DIESES BESCHEUERTE HERZ
Darsteller:  Elyas M'Barek, Philip Noah Schwarz, Nadine Wrietz, Uwe Preuss
Regie:  Marc Rothemund
Dauer:  106 Minuten
FSK:  freigegeben ohne Altersbeschränkung
Website:  www.constantin-film.de/kino/dieses-bescheuerte-herz
Facebook:  facebook.com/constantinfilm
 

Erst vor kurzem mit dem offenbar unvermeidlichen dritten Teil der Blockbuster-Komödie "Fack Ju Göhte" durchgestartet, hier also schon wieder unser vielbeschäftigter Elyas M'Barek in der Hauptrolle. Weit gefehlt aber, wer angesichts des eher tragischen, ja auf wahren Tatsachen beruhenden, Stoffes nun einen Wechsel des angesagten Schauspielers ins ernste Fach vermutet. Dafür ist das aus dem zugrundeliegenden, autobiografischen Roman entwickelte Drehbuch aber auch allzu komödiantisch angelegt, als dass hier das Erzeugen größerer melancholischer Momente abgerufen werden müsste. Doch aller dadurch bedingter, niedriger Erwartungshaltung zum Trotz gelingt der Spagat zwischen Belustigung und respektvollem Umgang mit dem Thema Schwersterkrankung dann doch erstaunlich gut.

Der Zustand des mit einem schweren Herzfehler geborenen 15-jährigen David (Philip Noah Schwarz) ist mit beschissen noch freundlich umschrieben und genauso sieht es mit seiner Zukunftsprognose aus. Da kommt dem behandelnden Kardiologen Reinhard (Uwe Preuss) die Idee, dem Leben seines auf seine Kosten von Party zu Party ziehenden Sohns Lenny (Elyas M'Barek) wieder einen tieferen Sinn zu geben. Also dreht er ihm kurzerhand den Geldhahn zu und knüpft eine weitere Unterstützung an die Bedingung, dass dieser sich um seinen Herzpatienten zu kümmern habe.

Das ist eine schöne Ausgangsposition für den Film, der trotz eingangs etwas aufgesetzt wirkender Exposition - wie nur soll der Mediziner zu einem so augenscheinlich migrationshintergründigen Schickimicki-Sohn gekommen sein? - überraschenderweise von Regisseur Marc Rothemund ("Sophie Scholl - die letzten Tage", "Mein Blind Date mit dem Leben") nicht an die Wand gefahren wird. Und wenn wir ehrlich sind, ist das zu einem Großteil der überzeugenden Vorstellung von M'Barek geschuldet, der seinen Lenny trotz aller Coolness zu einem Sympathen macht, dem man letztendlich auch seine Wandlung vom Egoisten zum mitfühlenden Freund abnimmt. Diese 180-Grad-Wende kommt zwar relativ abrupt, ist aber mit Lennys Annäherung an David während der gemeinsamen Abarbeitung von Davids Wunschliste glaubwürdig inszeniert.

Dass M'Barek dabei wieder einmal nur sich selbst spielt, kann in diesem Fall nur als Vorteil gewertet werden, denn den coolen großen Bruder, der immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat, nimmt man ihm in jedem Fall ab. Daneben hat es dann der junge Philip Noah Schwarz recht leicht, den zu ihm aufschauenden, ins Leben eingeführten David zu geben. Seine lebensbedrohliche Erkrankung wird so angemessen thematisiert, rückt angesichts der unterhaltsam entwickelten Freundesgeschichte aber mehr und mehr in den Hintergrund. Da passt dann auch der staubtrockene Humor von Dr. Reinhard wie die Faust aufs Auge, selbst wenn es auch damit nicht zu einem Stück großer Kinogeschichte wird.



Wertung: 6 von 10 Punkten

(Mick)