CTS-MUM
Kafkas & Survies & Salad Bowl, Herzebrock, Klein Bonum, 26.02.2000
 
Herzebrock bei Gütersloh: ein idyllisches Dorf - aus dem genau in der Mitte eine Kirche herausjagt. Alles ist ruhig, Pommes-Meister Klaus hat eigentlich nur wenig zu tun. Aber auf einmal öffnet sich die Eingangstür der Pommesbude und eine Horde Punker kommt hinein. Bitte fünf * Pommes rot-weiß, ein* Currywurst, 2* Hamburger, 1* Frikadelle, und einen Salat. Pommes Klaus freut sich über einen so unerwarteten Besuch. "Ich hab' schon gesehen", sagt er, "heute Abend gibt's ein Konzert, ne? Seid ihr die Band? Wie hießen die noch?" "Kafkas hießen die. Aber wir sind nur die Vorband von der Vorband...". "Wie heißt ihr denn?" "Salad Bowl. Aus Bochum" "Bochum, ja? Gefällt's euch denn hier auf dem Dorf?" "Och, ja, ganz nett..."
Die Band bekommt ihr Essen. Nach einer Zeit bezahlen die fünf. "Wisst Ihr,", sagt Pommes-Klaus, "wir wissen wenigstens noch, was in unseren Würstchen drinne ist. Das ist unsere Firmenphilosophie!" "Toll!", antworten die Jungs und winken zum Abschied. Sie ziehen los ins "Klein Bonum", ein Jugendzentrum, in dem der Auftritt stattfinden soll. Soundcheck, kiffen und Markus Kafka begrüßen.
Irgendwann in der Mitte von StarTrek sollen Salad Bowl dann anfangen zu spielen. Sie geben Gas, holen eine halbe Stunde alles aus sich heraus, sind richtig laut, verspielen sich wie es sich für Punkrocker gehört. Aber das Publikum bleibt tot, von hundert Leuten erbarmen sich vier, aus Höflichkeit zu klatschen. Die anderen gucken einfach. Keine Resonanz. Als sich König Maggi, der Sänger von Salad Bowl, am Ende der Setlist erkundigt, ob eine Zugabe erwünscht ist, kommt von irgendwo her eine zögerliche Antwort: "Ja, aber beeilt Euch." Sie beeilen sich und lassen die nächste Band ran. Die Survies, eine örtlich ansässige Band, rocken aber nun wirklich das Haus, ohne Erbarmen. Dennoch das Publikum bleibt ein lahmer Haufen von "Dorftrotteln". Spielerisch ist diese Band einwandfrei, eigentlich hätte sie einen richtigen Applaus verdient. Aber wenigstens haben auch sie ihren Spaß auf der Bühne.
Irgendwann kommen dann die Kafkas auf die Bühne, und dann passiert etwas, mit dem man nicht gerechnet hätte: das Publikum fängt an zu leben. Sie pogen quietschvergnügt, fangen an zu saufen, sind einfach nur glücklich. Ja, man sieht sogar einige Leute mitsingen.
Da läuft der Hase also her: die Leute wollten einfach nur die Kafkas sehen, sie sind gar nicht so steif. Auf den Plakaten im Dorf waren nämlich auch nur die Kafkas angekündigt, und von Vorbands stand da gar nichts. Jedenfalls tobt die Menge und der Abend verläuft auf einmal richtig gut. Das geht noch ganze zwei Stunden so weiter. Markus besticht die Leute mit seiner Bescheidenheit, sagt noch mal ganz klar: "Ich habe keine Lust, über das System zu singen, denn das ist abgedroschen. Trotzdem heißt das nicht, dass unsere Texte nichts taugen." Punkrock ohne "macht das System kaputt!", geht das überhaupt? Ja, unter anderem bei dieser Band aus Fulda! Dafür handeln sehr viele Texte von Tierrechten. Schade nur, dass man live nichts versteht. Salad Bowl allerdings haben eine schlechte Erfahrung mehr gemacht: keine Resonanz. Sie sind unglücklich, da sie so weit fahren mussten für nichts. Sie würden gerne weinen, aber da kommt jemand auf sie zu und sagt: "Hi, ich bin der Sascha, und wenn ihr nicht wisst, wo ihr heute Nacht pennen sollt: in unserer WG ist noch Platz!" Die Band freut sich wieder und lässt sich von Sascha, einem echten Dorfpunk, zu ihm nach Hause kutschieren (er fährt sogar zwei Mal, denn bei fünf Leuten ist ja einer zu viel). Dort kiffen sie alle noch mal gemeinschaftlich, spielen noch ein paar Töne auf der Gitarre. Irgendwann legt sich einer von ihnen in die Badewanne zum Pennen (mitten in die ganzen vollgeschissenen Unterhosen der Punks), die anderen legen sich ins Wohnzimmer.
Am nächsten Tag geht's zurück nach Bochum, und die fünf sind einen Schritt weiter in Sachen 'klein anfangen'.

(Björn)