Stand des Berichts: 2003

Seit der Uraufführung von SALTIMBANCO (welches ein altes, italienisches Wort für "Straßenkünstler" ist) im Jahr 1992 begeisterte die Show schon mehr als sechs Millionen Besucher auf vier Kontinenten. Zuerst ging es zwei Jahre durch Nordamerika, 1994 nach Japan. Von 1995 bis 1997 zog man erstmals durch Europa. 1998 war kurz Zwischenstation in Kanada, bevor eine dreijährige Tournee in Asien und Pazifik gestartet wurde. 2003 war Show wieder zurück in Europa, wo es nach dem Start im Februar 2002 in Amsterdam nach Gastspielen in Barcelona, Wien, Brüssel, Madrid, London und Bilbao dann nach Genf (18.4.-18.5.), Köln (5.6.-29.6.), Oostende (24.7.-17.8.) und Zürich (19.9.-19.10.) ging. Hiermit war SALTIMBANCO die am längsten aufgeführte Cirque du Soleil Show.


Die 50 Künstler im Alter zwischen 7 und 48 Jahren aus 14 verschiedenen Ländern präsentieren, nachdem sie sich jeweils durchschnittlich zwei Stunden geschminkt haben (und das schafft nicht mal meine Freundin!), neun Nummern. "Adagio" zeigt Andriy, Oxana und Maxsim Vintilov aus Kleinfamilie, die zu verschiedenen Skulpturen verschmelzt. In "Chinese Poles" klettern, springen und wirbeln 20 Artisten an 7,5 m hohen chinesischen Stangen. In "Double Wire" zeigt Wang Jingmin ihre Balance auf zwei parallel gespannten Seilen, die 120 cm auseinander und mit einem Höhenunterschied von 150 cm gespannt sind. "Jonglieren" ist, was Maria Markova mit Bällen zu kubanischen Rhythmen tut. In "Boleadoras" geben Marie-Claude Lacroix und Adriana Laura Pegueroles dan Takt an, mit einer Mischung aus Tanz und Percussion. Mit "Russian Swing" wird nach einer 25-minütigen Pause der zweite Teil eröffnet, wobei in 9 m Höhe auf schwingenden Schaukeln Kunststücke in bunten, leicht barocken Kostümen vollführt werden, bis eine Pyramide gebildet ist. Bei "Duo Trapeze" zeigen die Zwillinge Ruslana und Taisiya Bazaliy hoch über den Zuschauern ihr Luftballett. In "Hand-To-Hand" präsentieren Andrezej Piechota und Tomasz Wlezien ihre Kraftübungen in tänzerischen Bewegungen. Bei "Bungee" schweben, fliegen und stürzen vier Geschöpfe zu den Klängen einer Opernarie durch die Luft. Als rotierender Act, der in Reserve eingesetzt wird, fungiert in "Diabolo" Mitchell Head mit seinem chinesischen Yo-Yo, das er kunstvoll beherrscht.


Ein wichtiger Bestandteil jeder Cirque du Soleil Show ist die Musik, die stets live gespielt wird. Für SALTIMBANCO wurde sie von Rene Dupere komponiert, inspiriert vom Thema Urbanität, einen Bogen von Klassik bis zur Moderne spannend. Fünf Musiker und zwei Sängerinnen sorgen für die richtige Atmosphäre im klimatisierten Zelt, dem weißen Grand Chapiteau, das 2510 Zuschauern Platz bietet. Wie in einem römischen Amphitheater sind die Sitzplätze in einem Kreis von 270 Grad um eine zentrale, kreisförmige Drehbühne herum angeordnet, ein Eingangszelt ist voran gestellt.

