LOVING
Darsteller:  Ruth Negga, Joel Edgerton, Will Dalton, Michael Shannon
Regie:  Jeff Nichols
Dauer:  124 Minuten
FSK:  freigegeben ab 6 Jahren
Website:  upig.de/micro/loving
Facebook:  facebook.com/loving.film.DE
 

Die amerikanische Gesellschaft scheint sich nicht zuletzt durch die Präsidentschaftswahl letzten Herbst ein gutes Stück weit weg zu bewegen vom pluralistischen und toleranten Miteinander, was sich allerdings schon vorher in immer häufiger auftretenden Fällen von Polizeigewalt gegen Schwarze manifestierte. Wen wundert es da, dass sich die eher liberal eingestellte Filmbranche Hollywoods dazu berufen fühlt, sich mit einschlägigen Produktionen eindeutig gegen Diskriminierung zu positionieren. Bei der allgemein bekannten Geschichte von Sklaverei und Rassentrennung in den USA bietet es sich da ja geradezu an, auf historische Stoffe zurückzugreifen, welche eine Zeit spiegeln, die längst vergangen schien.

Jeff Nichols ("Take Shelter") bedient sich mit seinem neuen Werk eines realen Falles aus dem Jahr 1958, als sich die gemeinsamen Zukunftspläne von Richard Loving (Joel Edgerton) und seiner Verlobten Mildred (Ruth Negga) wegen ihrer Schwangerschaft schnell konkretisieren und alles so schön sein könnte. Das Problem: Mildreds Hautfarbe, denn ihr Bundesstaat Virginia verbietet Ehen zwischen Weißen und Schwarzen. Und schon beginnt eine Odyssee, die sie zunächst einmal, empörend genug, zur Heirat nach Washington führt und einfach sprachlos macht. Wurde aber vorher Richards Integration in die schwarze Community widerwillig geduldet, hat die Gesellschaft jetzt mit dem Gesetz das adäquate Mittel in der Hand, um den latenten Rassismus offen auszuleben. Sie landen beide schnurstracks im Gefängnis und kommen nur auf freien Fuß, weil sie zustimmen, Virginia in den nächsten 25 Jahren nicht mehr gemeinsam zu betreten.

Was sich absolut abstrus anhört, basiert tatsächlich auf wahren Begebenheiten und wird nicht gerade besser, als die beiden beschließen, ihr Kind von Richards Mutter, einer Hebamme, auf die Welt bringen zu lassen. Das liefert dem Sheriff als Repräsentanten der rassistischen, weißen Mehrheit nur den Grund für eine neuerliche Inhaftierung, die allein durch den Winkelzug eines namhaften Anwalts abgewendet werden kann. Ein Familienleben jedoch, wie sie es sich vorher erträumt haben, ist damit völlig unmöglich geworden und zwingt sie zum Umzug in die ungeliebte Stadt.

Nichols konzentriert sich beim Erzählen seines Segregations-Dramas sehr auf detailgetreue Wiedergabe der Fakten, lässt sie oftmals für sich sprechen und gibt seinem wunderbaren Schauspieler-Ensemble den Spielraum, den es braucht. Die subtile Repression durch Zerstörung von Lebensentwürfen ist dadurch allgegenwärtig und fast effektvoller als explizite Gewaltdarstellung. Als Mildred mit einem Brief an den liberalen Justizminister Robert Kennedy dann mutig ihren Gang durch die Instanzen antritt, entwickelt sich schließlich anhand des ergreifenden Einzelschicksals ein packendes Stück Geschichtsunterricht.



Wertung: 8 von 10 Punkten

(Mick)