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(28. Dezember 2003)

Das Theater des Westens ist mit Sicherheit eines der schönsten Musical-Theater, welches wir in Deutschland zu bieten haben - durch die Renovierung wurde dies noch unterstrichen. Von draußen schaut man auf einen Prachtbau, im Foyer funkelt es von edlen, riesigen Hängeleuchtern, und im Zuschauersaal sieht es durch das rote Velours und die prunkvollen Verzierungen in vier (!) Stockwerken einfach wundervoll aus. Man fühlt sich also wohl und wird von Beginn an in die richtige Stimmung versetzt.


Jean Valjean gibt Fantine (Ann Christin Elverum, rechts) das Versprechen,
sich um ihre uneheliche Tochter Cosette zu kümmern


Weniger Freude kam beim Blick auf die Besetzungsliste auf. Es mag ja verständlich sein, dass man an einem Sonntag-Nachmittag um 14 Uhr mal den einen oder anderen Hauptdarsteller für eine spätere Abendvorstellung schont. Bei der von uns besuchten Darbietung allerdings waren mit Oleh Vynnyk (Jean Valjean), Vera Bolten (Eponine), Uwe Kröger (Javert) und Ann Christin Elverum (Fantine) gleich vier der zentralen Hauptdarsteller nicht mit von der Partie - warum auch immer. Andererseits eine wohl seltene Chance, mal die zweite Reihe der Besetzung unter die Lupe zu nehmen, und diese schlug sich durchaus gut.


Auf den Barrikaden

In der Rolle des Jean Valjean überzeugte Seth Lerner, den man schon als Zweitbesetzung des Quasimodo aus Disney's "Der Glöckner von Notre Dame" in Berlin oder als Millionär George Widener aus "Titanic" in Hamburg kennt, mit engagiertem Spiel und gutem Gesang. Seine Klasse als Zweitbesetzung zeigte außerdem Kasper Holmboe als Javert, dessen Rolle er bereits in Duisburg alternierend spielte. Die zwischenzeitlichen Engagements bei "Mozart!" und "Elisabeth" sowie Soloshows haben seine Stimme in Schwung gehalten. Die auch als Opernsängerin ausgebildete Christiane Heinke bestach als Fantine mit klarer Gesangsstimme, und Henriette Grawwert machte als Eponine ihre Sache ebenfalls gut. Für beste Stimmung sorgten Heike Wiltrud Schmitz und Ulrich Wiggers als die verschlagenen, auf Manieren pfeifenden Thénardiers - einfach nur klasse! Positiv heraus stechend war außerdem der gebürtige Wiener Martin Pasching, der mit einer durch Klarheit und Ausdruck überzeugenden Stimme die Rolle des Enjolras optimal ausfüllte. In der Kinderrolle als Gavroche lieferte Louis Voelkel eine selbstbewusste und engagierte Vorstellung ab. Insgesamt gab es keinen Darsteller, der enttäuschte. Das Ensemble lieferte eine geschlossen gute Leistung ab, was bei den Passagen, wo es gemeinsam singt, natürlich besonders zur Geltung kam.


Eponine (Vera Bolten)

Die Inszenierung von "Les Misérables" in Berlin ist gut gelungen. Bei Kostümen und Bühne ist man gegenüber der Londoner Original-Produktion keine neuen Wege gegangen - warum auch. Die Kulisse ist im Vergleich mit einigen anderen Musicals eher schlicht gehalten, reicht aber vollkommen aus. Dynamik bezieht die Handlung vor allem durch die Drehbühne, die schnelle Übergänge und Ortwechsel zulässt. Für klangliche Befriedigung sorgt die gute Akustik im Theater des Westens, wobei die Musik anfangs etwas zu leise schien, was sich im Verlauf der Vorstellung aber legte. Musikalisch gibt es keine Überraschungen wie neue Songs zu bestaunen, aber die altgedienten haben an Klasse natürlich nichts eingebüßt. Tolle Musik, auch wenn keines der Stücke als Ohrwurm heraus sticht.



Fazit: In Berlin hat man die Möglichkeit, die gelungene Inszenierung eines Kultmusicals in einer der schönsten Spielstätten zu sehen - diese Chance sollte man sich nicht entgehen lassen.

(Karo)


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LES MISÉRABLES
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