CTS-MUM
DOWNSET (10/00)

Herbst 2000. Epitaph Records veröffentlichen das neue, mittlerweile dritte Album der Crossover-Band Downset. Na sowas. Warum "na sowas"? Nun, zu allererst mal kennt man Epitaph vorrangig als Label, das im Punkrock-Sektor aktiv ist, Bands wie Bad Religion (deren ehemaliges Mitglied Brett Gurewitz ja schließlich auch Chef der Company ist), NOFX, Offspring oder Pennywise groß rausgebracht (und dann ja auch teilweise an Major-Labels verloren) hat. Dies wäre aber nicht Grund genug für ein "na sowas", öffnet sich Epitaph (vor allem auch mit seinem europäischen Ableger) doch schon seit einiger Zeit stilistisch immer mehr und nimmt auch Bands anderer Stilrichtungen unter seine Fittiche. Liegt der Grund für das "na sowas" also vielmehr bei Downset. Downset kommen aus Los Angeles und traten 1993 mit den Vinylsingles "Ritual" und "About To Blast" erstmals in Erscheinung, die CD "Soul Arch" folgte. 1994 gab es nach den nur in Großbritannien veröffentlichten CD-EPs "Our Suffocation" und "No More Freedom In A Cage" dann das erste richtig Album "Downset", zusätzlich noch die CD-EP "Generation Of Hope". Zwei Jahre später folgte das Album "Do We Speak The Same Language?", gefolgt von der CD-EP "Pocket Full Of Fat Caps", die 1997 das Licht der Ladenregale erblickte. Stecker raus - Aus! Vorbei war es mit Veröffentlichungen, Downset verschwanden von der Bildfläche. Nun sind sie wieder da.

Als Fünfgestirn Rey Oropeza (Gesang), James Morris (Bass), Rogelio "Roy" Lozano (Gitarre, auch live mit Cypress Hill unterwegs), Ares Schwager (Gitarre) und Christopher Hamilton (Drums) wurde das Album "Check Your People" aufgenommen, mit 14 knalligen Stücken zwischen Metal, Hardcore und Rap, produziert von Roy Z und gemixt von Randy Staub, der auch schon für Metallica, Monster Magnet und andere aktiv war. Warum die lange Pause? Im Info zum Album wird Rey mit "Wir mussten eine ganze Menge Scheiße durchleben, um diese Platte fertig zu stellen" zitiert, im Interview hält er sich auch eher bedeckt: "Hier ins Detail zu gehen, würde die persönlichen Interessen einzelner Menschen angreifen. Wir hatten als Band eben eine Menge Probleme, aber wir sind froh, dass dies alles nun hinter uns liegt."

Probleme auf zwei Ebenen sind es, die zur Verzögerung geführt haben. Laut Platteninfo hatten Downset unter der Heirat ihres damaligen Labels Mercury mit Universal zu leiden, plötzlich war nicht mehr klar, wer was von der Band erwartet und ob überhaupt. So dauerte es einige Zeit, bis man sich wieder als frei bezeichnen konnte und von Epitaph unter Vertrag genommen wurde. Der wirkliche Grund für die Pause waren jedoch große bandinterne Probleme, die auch die Probleme mit dem Label erklären. Das damalige Line-Up kam einfach nicht miteinander klar. Roy war schon länger nicht mehr in der Band, an den Drums saß Chris Lee, dies nur zur einführenden Info für das Folgende.