Die Show unter der Regie von Franco Dragone dauert inklusive der 25 Minuten Pause zweieinhalb Stunden. Das Eingangszelt und die Bars öffnen eine Stunde, das Grand Chapiteau 30 Minuten vor der Vorstellung. Achtung: Die Show beginnt stets pünktlich und Zuspätkommende werden erst während einer angemessenen Unterbrechung in die Darbietung eingelassen. Zuspätkommende Rollstuhlfahrer können nur in der Pause eingelassen werden. Was sollte man noch wissen? Es gibt keine Garderobe, Tiere sind nicht erlaubt, und Rauchen ist im Grand Chapiteau nicht gestattet. Handys müssen während der Vorstellung selbstverständlich ausgeschaltet sein, und Videotapes, Kameras sowie Audiorekorder sind natürlich auch verboten.





"Saltimbanco" erfüllt alle Erwartungen, die man aufgrund der Vorberichterstattungen und der ja auch nicht ganz billigen Tickets haben könnte. Schon vor Beginn der Show flitzen einige farbenfroh maskierte Gestalten durch die Zeltgänge und führen kleine Kunststückchen und Gags mit dem Publikum auf, um die Stimmung anzuheizen. Wenn dann das Licht erlischt, ist man nur noch fasziniert von dem, was auf dem Bühnenrund gezeigt wird. Im Hintergrund spielt in Clowns-Kostümen die Liveband auf einem Wagen, über dem es eine Art gläsernen Balkon gibt, auf dem die Akteure zu Beginn, aber auch während er Vorstellung ab und an auftauchen. Nach Begrüßung und einem sich um eine Couch und ein Kind drehenden Intro präsentiert Familie Vintilov ihre ineinander verschlungenen Verrenkungen, wobei das Kind auch seine Körperbeherrschung und Kraft unter Beweis stellt. Danach beklettern und bespringen bei "Chinese Poles" die Artisten die Stäbe, führen auch diverse Kraftakte vor. Untermalt wird alles stets von passender, schöner Musik, die mal kraftvoller daher kommt, mal ruhiger und atmosphärischer. Zwei tolle Sängerinnen sind hierbei zu loben, die allem einen zusätzlichen Kick verleihen. Witzig ist Jesko von den Steinen mit seinen beiden Nummern als "Eddie the Clown". Vor der Pause vollführt er alleine witzige Pantomime, nach der Pause holt er sich einen Kontrapart aus dem Publikum dazu, mit ihm zusammen ein actionreiches Abenteuer zu bestehen - dazu macht Jesko in toller Weise Geräusche mit seinem Mund nach wie einst Michael Winslow in "Police Academy". "Double Wire" ist eine nette Seiltanz-Nummer mit Anspruch in luftiger Höhe, aber die beiden Highlights der ersten Hälfte sind die hübsche, ausstrahlungsstarke Maria Markova mit ihrer begeisternden Jonglier-Nummer sowie die ebenfalls feurig ausschauenden Patricia van Cauwenberge (toller Ersatz für Marie-Claude Lacroix) und Adriana Laura Pegueroles mit ihrer fetzigen, flotten Steptanz-Nummer, bei der sie mit am Ende beschwerten Seilen für das eigentliche percussion-Feuerwerk sorgen. Wahnsinn! Völlig hin und weg ob dieser beiden Nummern geht man in die Pause, wo man die Möglichkeit hat, in den zahlreichen Merchandising-Artikeln zu stöbern oder Hunger bzw. Durst zu bekämpfen. Weiter geht es mit der beeindruckenden Schaukel-Artistik-Nummer "Russian Swing" unter dem Zeltdach. In der Luft geht es weiter, wenn als "Duo Trapeze" die Zwillinge Ruslana und Taisiya Bazaliy ihre Kunststücke vorführen, flott und atemberaubend. Die Kraftübrungen von Andrezej Piechota und Tomasz Wlezien sind hiergegen nicht ganz so spektakulär, aber doch vom Anspruch her erste Güte, außerdem kommen beide sehr sympathisch daher. Beim Abschluss "Bungees" wird an Gummiseilen kreuz und quer durch das Zelt geflogen, bevor es zum farbenfrohen Finale kommt. Fazit: Super Show, die man sich nicht entgehen lassen sollte!

(Tobi)