der Parks mit sehr hohem Sicherheitsbedürfnis. Dies ist schon so hoch, dass sich teilweise Parkbesucher beschweren, weil sie meinen, dass wir zu sehr aufpassen.
MUM: In Bezug auf die Größenvorgaben bei den Fahrgeschäften.
M: Ja, Größe der Kinder, auch Alter, und Gewicht bzw. Umfang der Erwachsenen auch. Da geht ja auch nicht alles. Wenn man einen baumlangen Menschen hat, über 2 Meter, der kann eben nicht in "Colossos" einsteigen, oder einen sehr fetten Typen, der passt da auch nicht rein.
MUM: Haben Sie selbst auch einen Besucherrückgang nach dem Phantasialand-Unglück verzeichnet?
M: Nö, überhaupt nicht. Das hat uns in keinster Weise negativ beeinflusst. So ist das nun mal im Leben. Ich hatte viel mehr den Eindruck, dass viele Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr zu uns gekommen sind, statt das Phantasialand anzufahren.
MUM: Noch einmal zum Konkurrenzthema. Hofft man vielleicht, dass woanders mal etwas passiert, wenn man weiß, dass man davon profitiert?
M: Nee, da gibt es keine Schadenfreude. Aber so ist eben das Leben. Dort, wo etwas passiert, da kommen erst einmal weniger Leute. Da muss man erst Preisnachlässe machen, um die Leute wieder in den Park zu kriegen. Wir haben aber generell den Eindruck, dass es in diesem Jahr einen Besucherrückgang in Freizeitparks gibt. Dadurch, dass wir "Colossos" gebaut haben, liegen wir aber etwas über den Zahlen von 1999, und das war ein gutes Jahr. Das Jahr 2000 klammern wir aus, da ging es kaum einem Freizeitpark gut, weil die Expo war und man staatlich aufgefordert wurde, dorthin zu gehen.
MUM: Wenn Sie solch ein gutes Verhältnis zu anderen Parks haben, gibt es dann auch Überlegungen, eine Karte einzuführen, die für mehrere Parks gilt?
M: Die gibt es, ich weiß aber gar nicht, ob sie noch gültig ist - sie galt für die drei großen Freizeitparks Europapark Rust, Heide-Park und Phantasialand.
MUM: Ist die Besucherzahl stark witterungsabhängig?
M: Natürlich. Im Sommer ist dies nicht so das Problem, da ist es ja immer warm, aber im Herbst macht das Wetter schon viel aus. Jetzt kommen die Herbstferien.
MUM: Ich sehe Phantasialand eher als Familienpark, den Heide-Park hingegen mehr für Menschen ideal, die mehr Attraktionen erleben wollen. Gibt es hier Erhebungen zu, oder zu den Altersklassen, welche dies ja widerspiegeln dürften?
M: In vielen Jahren kamen zu uns besonders die Leute zwischen 10 und 20 Jahren gerne. Wir haben viel Wert darauf gelegt, unsere Struktur etwas zu verändern, was uns auch gelungen ist. Wir haben viel im Kleinkinderbereich getan, also kommen auch vermehrt junge Familien. Die Leute sind allerdings ziemlich verwöhnt. Wir haben jetzt mehr als 70 Attraktionen im Park, vielen reicht dies aber immer noch nicht. Wir gehen aber auch den Seniorenbereich an. Wir haben viele Senioren, die mit ihren Enkeln kommen und Wildwasserbahn fahren, oder auch die Bobbahn - ach, wir haben da so viel, ja auch die Tiershows, mit Seelöwen, Delphinen, Papageien und so weiter. Wir versuchen mehr und mehr, auch Seniorengruppen in den Park zu bekommen. Wir haben Angebote für Landfrauen und so weiter, die dann Kaffee trinken kommen und spazieren gehen. Der Park hat ja zwei Faktoren, die Fahrgeschäfte und die Landschaft. Wir haben 30 Gärtner angestellt, eine richtig schöne Parklandschaft. Selbst wenn der Park geschlossen ist, kann man hier spazieren gehen.
MUM: Den Eintrittspreis finde ich im Vergleich zu anderen Parks wie z.B. dem Phantasialand angenehm niedrig. Ist solch ein Preis auf Dauer zu halten?
M: In etwa, ja. Man muss sich auch überlegen, wie hoch man denn hier überhaupt gehen darf. Wir gehören mit unserer Ausstattung zur Spitzengruppe in Europa, liegen in der Preisgestaltung aber auch in Deutschland erst an vierter oder fünfter Stelle, und europaweit sind viele Parks wesentlich teurer. Gehen Sie mal nach Spanien, Andalusien, oder nach Italien, oder in die skandinavischen Länder, da zahlen Sie sich dumm und dämlich. Ich denke, der Eintrittspreis ist schon gerechtfertigt. Wir sehen aber auch, dass ein Besuch für eine Familie mit vier oder fünf Leuten ein kräftiger Griff in die Geldbörse ist. Noch gibt es in diesem Park keine Familienkarte, die könnte es aber bald geben. Wir wollen noch ein Feriendorf bauen, mit 550 bis 600 Häusern und einem großen Hotel, und dann wird es wohl auch eine Familienkarte geben, die in diesem Package mit verkauft wird.
