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Kurt Nilsen, Köln, E-Werk, 17.06.2004
 
Mit genau einem Monat Verspätung kam Kurt Nilsen am 17. Juni nach Köln, nachdem sein für den 17. Mai geplantes Konzert auf Grund von ausgiebigen Tourproben für den Support von Bryan Adams Anfang Juni in Norwegen und einigen englischen TV-Shows verschoben wurde. Der Gewinner des "World Idol" Wettbewerbs, also des Kräftemessen der Superstar-TV-Casting-Sieger, begann relativ pünktlich um 19.45 Uhr sein Konzert, eine Vorband gab es nicht. Davon abgesehen, dass der Mann am Mischpult das E-Werk anscheinend mit dem Rheinenergy-Stadion verwechselte und eine Lautstärke aus den Boxen quillen ließ, die selbst für meine ansonsten sehr unempfindlichen Ohren alles andere als angebracht war, war auch für den Norweger auf der Bühne ein Manko nicht zu übersehen - geringes Zuschauerinteresse. Nach einigen Stücken merkte er dann auch an, dass er alleine noch nie in einer so großen Halle gespielt habe, allerdings auch noch nie vor so wenigen Besuchern. Wohlwollend aufgerundet mögen sich vielleicht 150 Menschen vor der Bühne zusammen gefunden haben, um ein Konzert zu sehen, welches durchaus größeren Zuspruch verdient gehabt hätte. Die Fußball-Europameisterschaft dürfte an diesem Tag mit eher langweiligeren Partien kein Grund zum Daheimbleiben gewesen sein. Die Konzertverschiebung wird ebenfalls keinen so großen Ausschlag gegeben haben. Auch die Tatsache, dass Kurt unseren ungelenken Alex Klaws bei "World Idol" mächtig in die Schranken gewiesen hatte, hatte ihm wohl eher Sympathien eingebracht. Und Kurts Musik kann schon gar kein Argument sein, ist sein Debüt "I" doch eine sehr gut gelungene Scheibe. Der Grund für die geringe Zuschauerzahl ist somit wohl im Eintrittspreis festzumachen, der mit fast 30 Euro doch viel zu hoch war. Vor drei, vier Jahren hätte man solche Konzerte noch für unter 30 Mark angeboten, und so ist es nicht verwunderlich, dass man für einen Künstler, der erst ein Album auf dem Markt hat und von dem daher keine allzu lange Spielzeit zu erwarten ist, nicht so viel Geld hinblättert. Schade für Kurt. Der überaus sympathische Norweger spielte ein sehr gutes Konzert, welches zwar nur 70 Minuten dauerte, aber aus angesprochenem Grund war dies keine Überraschung. Neben beinahe allen Songs seines Albums und dem "World Idol"-Gewinnertitel "Beautiful Day" von U2 spielte Kurt einige weitere Coverversionen von Bands wie Kashmir, die allesamt gut gelungen waren. Seine sechsköpfige Begleitband (Gitarre, Gitarre, Backgroundgesang und Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboards) wirkte gut eingespielt und sicher, und Kurt überzeugte nicht nur durch überragenden Gesang, sondern auch dadurch, dass er selbst bei den meisten Stücken zusätzlich zur Akustik-Gitarre griff. Zwischendurch richtete er das eine oder andere Wort an die Zuschauer und ließ keinesfalls Frust über die leere Halle durchblicken, was überaus professionell wirkte. Im Gegenteil, Kurt schien sogar Spaß zu haben, und dies sicher nicht nur, weil ein weiblicher Fan in der ersten Reihe freudig mit der norwegischen Flagge wedelte. Einige Stücke spielte Kurt alleine mit Gitarre, was sofort besseren Sound bedeutete. Auch ein, zwei neue Kompositionen wurden vorgestellt, die allerdings nicht komplett überzeugen konnten. Im Gegensatz zum ersten Album, auf dem Coverversionen von Tal Bachman ("She So High") oder Andreas Johnson ("Games we Play") noch zu den besten Stücken gehörten, wird Nilsen sicher auf dem zweiten Album noch weit mehr Eigenkompositionen zu bieten haben. Nach drei Zugaben und insgesamt wie gesagt 70 Minuten gelungenen Konzertes verließ Kurt Nilsen die Bühne: Fazit: grandiose Stimme, gut eingespielte Band, gelungene Performance ... nur leider viel zu leer, weil viel zu teuer. Wirklich schade!

(Tobi)