CTS-MUM
Amen & Raging Speedhorn & Grand Theft Audio, Berlin, Knaack, 25.11.2000
 
Man weiß aber auch wirklich nicht, was man beim Berliner Publikum zu erwarten hat. Amen sind spätestens nach ihrem Wechsel zu Virgin doch keine unbekannte Band mehr, waren sie vorher bei Roadrunner doch auch schon nicht, aber trotzdem verlieren sich nur vielleicht 50 Mann an diesem Abend ins Knaack, merkwürdig. Vor allem, weil man auch noch zwei Bands als Support mitgebracht hat, und 25 DM für drei Combos kann man durchaus als okay bezeichnen. Den Anfang machen vor nicht viel mehr als zehn Zuschauern Grand Theft Audio mit ihrer Mischung aus kräftigen Gitarren, treibenden Beats und elektronischen Klängen. "Blame Everyone" heißt ihr Album, dessen Songs sie vorstellen, so richtig Stimmung will aber nicht aufkommen, der Funke springt nicht über - so dass sie dann auch nur ihren Stiefel runter spielen und vielleicht froh sind, in anderen Städten mehr Leute vor der Bühne zu entdecken.
Als zweite Band kommen Raging Speedhorn auf die Bühne, vor der sich inzwischen dann die genannte Maximalschar an heutigen Zuschauern eingefunden hat. Die Combo legt mächtig los und weiß zu überzeugen. Die zwei Shouter brüllen abwechselnd ins Mikro, zwei Gitarristen, ein Bassist und ein Drummer geben ebenfalls Gas und legen eine Power-Show auf die Bretter, die Spaß macht. Hart geht es zu, die Songs sind aber trotzdem abwechlunsgreich und interessant. Sicherlich der Sieger des Abends im imaginären Wettstreit der Bands um die Krone der besten Band.
Zum Abschluss kommen Amen als Hauptact auf die Bühne, spielen dann aber auch nicht länger als die anderen, gerade mal eine halbe Stunde. Ob sie dies immer so machen oder einfach keine Lust haben, für ein paar Leute länger zu spielen (was extrem unprofessionell wäre), will ich mal dahingestellt lassen. Den vom Korn-Produzenten Ross Robinson auf CD gebrachten Sound schaffen sie live nicht zu erzeugen und versuchen, dies durch Lautstärke und Action zu kompensieren. Action? Ja, der Gitarrist (oder war es der Bassist) liefert eine witzige, aber wohl ungewollte Grimassenshow ab, mit der er in jedem Louis de Funes-Film hätte mitwirken können, und Sänger Casey Chaos scheint irgend etwas Spektakuläres bieten zu wollen, so dass er sich einige Male unsaft auf die Bühne fallen lässt und einmal mit der Birne voll ins Schlagzeug schmettert - wat soll dat? Mittelmäßiger Auftritt von Amen, viel zu kurz und nicht sehr eindrucksvoll.

(Tobi)