EIN CHANSON FÜR DICH
Darsteller:  Isabelle Huppert, Kévin Azaïs, Johan Leysen, Jan Hammenecker
Regie:  Bavo Defurne
Dauer:  94 Minuten
FSK:  freigegeben ab 16 Jahren
Website:  einchansonfuerdich.de
Facebook:  facebook.com/EinChansonfuerDich
 

Nachdem Isabelle Huppert mit der Hauptrolle in Paul Verhoevens "Elle" und der folgenden internationalen Honorierung inklusive Auszeichnung mit dem Golden Globe und Oscar-Nominierung noch einmal ein spätes Karriere-Highlight erleben durfte, geht es nun wieder darum, kleinere Brötchen zu backen. Das aber tut sie nicht weniger professionell und zeigt mit ihrem Mitwirken an der Independent-Tragikomödie des jungen Belgiers Bavo Defurne einmal mehr ihre ausgesprochene Sympathie für Außenseiterrollen.

Hier spielt sie die einst so erfolgreiche Schlagersängerin Liliane, deren Ruhm längst verblasst ist, nachdem sie damals als Laura den europäischen Musikwettbewerb fast sogar gegen Abba gewonnen hätte. Jetzt aber hat sie sich von ihrem glamourösen Vorleben komplett verabschiedet und mit ihrem gänzlich unprätentiösen Job in einer Pastetenfabrik arrangiert, als sie eines Tages von einem jungen Kollegen erkannt wird. Es ist schon stark, wie sie uns das bescheidene Leben der einsamen Liliane präsentiert, das sich nur zwischen der Fabrik und dem allabendlichen Fernsehprogramm abspielt. Wie durch den jugendlichen Jean Leloup (Kévin Azaïs) plötzlich frischer Wind durch ihren Alltag bläst, auf den sie augenscheinlich sehnlichst gewartet hat.

Dazu bedarf es allerdings einiger Hartnäckigkeit seinerseits, denn das abrupte Ende ihrer Karriere ist mit der schmerzlichen Trennung von ihrem Partner, Manager und Songschreiber Tony Jones (Johan Leysen) verbunden, die sie so gerne weit hinter sich lassen würde. Doch jedes Leugnen ihrer Vergangenheit ist reiner Selbstschutz vor dem Aufreißen alter Wunden, der sie davon abhält, ein erfüllteres Leben zu führen. Da muss mit Jean erst ein unbeschwerter Grünschnabel kommen, dessen Vater (Jan Hammerdecker) ihr größter Bewunderer ist, und der nicht locker lässt, sie zu einem Auftritt auf einer Vereinsfeier zu überreden.

Und schon ist nichts mehr, wie es vorher war, wittert die Presse eine spektakuläre Comeback-Geschichte und hat sie den Trubel, den sie die ganze Zeit erfolgreich vermieden hat. Doch wie wunderbar zeigt uns Isabelle Huppert dann auch, wie ihre Liliane, deren beste Jahre lange vergangen schienen, in Jeans Gegenwart geradezu aufblüht, als hätte sie nur auf diesen Augenblick gewartet. Da scheint jedes Wagnis, und sei es auch wie der tatsächliche Comeback-Versuch mit dem unerfahrenen Jean als Manager noch so kühn, nicht abenteuerlich genug, es nicht einzugehen.

Die Harmonie der beiden so unterschiedlichen Figuren - auch die Neuentdeckung Azaïs zieht seine Rolle des Jean authentisch durch - ist dabei wirklich verwunderlich, so dass man ihnen letztendlich sogar die Ernsthaftigkeit ihrer sexuellen Beziehung abnimmt. Das macht das unterhaltsame Feelgood-Movie zu einem kleinen aber feinen Film über das Leben und individuelles Glück. Schade nur, dass Huppert in Sachen Gesang dem Erfolg ihrer Laura nicht ganz gerecht wird.



Wertung: 6 von 10 Punkten

(Mick)