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Placebo, Magdeburg, Stadthalle, 06.06.2006
 
"We do give a fuck!" entgegnete Steve Hewitt einst in einem Interview der Frage, warum Placebo sich so akribisch auf ihre Live-Auftritte vorbereiteten. "You have to get psyched, pumped..." Und wer das Konzert in Magdeburg miterlebt hat, glaubt dem Drummer aufs Wort. Placebo machten ihrem Ruf einer grandiosen Live-Band wieder einmal alle Ehre. Dass die Briten zudem antiquierte, muffige Venues wie die Magdeburger Stadthalle lieben, ist bekannt. In solchen sind sie meist sogar noch einen Tick besser.

Dabei gilt das neue Album "Meds" bei einigen Rezensenten nicht gerade als Meilenstein im zehnjährigen Schaffensprozess der Band. Manche Kritiker sehen in ihm gar lediglich einen modellierten Abklatsch von Elementen aus ihren vorherigen vier Alben. Der Fangemeinde sind diese Stimmen freilich einerlei. Euphorisiert und glückselig zugleich saugt sie das gut eineinhalbstündige Programm in sich auf und berauscht sich an Killer-Tracks wie "Infra-red", der zweiten Single, "Post blue" oder "Follow the cops back home", die all das in sich tragen, was Placebo ausmacht: hohes Energielevel, leidenschaftliche Gitarren und, als Gegenpart, ergreifende melancholische Balladen.

Die neuen Stücke sind sehr rockig und passen ausgezeichnet zu denen vom Debütalbum. Vermutlich deshalb sind diesmal auch einige old-school Songs dabei: "Come Home", "36 Degrees" in einer Langsamversion und - als letzte Zugabe und nachhaltiger Abklang - na klar, "Nancy Boy".

Brian Molkos markant nasale Stimme mit teilweise lakonischem Unterton verleiht "Meds" und Co. mitunter groteske Züge. Die Lyrics der neuen Titel mögen dem ein oder anderen etwas abgehalftert erscheinen, die Botschaft jedoch, die rausgehen soll ans Publikum, enthält eine deutliche Kritik an der Übermedikalisierung unserer Gesellschaft. Also: Finger weg von zu vielen "drugs" und "meds" - Placebo tut's in den meisten Fällen auch. Okay, eine Valium vielleicht, um runter zu kommen nach der exzellenten "medicine show".

Und wer am Ende des Abends das Lächeln in Molkos Gesicht gesehen hatte und die strahlenden Augen, der ging mit dem Gefühl nach Hause, dass es doch ein Gelingen geben kann auf dieser Welt.

Links:
Homepage von Placebo

(Tom)