VICTORIA & ABDUL
Darsteller:  Judy Dench, Ali Fazal, Eddie Izzard, Adeel Akhtar
Regie:  Stephen Frears
Dauer:  112 Minuten
FSK:  freigegeben ab 6 Jahren
Website:  www.victoria-and-abdul.de
Facebook:  facebook.com/victoria.abdul.DE
 

Dass Stephen Frears ("Florence Foster Jenkins", "Die Queen") eigentlich schon immer besonderen Gefallen an historischen Stoffen findet, ist allgemein bekannt. Und dass es ihm auch ein ums andere Mal wieder gelingt, fundiert recherchierte, erstaunliche Randnotizen der Geschichte auszugraben und unterhaltsam aufzubereiten, davon kann sich jeder in der nächsten, gut sortierten Videothek überzeugen. Stellt sich also nur die Frage, ob es sich mit seiner neuen Verfilmung einer Aufsehen erregenden geschichtlichen Begebenheit genauso verhält.

Er widmet sich diesmal der gleichsam außergewöhnlichen wie verwunderlichen Beziehung der schon etwas altersschwachen Queen Victoria (Judy Dench) zu ihrem indischen Bediensteten Mohammed Abdul Karim (Ali Fazal) im ausgehenden 19. Jahrhundert. Und wie herrlich Judy Dench die schrullige, gelangweilte Monarchin hier schon zu Beginn der Feierlichkeiten zu ihrem 50. Thronjubiläum gibt - der Tatsache gewiss, dass ihr selbst schlechteste Tischmanieren wegen ihres Status kaum jemand vorwerfen wird -, ist einfach nur amüsant. Anlässlich dieses Jubiläums nämlich wird extra aus ihrer Überseekolonie Indien, der sie nun ebenfalls schon seit zehn Jahren als Kaiserin vorsteht, ein ausgewählter, stattlicher Untertan (Abdul) - ein zweiter, nicht ganz so stattlicher darf ihn irrtümlich begleiten - eingeschifft, um ihr als Anerkennung eine indische Goldmünze zu überreichen. Soweit die Ausgangssituation der auf wahren Tatsachen basierenden Geschichte, die sich jedoch bei der ersten Begegnung der beiden an der festlichen Tafel erst richtig entfalten soll.

Denn durch Abduls exotische Erscheinung bietet sich der des Regierens etwas überdrüssigen Königin seit langem mal wieder eine Abwechslung in ihrem sonst so eintönigen Alltag voll von Anbiederungen des gesamten Hofstaates. Wie erfrischend ist es da für sie, dass sich Abdul auch noch einigermaßen artikulieren kann und findig die Gelegenheit nutzt, um die Gunst ihrer Majestät zu gewinnen. Das gelingt ihm spielend, indem er sich ihr äußerst charmant als Sprachlehrer anbietet und so in der Folge während des Unterrichts die längst erloschen geglaubten Lebensgeister der einsamen Königin weckt.

Schön anzuschauen ist es allemal, wie die beiden Charaktere interagieren, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Leider aber lässt es Frears vermissen, die verschiedenen Intentionen herauszuarbeiten, die sich bei aller Sympathie füreinander dahinter verbergen. Das birgt ja eigentlich genug Konfliktpotenzial und ruft die Empörung des ganzen Beraterstabs nebst Streikandrohung hervor, der allerdings nur eine Nebenrolle eingeräumt wird. Stattdessen setzt Frears lieber auf die Darstellung der zarten Annäherung der beiden mit regelmäßig folgender Enttäuschung der Regentin. Die ist dann trotz aufwändiger Ausstattung bisweilen ziemlich langatmig geraten, so dass man zwar aufgrund der verblüffenden Faktenlage und einer hinreißenden Judy Dench einen stimmigen Kostümfilm aber bei weitem kein spannendes Historiendrama geboten bekommt.



Wertung: 6 von 10 Punkten

(Mick)