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Die Beangrowers aus Malta gehören schon seit einiger Zeit zu den Geheimtipps im Alternative-Rock-Pop. Vor einigen Jahren konnte man sie im Vorprogramm von Slut sehen, nun gibt es ein neues und doch nicht mehr neues, insgesamt drittes Album, wurde "Dance Dance Baby" doch bereits vor fast einem Jahr in ihrer Heimat und Österreich veröffentlicht. Seit zehn Jahren musizieren Alison Galea (Gesang/Gitarre/Keyboards), Mark Sansone (Bass/Synthesizer) und Ian Schranz (Drums/Synthesizer) zusammen und ließen sich nach "48k" (1999) und "Beangrowers" (2001) einige Zeit für das von uns mit 8 von 10 Punkten bewertete Album. Dieses enthält zwölf Songs und 48 Minuten, die überzeugen. Schon der Opener "The Farewell Party" besitzt eine gute Melodie und vermischt Relaxtheit und Rock auf sehr schöne Art und Weise. "You Are You Are" ist rockiger und klingt nach Alternative, während "Waiting" gitarrenpoppig im Midtempo daher kommt und "The Priest" mit trockenen Riffs schleppend kommt. Letzteres Stück könnte man übrigens aus dem Soundtrack zu Wim Wenders Film "Land of Plenty" kennen. "Dance Dance Baby" als Titelsong klingt wie eine Mischung aus frühen Blondie und modernem Rock. "Russian Boulevard" rockt ebenfalls gut, "Star In Monaco" kommt beschwingt daher, "I Like You" verbindet progressiven Knarzrock mit einer eingängigen Melodie, und "Waltz" ist ein hypnotischer Song mit langsamer Basslinie. Mit eben solcher beginnt auch das langsame "Lucky Luca", lange instrumental, dann doch noch mit etwas Gesang versehen. "Analyze" kommt etwas sperrig daher, bevor "16, 18" mit seinen Heimorgelklängen einen verspielten Abschluss bildet. Insgesamt schon cool, was die Beangrowers hier bieten, auch wenn der große Ohrwurm ausbleibt. Grund genug, ein Interview mit den Beangrowers zu führen:

 

MUM: Ist es für eine Band hilfreich, von einer Insel zu kommen, auf der Englisch eine der beiden Landessprachen darstellt?

B: Wir danken den Briten, dass sie unsere Insel eingenommen und die englische Sprache eingeführt und sie zu einer der beiden offiziellen Sprachen (neben Maltesisch) gemacht haben (desweiteren danken wir ihnen für die guten Strassen). Da Maltesisch ja nur bei uns gesprochen wird, hat uns das Englische geholfen mit der restlichen Welt zu interagieren und zu kommunizieren.

MUM: Es wird behauptet, dass Insulaner einen bestimmten Stolz und Unabhängigkeit haben – ist das richtig? Wenn dem so ist, hat es Euch und Eure musikalische Entwicklung unterstützt?

B: Menschen sind immer durch ihre Umwelt beeinflusst, in unserem Fall hat das Inselleben bestimmt einen Einfluss auf unsere Charaktere und unsere musikalische Performance genemommen. Und ja – wir sind ein stolzes Land. Aber in gleichem Maße haben wir keine Ahnung wie unterschiedlich Leute in den anderen Ländern leben. Dies macht den Malteser an sich auch immer ein wenig naiv. Dennoch lieben wir es zu reisen und wir sind durch eine Menge europäischer und amerikanischer Mitmenschen beeinflusst; was sich mittlerweile auch in unserer Kultur und auch unserer Art zu denken zeigt. Musikalisch befinden wir uns ja nun mal hier zu Hause – hier können wir uns auch sehr gut auf unser Songwriting und –recording konzentrieren und besinnen. Dem kommt zugute, dass das Leben hier wesentlich geruhsamer vonstatten geht und es hier um einiges wärmer als in den meisten nördlicheren Ländern ist.

MUM: Lebt Ihr gegenwärtig auf Malta oder seid Ihr ein wenig mehr in das Zentrum von Europa gezogen?

B: Während der Veröffentlichungsphase unseres 2. Albums haben wir in Deutschland gelebt, da wir hier natürlich auch viele Konzerte gespielt haben und das Album promoten wollten. Momentan sind wir nach Malta zurückgekehrt und planen uns hier niederzulassen, um dann lediglich für unsere Touren das Land zu verlassen.

MUM: Würdet Ihr gerne in einer anderen Stadt leben und wenn ja, welche?

B: Als Band lieben wir 2 Städte ganz besonders und hoffen dort eines Tages wohnen zu können. Diese Städte sind Berlin und New York. Wir waren schon in beiden Städten und haben dort auch bereits den einen oder anderen Gig gespielt. Wir haben uns in den Lifestyle und die Vielfältigkeit der Leute verguckt. Eigentlich sehen wir Berlin als das New York von Europa!

MUM: Wie fing das denn damals mit der Band an – und wir habt Ihr Euch zusammengefunden?

