CTS-MUM
Die Happy und Hoerstuatz, Berlin, Pfefferberg, 29.03.2001
 
Der Pfefferberg ist etwa zu einem Drittel gefüllt, als Die Happy sich aufmachen, ihr aktuelles Album vorzustellen, das ja immerhin schon seit sieben Wochen, wie uns der Gitarrist später dankenderweise aufklären wird, in den Charts weilt. Nun kann sich ein Drittel ja gut im Raum verteilen, und so ist es auch, jeder hat genug Platz und nirgendwo ist es leer.

Eröffnet wird der Abend von Hoerstuatz. Die sechs Jungs aus Niedersachsen machen während ihrer - hmm, vielleicht sieben oder acht - Songs zwei Sachen klar: erstens mal sind sie absolute Castor-Gegner, zum zweiten eine coole Combo. Zwischen Hardcore, Crossover, Punk und Indie-Rock liegt ihre Musik, die sie prima live umsetzen. Die Texte sind deutsch - na gut, einmal nicht, als Drummer und Keyboarder die Mikroarbeit übernehmen - und beschäftigen sich mit Leuten, mit Stimmungen, mit dem Alltag und der Gesellschaft, ja sogar auch mit Liebe. Neben dem Schlagzeuger und dem etwas skurril buckelig über seinen Tasten hängenden Keyboarder mit Mütze gehören Frontmann, Gitarrist, Basser und DJ zur Truppe. Zusammen machen sie gut Stimmung, legen eine fetzige Show hin, haben auch abwechslungsreiche Musik zu bieten. Auf ihrer Maxi-CD "Komm raus" findet man fünf Stücke, hier nun zeigen sie, dass man sich schon auf's Album freuen kann.

Es folgen Die Happy, die mit "Supersonic Speed" ja einigen Erfolg verbuchen konnten, allerdings oft auch - und das ja nicht ganz und gar zu Unrecht - als Abklatsch der Guano Apes von sich Reden machten. Ähnlichkeiten sind eben vorhanden, nicht nur, weil eine Frontfrau und drei Männer die Formation stellen. Musikalisch gibt es ebenso einige Parallelen, aber doch nicht so viele, dass man Die Happy als Plagiat abtun sollte. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Sängerin Marta, die gut Deutsch sprechende Tschechin, die optisch mit der ja doch eher schmächtig gebauten Sandra von den Apes schon mal nichts gemeinsam hat, sich feuriger gibt und ihren nicht unbedingt unterbesetzten Brustbereich auch noch durch ein entsprechendes enges Blickfänger-Leibchen betont. Musikalisch hauen Die Happy krachigen Rock um die Ohren, vermischt mit etwas Pop, Punkrock und Alternative. Mehr noch als optisch steht Marta mit ihrem Gesang im Mittelpunkt, besitzt sie doch eine verdammt gute Stimme, die sie auszuspielen weiß. Der Minuspunkt gegenüber den Guano Apes liegt - und dies ist im Endeffekt der wichtigste Aspekt - in den Kompositionen, die sich bei Die Happy doch oftmals viel zu sehr ähneln, um auf Dauer interessant zu bleiben. So hört man einige starke Songs und viel Mittelmäßiges. Dazwischen versucht Marta immer wieder, das Publikum zu Chören oder sonstigem Geschrei zu motivieren, was ihr merkwürdigerweise auch noch gut gelingt - man kommt sich aber teilweise schon vor wie im Kinderclub auf Mallorca, wo die Animateuse die sechsjährigen Kiddies zur Minidisco antreibt. Marta bittet die Leute, sie sollten sich vorstellen, nackt in der Karibik am Strand zu liegen und nur an Sex zu denken - öhm, wat'n nu? Früher mal bei 'ner 0190er-Hotline angestellt gewesen oder wie? Nee, nee, das braucht man nun wirklich nicht, da ist Die Happys Musik doch noch erheblich besser als dieser Pausenquatsch. Und auch die La Ola-Nummer ist überflüssig, wo Marta wie einst Bundes-Berti vor der Fankurve ihre Arme in die Höhe reißt. Okay, genug gemeckert. Im großen und ganzen ein solider Gig, in Die Happy steckt aber noch weitaus viel mehr Potenzial, als sie bisher aus sich heraus holen. Heimlicher Sieger des Abends sind daher Hoerstuatz.

(Tobi)