DIE SPUR
Darsteller:  Agnieszka Mandat, Wiktor Zborowski, Miroslav Krobot, Patricia Volny
Regie:  Agnieszka Holland
Dauer:  128 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Website:  www.diespur-derfilm.de
Facebook:  facebook.com/diespurderfilm
 

Nach ihrem erfolgreichen Engagement in der US-Serienwelt ("House of Cards", "The Affair") kehrt die überaus produktive polnische Regisseurin Agnieszka Holland ("Bittere Ernte", "Hitlerjunge Salomon") nun wieder zum Kino zurück um mit einer Romanverfilmung zum wiederholten Mal ihr Publikum zu rühren. Schon Olga Tokarczuks "Der Gesang der Fledermäuse" bricht die großen Themen Machtmissbrauch, Politik und Ökologie auf die kleine Dorfebene herunter und dient Holland damit zur idealen Vorlage für ihren unkonventionellen Kriminalfilm.

Der steigt damit ein, dass die geliebten Hunde, das Ein und Alles der etwas schrulligen Aushilfslehrerin Janina Duszejko (Agnieszka Mandat), eines Tages spurlos verschwinden. Kurz darauf stolpert die Astrologiefanatikerin und Tierschutz-Aktivistin in ihrem Bergdorf an der polnisch-tschechischen Grenze immer wieder über mysteriöse Todesfälle. Kann das alles Zufall sein? Und vor allem: Wer steckt nur hinter der plötzlich auftretenden Mordserie?

Nicht ohne Grund siedelt Holland ihren Ökothriller in der noch weitgehend unberührten Natur der polnischen Berge an, nutzt wunderbare Landschaftsaufnahmen in wechselnden Jahreszeiten um Dinge zu thematisieren, die vordergründig erstmal gar keine Rolle spielen. Allenfalls die Hirngespinste der leicht umnachteten älteren Dame, die bei ihrer Vernehmung auf dem Polizeirevier offen zutage treten, deuten an, dass selbst in der scheinbaren ländlichen Idylle einige Sachen gewaltig stinken. Und schon sind wir mittendrin in diesem seltsamen Kriminalfall, bei dem nacheinander gestandene Mitglieder der verschworenen Dorfgemeinschaft ermordet werden, die sich allesamt vorher als veritable Arschlöcher hervorgetan haben.

An die Stelle des Ermittlers als Identifikationsperson tritt hier nur von Anfang an die unangepasste, aber dafür umso herzlichere Duszejko, mit der man jetzt versucht, dem Mörder in dem von Holland geschickt gewebten Hinweisgeflecht auf die Schliche zu kommen. Das macht einen Heidenspaß, zumal die Regisseurin die sympathische Protagonistin immer wieder in unfreiwillig komische Situationen manövriert und damit dem Thriller eine angenehme Leichtigkeit verleiht ohne an Ernsthaftigkeit einzubüßen. Dabei spielt Agnieszka Mandat wirklich sensationell, gibt die verschrobene Ökologin nur allzu glaubwürdig und macht sie trotz aller Macken zur absoluten Sympathieträgerin, der man gerne beim Aufdecken korrupter Machenschaften folgt.

Umso besser, dass dabei der unangemessene Umgang mit der Natur und dessen Akzeptanz in der Bevölkerung immer mehr in den Vordergrund treten, erhält der spannende Kriminalplot so doch noch eine politische Komponente, die laut offizieller Aussage Hollands gerne als Kritik an der Entwicklung so mancher europäischen Gesellschaft aufgefasst werden kann. Das macht den unterhaltsamen Ökologie-Streifen trotz allen schrägen Humors zuletzt auch noch zu einem anspruchsvollen Politthriller.



Wertung: 8 von 10 Punkten

(Mick)