B: Wir 3 kennen uns seit über 15-16 Jahren und machen bereits seit 10 Jahren Musik zusammen! Die "Beangrowers" haben sich offiziell währen eines College Festivals 1994 formiert.

MUM: Habt Ihr eine musikalische Ausbildung gemacht?

B: Wir haben für keines der Instrumente, die wir beherrschen eine professionelle / klassische Ausbildung gemacht, als vielmehr das was wir können, autodidaktisch erlernt! Lediglich Alison hat 9 Jahre Klavierunterricht gehabt und kann daher auch Noten lesen. Tatsächlich war sie diejenige, die uns geholfen hat, unsere Gitarren zu stimmen…

MUM: Was sind Eure hauptsächlichen musikalischen Einflussgrössen und welche Musik bzw. welche Bands mögt Ihr?

B: Als Band wuchsen wir natürlich mit The Cure, Joy Division, The Pixies, Belly, James, etc. auf. Dennoch hat jeder für sich seinen individuellen Musikgeschmack – von Jazz bis Dance Music. Zudem haben uns sicherlich auch Filme und Soundtracks beeinflusst!


MUM: Welche Entwicklung hat sich zwischen Eurem 1. und dem 3. Album vollzogen?

B: Als wir "48K" (Album 1) aufnahmen, waren wir lediglich 20-jährige die einige gute Songs in der Tasche hatten, ohne zu wissen, wie diese produziert oder fertiggestellt werden konnten. Unserer Meinung nach ist "48k" immer noch ein sehr frisch klingendes Album. Für das 2. Album allerdings haben wir uns ein wenig von der Gitarrenlastigkeit verabschiedet, um mehr experimentieren zu können und uns nicht zu wiederholen! Unser neues Album hat sich als unser bislang bestes und am meisten ausgereiftes Album erwiesen. Wir verstehen uns im Laufe der Zeit natürlich besser auf das Songwriting und das Produzieren der Songs im Studio. Zudem haben wir uns selbst natürlich weiter entwickelt und sind durch unsere Erfahrungen im Ausland erwachsener geworden!

MUM: Welche Erwartungen hat die Band an das neue Album…? (Die Rezensionen sind eigentlich durchweg gut – sehr gut…!)

B: Alles was wir erwarten, ist so viele Konzerte wie nur möglich spielen zu können und die Chance zu haben, viel zu reisen um viele Leute zu erreichen. Wir scheren uns nicht um die Leute die unsere Musik nicht mögen; dennoch leben wir als Band natürlich von den Leuten, die uns, unsere Musik und unsere Wurzeln zu schätzen wissen. Zudem denken wir, dass dieses Album direkter und dennoch eingängiger und leichter für den Zuhörer zu hören ist – daher sollte dieser auch einfacher entscheiden können, ob er es mag oder nicht!

MUM: Habt Ihr eigentlich schon ein Video für einen der Songs auf dem Album aufgenommen? Wenn ja – wie war diese Erfahrung für Euch und wovon handelt das Video?

B: Ja – tatsächlich haben wir unser eigenes Video für die für die erste Singleauskopplung "You Are You Are" produziert – Ihr könnt es Euch auf unserer Website (www.beangrowers.net) gerne anschauen. Unsere Idee war es, ein einfaches Video zu machen, in dem wir auch ein bisschen auf unsere Performance eingehen. Ian hat dabei Regie geführt und den Schnitt gemacht – wir sind glücklich von Anfang bis Ende die totale Kontrolle über dieses Projekt gehabt zu haben – auch wenn wir kein wirkliches Budget dafür hatten, ist es unser bislang bestes Video.

MUM: Wie kommt es eigentlich, dass Ihr einen Vertrag mit einem deutschen Label habt?

B: Wir haben 1998 unseren ersten Vertrag mit Rough Trade Records in Deutschland unterschrieben, so dass Deutschland zu unserer Basis für Europa wurde. Mittlerweile haben wir separate Verträge für die unterschiedlichen Gebiete. Das Album wird ja auch in Großbritannien und Australien, vielleicht sogar in Amerika gelauncht. Dazu haben wir halt gebietsbezogene Verträge mit unterschiedlichen Labeln.

MUM: Wie sehen und akzeptieren die maltesischen Landsleute denn Eure Musik?

B: Nahezu jeder auf Malta kennt und mag uns – insbesondere diejenigen, die generell auf Indiemusic stehen. Wir haben hier eine überschaubare hingebungsvolle Anhängerschaft – die meisten Malteser sind natürlich auch stolz auf uns. Es ist ein tolles Gefühl – irgendwie fühlen wir uns halt auch als die musikalischen Botschafter unseres Landes!

MUM: Wann werdet Ihr durch Europa und Deutschland touren?

B: Wir setzen gerade die Termine für eine Europatournee in November / Dezember 2005 und freuen uns nach langer Abwesenheit wieder in Deutschland zu spielen!

MUM: Interview von Kai, Intro von Tobi


Mehr über die Beangrowers gibt es auf ihrer deutschen Website.