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Erste Allgemeine Verunsicherung, Heidelberg, Kongresshaus, 12.03.2010
 
Erste Allgemeine Verunsicherung? Gibt es die noch? Machen die noch was? Eigentlich war ich mir nicht mehr sicher, ob die EAV überhaupt noch tourt. Umso überraschter war ich über die Vorstellung eines neuen Albums im Frühjahr 2010. Als leidenschaftlicher Fan aus den 80er-Jahren war es dann aber eine Selbstverständlichkeit, mir meine "Helden" auch mal live anzusehen.

Das Kongresshaus Heidelberg (=Stadthalle) ist mit Sicherheit ein sehr imposanter Veranstaltungsort, stammt der Bau doch noch aus den Frühzeiten des 20. Jahrhunderts. Leider konnte sich die Stimmung nur schwer entwickeln, da die Halle komplett bestuhlt war. Eigentlich verwunderlich, denn das Durchschnittsalter der Besucher dürfte sich um eher um die 40 als um 60 Jahre bewegt haben.

Aber an der EAV gab es nichts auszusetzen. Sind die Bühnenshows auch deutlich kleiner als noch in den 80er-Jahren, so sind sie immer noch liebevoll und außergewöhnlich in Szene gesetzt. Immerhin bemühten sich neben der Band selbst noch drei weitere Bühnenhelfer als Laienschauspieler.

Leider sind die Künstler über die Jahre nicht nur älter geworden, auch die Zusammensetzung der Band hat mehrfach gewechselt. So sind aus der Zeit der großen Erfolge ("Geld oder Leben", "Küss´ die Hand schöne Frau", "Neppomuk´s Rache") nur noch Songschreiber und Zeichner Thomas Spitzer an der Gitarre und der unverwechselbare Sänger Klaus Eberhartinger verblieben. Aber die 'Neuen' haben es durchaus in sich. Der Sound von heute ist mit dem früherer Tage nicht mehr zu vergleichen. Stand früher eher das Verspielte und Witzige im Vordergrund ist nun teilweise knallharter Rock festzustellen, also das was man von zwei E-Gitarren, E-Bass, Keyboard und Schlagzeug (ergänzt durch elektronische Drums) halt so erwarten kann.

Und genauso begann die Band auch. Sie zeigte einen bunten Mix aus dem neuem Album "Neue Helden", das der Tour auch den Namen gab: den Titelsong "Neue Helden braucht das Land", "Dummheit an die Macht" und "Rabatt, Rabatt", allesamt Hymnen über die heutige Kultur des Konsumwahnsinns, "Simsalabim (die Esoterroristen)", die knallharten "Nostradamus" und "Wie schön (wär diese Welt)", die Countrynummer "Obama" (gewidmet Barack Obama), das sehr kritische und eingängige "Eloise & die Krise" sowie die eher gemütlichen "Männer brauchten Tritte", "Toleranz", "Ein Huhn" und "Beim Csejtei im Hof", zu dem Eberhartinger eine kleine Einweisung ins Österreichische voranstellen musste.

Aber natürlich durften auch die alten Kracher nicht fehlen. Diese wurden thematisch sehr geschickt in eine große Story eingebaut. Die EAV sucht die Super-Helden. Ganz schlecht ist da der "Ba-Ba-Banküberfall", denn meist bleibt einem da nur noch zu sagen: "Küss´ die Hand Herr Kerkermeister". Klaus Eberhartinger bot speziell im ersten Teil zwischen den Songs teilweise bösartiges Kabarett, verbunden jedoch mit einem verschmitzten Unterton. Zielscheibe seines Spotts waren dabei vor allem die allgegenwärtigen Kochsendungen, denen die EAV selbstverständlich auch bereits früher einige Lieder gewidmet hatte, nämlich den "Möhrchenprinz", "Schneid nicht das Tier auf, schau nicht hineien" (auf die Melodie von "Ding-Dong"), oder "Ragout-Ragout-Ragout" (zu "3 weiße Tauben"). So verstand es die EAV an diesem Abend, klare politische Botschaften in bewährter Art und Weise mit einem Augenzwinkern und genialen Texten unter die Besucher zu bringen. Herrlich erfrischend boten sie Abwandlungen ihrer eigenen Hits.

Erst in der Zugabe zeigten sie ein Medley ihrer größten Erfolge, allerdings im neuen, modernen Rockgewand. Sehr sympathisch wirkte dabei die Vorstellung der gesamten Bühnencrew, die je mit einem Bier bewaffnet den alten Hit "Morgen" als Konzertabschluss darbot.

Auffallend waren die sehr politischen Äußerungen an diesem Abend. Wer die EAV allerdings über die Jahre hin verfolgt hat, weiß auch, dass solche Themen schon immer von ihr aufgregriffen wurden (z.B. Atomkraft in "Burli", Sextourismus in "Samurai"). In dieser Menge und Schärfe war es jedoch auch für einen alten Fan überraschend.

Festzuhalten bleibt, dass es sehr gelungener Abend war, der nach Wiederholung bei der nächsten Tournee schreit. Solange es also noch alte Helden gibt, müssen wir uns nicht allzuviele Gedanken machen...

Hoffentlich bewahrheiten sich nicht die Gerüchte um eine baldige Kreativpause beim Mastermind Thomas Spitzer.

Links:
Website der EAV

(StS)