SONG TO SONG
Darsteller:  Ryan Gosling, Rooney Mara, Michael Fassbender, Natalie Portman
Regie:  Terrence Malick
Dauer:  130 Minuten
FSK:  freigegeben ab 6 Jahren
Website:  studiocanal.de/kino/song_to_song
Facebook:  facebook.com/arthaus
 

Wer sich einen Terrence Malick-Film ansieht, der weiß in der Regel, worauf er sich einlässt: Die großen Geschichten des Lebens, erzählt in ausschweifenden Einstellungen, in denen die Handlung auch schon mal ein bisschen verloren gehen kann. Und auch hier ist tatsächlich wieder "Malick" drin, wo "Malick" drauf steht. Der Kult-Regissuer ("Der schmale Grat", "Tree of Life") konfrontiert uns diesmal mit den Irrungen und Wirrungen großer Gefühle im Spannungsfeld gegenseitiger Abhängigkeiten in der Musikszene von Austin, Texas.

Dazu lässt er ohne jegliches Vorgeplänkel die Musiker Faye (Rooney Mara) und BV (Ryan Gosling) aufeinander treffen und sofort füreinander entflammen. Beider Erfolg aber hängt völlig vom Wohlwollen ihres Managers und exzentrischen Machers der Szene Cook (Michael Fassbender) ab, was dem nur allzu bewusst ist. Diese Machtposition nutzt er nämlich regelmäßig beim Ausleben seiner sexuellen Bedürfnisse schonungslos aus und nimmt dabei natürlich auch keinerlei Rücksicht auf die Gefühle seiner beiden Freunde.

Malick stellt unsere Geduld und Offenheit für künstlerische Ambition in den großteils improvisierten Szenen sexueller Exzesse, die aber die Grenzen der Jugendfreiheit nie überschreiten, mal wieder auf eine harte Probe. Doch auch wenn diese Einstellungen jedes gewohnte Maß bei weitem übertreffen - die überwiegend schon 2012 rund um das Austin City Limits Festival abgedrehten Sequenzen wirken teilweise wahllos zu den einzelnen Episoden montiert -, so kann man ihnen einen gewissen erotischen Reiz sicherlich nicht absprechen. Und im Vergleich mit seinen früheren Werken verfolgt Malick hier ja geradezu stringent einen inhaltlichen Faden.

Zu erzählen hat er diesmal eine Menge, denn zwischen aller Leichtigkeit des süßen Partylebens im Musikbusiness schlägt er immer wieder ernstere Töne an, stellt die Skrupellosigkeit des Egozentrikers Cook zarter Romantik und Ambitionen Fayes und BVs gegenüber. So entlarvt er das auch durch Auftritte der Red Hot Chili Peppers, Iggy Pop und Patti Smith verklärte Bild des Musikerlebens ein ums andere Mal als Fassade eines knallharten Geschäfts, bei dem mancher Manager über Leichen geht. In Verbindung mit den trefflich nachvollziehbaren Gefühlsentwicklungen der Protagonisten, die vor dem Musikhintergrund das eigentliche Korsett der Handlung um Liebe, Betrug und Enttäuschung bilden, ist das, obwohl sich Malick zeitweise mal wieder zu sehr in seinen Bildern verliert, allemal genug, um den Spannungsbogen aufrechtzuerhalten.



Wertung: 7 von 10 Punkten

(Mick)