DIE MUMIE
Darsteller:  Tom Cruise, Annabelle Wallis, Sofia Boutella, Russell Crowe
Regie:  Alex Kurtzman
Dauer:  110 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Website:  www.diemumie-film.de
Facebook:  facebook.com/Die.Mumie.DE
 

Auch wenn sich dem Ägyptologen sicherlich die Nackenhaare aufstellen werden ob der recht gewagten historischen Unterfütterung des Plots, so ist diesem zumindest ein Bruch in der stringenten Logik schwer vorzuwerfen. Und das noch dazu bei einer Handlung, die wie die der Vorgänger in der "Mumien"-Reihe zu wesentlichen Bestandteilen auf übersinnlichen Elementen basiert. Damit hat das Team um Regisseur und Co-Produzent Alex Kurtzman, der mit diesem Blockbuster erstmals einen Mega-Etat selbst verarbeiten durfte, schon mal die gefährlichste Klippe umschifft angesichts der Tatsache, dass ein Großteil der Hokuspokus-Produktionen kaum geringste Plausibilitätsanforderungen erfüllt.

So ist hier zwar die Kombination eines alten ägyptischen Zaubers mit den Raubzügen der Kreuzritter Jahrhunderte später ziemlich weit hergeholt, hält aber tatsächlich einem Fakten-Check auf den ersten Blick stand. Dementsprechend lässt sich dann auch der Fluch nachvollziehen, mit dem der durchtriebene Army-Sergeant Nick Morton (Tom Cruise) in der Gegenwart belegt wird, als er bei einem Einsatz im Nahen Osten die Mumie der damals lebendig einbalsamierten Prinzessin Ahmanet (Sofia Boutella) aus ihrer unterirdischen Gruft befreit, und fürderhin zu ihrem ganz persönlichen Objekt der Begierde wird. Die nämlich möchte ihm von Allmachtsfantasien getrieben mit einem Ritual einen Gottheitsstatus verpassen, das ihr zu Lebzeiten verwehrt wurde. Klar, dass sehr bald mit dem besessenen Wissenschaftler Dr. Jekyll (Russell Crowe) - ein ziemlich überflüssiges Einfügen der bekannten Romanfigur - und seiner Mitarbeiterin Jenny Halsey (Annabelle Wallis) Gegenspieler auf den Plan treten, die ganz andere Interessen verfolgen.

Was erstmal überaus abgehoben klingt, funktioniert in der Umsetzung wirklich überraschend gut, fesselt dank atemberaubender 3D-Sequenzen sofort und lässt auch das eine oder andere deplatzierte humoristische Ansinnen verzeihen. Weil aber die offenbar unausweichliche Liebesgeschichte zwischen Nick und Jenny auch in den Dialogen so dermaßen blutleer inszeniert ist, ist eine emotionale Beziehung zur Geschichte und den Figuren nahezu ausgeschlossen. Dadurch reduziert sich das Vergnügen schnell auf die reine Freude an der technischen Perfektion der fast inflationär gebrauchten, bombastischen Actionszenen, die das Spektakel zeitweilig zum "Walking Dead" für Fortgeschrittene verkommen lassen. Dass der innere Kampf von Nicks gebeutelter Persönlichkeit gegen den Fluch mehr und mehr in den Vordergrund tritt, als der Film in ausufernden Skelettschlachten zu versanden droht, ist dann geradezu Rettung in letzter Sekunde und macht den Streifen wenigstens zur passablen Abendunterhaltung.



Wertung: 6 von 10 Punkten

(Mick)