CTS-MUM
Cultured Pearls, Köln, Limelight, 17.01.2003
 
Die Cultured Pearls zählen schon seit einigen Jahren zu den absoluten Tipps, was tolle Musik aus deutschen Landen betrifft. Nur Insidern sind sie inzwischen schon lange nicht mehr vorbehalten, und renommierte Musikmagazine wie auch Zeitschriften a la "Der Spiegel" sind voll des Lobs über die Band. Das aktuelle Album "Life On A Tuesday" beweist, dass Astrid North (Gesang), Tex Super (Bass, Trompete, Gitarre, Keyboards) und B. La (Drums, Keyboards) auch nach dreijähriger Pause nichts an Klasse eingebüßt haben und Hits wie "Tic Toc" und "Sugar Sugar Honey" keine Eintagsfliegen waren, was jeder Fan schon längst weiß. Im Gegenteil, das neue Werk ist das vielleicht homogenste, ausgereifteste und qualitativ hochwertigste Album der Band.

So ist es dann auch kein Wunder, dass das Konzert im Kölner Limelight an einem kühlen Freitag-Abend restlos ausverkauft ist. Kurz vor 21 Uhr betreten Astrid, Tex und B. La die Bühne, mit fünffacher Liveverstärkung. Neben Gitarrist und Konzert-Langzeitbereicherung Sven Bünger komplettieren zwei Background-Sängerinnen, ein Keyboarder und ein Percussionist das Line-Up. Jeder der Musiker bekommt hier und dort die Chance, sich auszuzeichnen, was vor allem der Percussionist mit einem Solo nutzt, das ihm Begeisterungsstürme einbringt. Das ganze Kollektiv wirkt wie eine eingespielte Familie, nicht wie eine Ansammlung von Individualisten, und dieser Eindruck unterstreicht die warmen, schönen Songs der Band aus Hamburg und Berlin noch mehr und verstärkt die greifbar besondere Atmosphäre noch mehr. Sympathisch treten sie auf, ohne Poser-Gesten oder große Töne zwischen den Liedern - und wenn Astrid mal ein paar Worte verliert, dann verhaspelt sie sich sogar mal und entschuldigt dies mit "Jetzt wisst ihr, warum ich so selten was sage". Wie gesagt - sympathisch! Etwa 100 Minuten lang beweisen die Cultured Pearls, dass toller Soul-Pop nicht importiert werden muss. Die Songs des neuen Albums dominieren natürlich, ältere Stücke werden natürlich aber ebenso eingestreut. Das Publikum zeigt sich von Beginn an begeistert, spendet viel Applaus, zeigt aber auch Gespür für die Momente, in denen es ganz still sein muss, damit bei Balladen die Emitionalität in Astrids toller Stimme nicht gestört wird. Dass diesmal kein Paul Weller-Cover und auch nicht jeder Hit gespielt wird, begründet Astrid damit, dass man einige Sachen schon zu oft performt hat und man nicht in die Dauer-Songs-Schiene kommen möchte. Akzeptiert.

1998 antwortete Astrid in einem Interview auf die Frage, wo sie die Cultured Pearls denn in fünf Jahren sieht, mit "Das ist natürlich sehr schwer zu sagen, aber wir hoffen, dass wir uns einfach stetig weiterentwickeln können". Planziel erfüllt - die Cultured Pearls überzeugen auf ganzer Linie mit hochwertiger Musik, auf CD wie auch live. Man braucht nur ins Gästebuch ihrer Homepage zu schauen, das vor Lob über die ersten beiden Konzerte der Tour schon fast platzt und in dem die Fans um ein Live-Album betteln, um zu erkennen, wie sehr diese Perlen die Herzen ihrer Fans erreichen. Weiter so!

(Tobi)