BEGABT - DIE GLEICHUNG EINES LEBENS
Darsteller:  Chris Evans, Mckenna Grace, Lindsay Duncan, Jenny Slate
Regie:  Marc Webb
Dauer:  101 Minuten
FSK:  freigegeben ab 6 Jahren
Website:  www.fox.de/begabt-die-gleichung-eines-lebens
Facebook:  www.facebook.com/20thCenturyFoxGermany
 

Marc Webb kennt man vor allem als Regisseur der beiden "The Amazing Spider-Man"-Filme. Witzigerweise kommt nun am gleichen Tag, an dem der Spinnenmann mit "Spider-Man: Homecoming" als Hauptfigur auf die Leinwand zurück kehrt, auch der neue Film von Webb in unsere Kinos. Dieser beschäftigt sich nicht mit einem Superhelden, sondern einem bescheidenen Superhirn - und ist, das nehme ich gerne vorweg, weit besser.

Star des Films ist ein kleines Mädchen, und das gleich in doppelter Hinsicht. Zum einen spielt die beim Dreh zehnjährige Mckenna Grace überragend und ist ein wahrer Lichtblick, zum anderen ist die von ihr verkörperte Mary ein bewundernswertes Mathegenie. Vor der Schulzeit spielte dies noch keine besondere Rolle. Nach dem Verschwinden ihres Vaters, den sie nie kennen lernte, und dem Tod ihrer Mutter wuchs Mary bei ihrem Onkel Frank (Chris Evans) in einem kleinen Küstenort nahe Tampa in Florida auf, als ganz normales Mädchen. Als Mary dann aber am ersten Schultag der Lehrerin großes Verblüffen ins Gesicht zaubert, indem sie schwierige Mathe-Aufgaben mit fast schon an Frechheit grenzender Langeweile löst, ändert dies einiges. Die Lehrerin vermutet Hochbegabung bei Mary - welche kurz darauf von einem Professor auch bestätigt wird - und empfiehlt, sie auf eine Privatschule für außergewöhnlich begabte Kinder zu schicken. Frank möchte dies aber nicht, da er befürchtet, dass Mary so eine ganz normale Kindheit verwehrt werden könnte, die er für wichtiger hält als einen möglichen Frühstart in eine große Karriere. Zudem ist er überzeugt, dass ein Heranwachsen abseits von Leistungsdruck auch der Wunsch seiner Schwester gewesen wäre. Als seine Mutter Evelyn (Lindsay Duncan) allerdings von der aktuellen Situation erfährt, möchte sie die Begabung ihrer Enkeltochter fördern und so kommt es sogar zu einem Sorgerechtsstreit vor Gericht.

Nein, keine Sorge, "Begabt - Die Gleichung eines Lebens" ist kein Film, bei dem ausgiebige Gerichtsverhandlungen im Mittelpunkt stehen - vielmehr liegt der Fokus auf den Charakteren, die sehr gut heraus gearbeitet werden. Mary ist ein wundervolles, lebensfrohes Mädchen. Frank ist ein einfach nur sehr netter, trotz seines guten Aussehens und Charmes bodenständiger Kumpeltyp, von Chris Evans sehr gut gespielt. Das Verhalten von Großmutter Evelyn wird auch gut erklärt, war Marys Mutter doch schon eine außergewöhnliche Mathematikerin, die kurz vor der Lösung eines der sogenannten Millennium-Probleme stand, als sie sich schließlich das Leben nahm. In Mary sieht Evelyn nun die Chance, das unvollendete Werk ihrer Mutter weiter zu führen, sozusagen ihre Geistes-Erbin zu sein. Bliebe noch die bisher nicht mal erwähnte Nachbarin Franks, Roberta, die als Bezugsperson für Mary auch nicht unwichtig ist - gewohnt gut gespielt von der momentan auf der Leinwand sehr präsenten Octavia Spencer. Marc Webb ist es prima gelungen, das Thema Hochbegabtheit sensibel umzusetzen, mit verschiedenen Blickwinkeln auf diesen Fakt, der für viele Kinder Segen und Belastung zugleich ist. Das Ganze wird aber nicht auf erdrückend Problem-fokussierte Art und Weise serviert, sondern als gut anzuschauende Geschichte, die Geschichte von Mary.



Wertung: 8 von 10 Punkten

(Tobi)