CTS-MUM
Manic Street Preachers & Powderfinger, Berlin, Columbiahalle, 18.04.2001
 
Die Manic Street Preachers, die mit "Know Your Enemy" gerade erst ein starkes Album auf den Markt warfen, hatten sich nach längerer Zeit mal wieder in Berlin angesagt, und da die Jungs zu den Bands gehören, die live immer Spaß bereiten, war die Columbiahalle auch gut gefüllt - ausverkauft jedoch nicht.

Um 20.30 Uhr ging es los mit Powderfinger als Vorband, von denen die meisten Anwesenden wohl eher nicht so viel kannten. Eventuell hat man mal aufgeschnappt, dass sie aus Down Under kommen und einen Song zum "M:I-2"-Soundtrack beigesteuert hatten, aber sonst? So lief es zunächst auch wie erwartet - die Halle war schon relativ gut gefüllt, dennoch wollte Stimmung noch nicht so richtig aufkommen. Videoprojektionen untermalten die Musik der Australier mittels künstlerischen Bildern (Schattenboxer, Autofahrt durch Großstadt bei Nacht im Zeitraffer, computeranimierte Weltraumflüge). Etwa 45 Minuten lang versuchten Powderfinger, das Publikum in ihren Bann zu ziehen, gelingen sollte es ihnen jedoch nicht so recht. Die Stücke des neuen Albums "Odyssey Number Five" wurden vorgestellt, ein paar ältere gespielt - am Ende ein kurzer höflicher Applaus.

Um 22 Uhr kamen dann endlich die vier Manics auf die mit kubanisch-walisischer Flagge verzierte Bühne und kloppten den etwa 2000 Fans gleich erstmal vier Knaller um die Ohren ("Found That Soul", "Motorcycle Emptyness", "You Stole The Sun...", "Ocean Spray"). Schon nach den ersten zehn Minuten war klar, dass sie dieses zu diesem Zeitpunkt durchaus extatische Niveau wohl kaum würden halten können. So war auch bald merklich die Luft etwas raus, die üblichen Pflichtsongs aus dem neuen Album wurden heruntergespielt. Dann kam ein kleiner Akustikpart, den Frontmann James Dean Bradfield alleine mit Gitarre bestritt. Für mich der tote Punkt des Abends, denn "Balladen" - oder wie sie selbst sagten "slow songs" - sind bekanntlich nicht die Stärken der MSP, sie klingen irgendwie trotzdem immer hektisch, nichts zum Wunderkerzen schwenken. Der Sound in der Halle war im übrigen phänomenal, Gitarren und Gesang kamen ungewohnt klar und differenziert daher, und es gab mächtig was auf die Ohren. Zum Endspurt drehten die Jungs nochmal kräftig am Hahn und beim letzten Lied "A Design For Life" wurde nochmal gut das Haus gerockt. Zugaben gab es leider keine mehr - ungewöhnliche und immer leicht enttäuschende Taktik, aber gut. Alles in allem ein solides Rockkonzert, das Spaß gemacht hat, aber die Band wirkte sehr statisch. Lediglich Bassist Nicky Wire trug in seinem Girlie-Jacket mit Tennisröckchen zur Belustigung des Auges bei. Sonst ging es auf der Bühne recht ernst, fast sachlich zu, schließlich galt es ja auch, eine Philosophie zu verbreiten.

(Franze)