MUM: Wie viel Prozent des Umsatzes werden denn über Eintrittsgelder, wie viel über Gastronomie getätigt?
M: Hälfte-Hälfte?
MUM: Ziehen Sie denn auch viele ausländische Gäste an, wenn die Preise dort so hoch sind?
M: Die Anfahrt ist für die Besucher aus dem Ausland natürlich teuer. Wir hatten immer so 6% ausländische Besucher, dieses Jahr werden es durch "Colossos" etwa 10% sein. Der Europapark Rust, vom Besucheraufkommen der größte deutsche Park, hat 60% seiner Besucher aus der Schweiz und aus Frankreich. Wir haben nun mal keine Ideallage für ausländische Besucher. Wenn wir direkt an der holländischen Grenze liegen würden, hätten wir sicher noch mehr Besucher. Laut Statistik geht jeder Holländer einmal im Jahr in einen Freizeitpark.
MUM: War damals nach Maueröffnung zu erkennen, dass viele ehemalige DDR-Bürger danach streben, in einen solchen Park gehen zu können?
M: Wir waren schon vor der Maueröffnung der einzige deutsche Freizeitpark, der sich mit der damaligen DDR beschäftigt hat. Es gab sogar schon Werbung dort und Gruppen, die zu uns gekommen sind. Dadurch, dass wir schon so früh dort geworben haben, war der Heide-Park bei Maueröffnung der bekannteste Freizeitpark in den neuen Bundesländern, das ist er auch noch.
MUM: Wie ist denn das Saison-Ticket, das Sie im Jahr 2000 eingeführt haben, angenommen worden?
M: Sehr gut. Es kostet momentan 100 DM und wir haben aus dem Raum zwischen Bremen, Hannover und Hamburg viele Besucher damit erreicht. Wir haben über 20.000 dieser Karten verkauft und die Tendenz ist steigend. Viele kaufen jetzt schon Saison-Tickets für das kommende Jahr, als Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk.
MUM: Wenn Sie das Ticket schon für nächstes Jahr verkaufen, bleibt der Preis also gleich.
M: Ja, ungefähr, das ist ja dann in Euro.
MUM: Sind Sie denn selbst auch ein freudiger Besucher des Parks?
M: Freudiger Besucher wäre übertrieben. Ich kann ja gar nichts benutzen, ich arbeite ja den ganzen Tag, und da benutze ich die Fahrgeschäfte eben kaum. Nun bin ich aber auch nicht unbedingt ein Achterbahn-Freund. Ich setze mich lieber ins "Mountain Rafting" rein und schaukel da mit durch. Die Zeit fehlt aber wirklich, um die Bahnen oft zu fahren. Wir haben dieses Jahr an die 700 Journalisten aus der ganzen Welt im Park gehabt, das ist viel Arbeit. Die Pfahlsitzweltmeisterschaften laufen ja auch noch. Heute um 12 Uhr übrigens wird der Weltrekord bei den Damen überboten werden, trotzdem aber wird die Dame weiter sitzen bleiben.
MUM: Wie lange sitzt sie dann schon auf dem Pfahl?
M: 108 Tage und eine Stunde. Zwei Männer sind auch noch oben. Das ist ein Event, welches uns auch sehr bekannt gemacht hat.
MUM: Sie haben ja auch ein Angebot für Kindergeburtstage.
M: Ja, und generell auch für Schulklassen. Wir hatten dieses Jahr am Tag bis zu 260 Schulklassen im Park. Da gibt es auch ein Extra-Programm, mit Blick hinter die Kulissen. Ich rechne damit, dass wir in diesem Jahr auf über 8000 Busse kommen, das ist sehr viel.
MUM: Noch einmal zurück zu Ihnen. Auch wenn Sie kein Achterbahn-Freund sind, "Colossos" sind Sie ja sicherlich gefahren.
M: Ja, einmal, und das reicht auch. Nee, ich bin ja häufig auch mit Journalisten und Fernsehteams dort. Da muss der Fahrbetrieb dann kurzzeitig unterbrochen werden, womit man sich, wie Sie sich vorstellen können, nicht unbedingt Freunde macht. Da halte ich mich dann auch lieber bedeckt.
MUM: Vielen Dank für das Gespräch.
MUM: Tobi und Miguel
M: Klaus Müller
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