Im Internet kann man in einem Brief von James auf einer Fan-Seite vieles sehr Interessantes lesen, was die Probleme der Jungs angeht und auch die Labelgeschichte ausführlich erläutert. "Nach dem Ozzfest 1997 hatten wir große Unstimmigkeiten in der Band. Wir entschlossen uns daher, einige Monate Pause zu machen und uns nach drei gemeinsamen Jahren, in denen wir eigentlich ständig auf Tour waren, aus den Augen zu gehen. Ein Problem, das wir immer hatten, war die Kommunikation innerhalb der Band. Als wir uns dann wieder zusammenfanden, um weiter zu arbeiten, war Rey nicht zufrieden mit dem, was er von uns hörte, und so verhärteten sich die Fronten immer mehr. Als wir dem Label ein 4-Track-Demo zukommen ließen, da bekamen sie mit, dass Rey die Songs wohl nicht so toll findet, außerdem wollte er unbedingt Roy Lozano wieder in der Band haben, was wir nicht für den richtigen Schritt hielten. Rey rückte immer weiter von den anderen weg, bis er schließlich irgendwann hinschmiss und Downset verließ. Chris Lee, Ares und ich wollten die Band am Leben halten. Drei, vier Monate lang schauten wir uns nach einem anderen Frontmann um, mit dem wir unter anderem Namen weitermachen wollten. Dann rief unser Manager an und erzählte, dass Rey zurückkommen wolle, er aber immer noch Roy wieder in der Band haben möchte. Wir entschlossen uns also, uns zu einem friedlichen Gespräch zusammen zu setzen. Unsere Suche nach einem neuen Sänger war nicht besonders erfolgreich gelaufen. Die Jungs von Korn nannten uns einen ihrer Freunde, Jaime, aber das lief nicht so gut. Wir setzten uns also mit Rey zusammen und kamen zu dem Entschluss, dass es gut gehen könnte, Roy wieder in die Band zu holen. Nach zweieinhalb Jahren Trennung kam Roy dann also zurück, und mit ihm Rey. Der ganze Stress hatte insgesamt etwa ein Jahr gefressen, und jetzt arbeiteten wir endlich an neuen Songs, was ein gutes Gefühl war. Die Stimmung innerhalb der Band wurde übrigens wieder sehr viel positiver. Wir waren zwischenzeitlich alle am Boden. Ich arbeitete (und tue es noch) in einem Plattenladen, um meine Rechnungen bezahlen zu können. Jedem von uns ging es so. Downset waren finanziell wieder bei Null angekommen. Das Label sah uns als Band, die unzuverlässig ist und mit der man nicht weiterarbeiten sollte, durch unsere lange Pause und unseren geringen Output von vier Tracks in eineinhalb Jahren. Downset mussten sich selbst wieder aufrichten. Hierbei half unser Produzent Roy Z. sehr, der uns moralischen Beistand gab, er war ja auch ein Freund von uns. Wenn er nicht gewesen wäre, dann gäbe es Downset nicht mehr. Wir hatten auch den Punkt erreicht, wo wir mit Chris Lee nicht mehr klar kamen. Er erwartete sei zweites Kind, dies war aber nicht der Grund, ihn gehen zu lassen, da gab es noch verschiedene andere zwischen ihm und uns. Wir entschieden uns, mit Chris Hamilton, einem Drummer aus Philadelphia, zu arbeiten. Wir hatten ihn auf Tour kennen gelernt und waren Freunde geworden. Mit ihm lief es sehr gut. Dann kam der 'schwarze Donnerstag' für uns. Polygram Records waren von Seagrams aufgekauft worden, und selbige standen vor der Fusion mit Universal. Alle anstehenden Projekte wurden auf Eis gelegt, also saßen auch wir herum und warteten, was passieren würde. An diesem Donnerstag dann wurden die Büros von Polygram in Los Angeles geschlossen, von rund 60 Mitarbeitern bei Mercury behielt man vielleicht zwei. Hunderte von Leuten und verschiedene Polygram-Label wurden einfach weggefegt - Universal macht Hausputz, nicht nur mit den Leuten, auch mit Bands. Uns sagte man, wir ständen auf der Kippe und man würde uns wissen lassen, wie man sich entscheidet. Also warteten wir und ließen alles etwas schleifen, drei Monate lang. Es gab Gerüchte, man würde uns abstoßen, oder man würde uns behalten, aber nie ein offizielles Wort. Im Endeffekt behielt man dann von über 200 Bands, die bei Polygram erschienen waren, 40. Wir waren wohl zuerst auf der 'Weg damit'-Liste, kamen aber dann auf die 'Lass uns nochmal überlegen'-Liste, was auch zu dieser langen Verzögerung führte. Wir schafften jedenfalls den Cut, wurden behalten. Einige Monat später teilte man uns das Budget mit uns wir gingen ins Studio. Wir haben immer noch keinen Kontakt mit Mercury-Leuten, da ist keiner, der sich um uns so recht kümmert, aber im Studio läuft es besser als je zuvor. Wir spielten einige Konzerte und es war toll, wieder mal auf der Bühne zu stehen. Ich möchte mich für die lange Abstinenz von Downset entschuldigen und jedem danken, der die Band unterstützt hat."

Nun, diesen Brief schrieb James im September 1999. Mit Mercury klappte es dann also doch irgendwie nicht, sonst wäre man ja nicht auf Epitaph. "Wir haben viele persönliche Freunde bei Epitaph, also kamen wir zusammen und brachten die Sache unter Dach und Fach.", erklärt Rey. Auch bandintern lief wohl nicht immer alles rosig, Gitarrist Ares sagte jedenfalls Downset vor einigen Monaten kurzerhand Adieu. Ob er ersetzt wird, ist fraglich. Für die "Tattoo The Earth"-Festival Tour (mit Slipknot und anderen) in den Staaten holte man sich Andrew Kline von Strife ins Boot, danach ging es als Quartett on the road.

Wie dem auch sei, Downset sind zurück, mit brachialen Riffs, knalligen Beats und den extrovertiert gerappten, gesungenen, geshoutetetn Worten von Rey, der sich am liebsten "The Messenger" nennt (damit sicher nicht den Fahrradliederdienst meint), aber in seinen Texten keine besonderen Thematiken ausmachen will. "Ich sage einfach das, was ich fühle. Meine Texte sind vor allem persönlich, politisch sind sie nur am Rande. Ich versuche auch nicht, den Leuten irgend etwas zu sagen, wie sie ihr Leben führen sollen. Aber die Kids sollten kapieren, dass das Leben mehr ist als Skateboarden auf den Straßen und Krawallmachen in Woodstock." Neben seinen musikalischen Aktivitäten ist der Frontmann dafür bekannt, sich in Graffiti und Malerei zu verwirklichen, wobei er hier auch den Kids ans Herz legt, selbiges zu tun. "Ich habe zuletzt viel daran gearbeitet, die Kids dazu zu bringen, heraus zu kommen und diese Wandmalereien zu machen. Malerei führt zu anderen Arten der Kunst hin, und Kunst bringt einen zu einer sehr viel positiveren Form, sich zu verwirklichen." Generell aber dreht sich bei Rey die meiste Zeit weiterhin und das geschriebene Wort. "Ich schreibe ständig Songs, schreibe Gedichte - und ich mache brasilianisches Jiu-Jitsu". Auch schön.

Darauf, dass der weltweite Erfolg von Bands wie Korn oder Limp Bizkit, die stilistisch einen ähnlichen Ansatz haben, aber dann doch wieder völlig anders klingen, auch Downset helfen könnte, noch sehr viel populärer zu werden, will Rey nicht groß eingehen. "Nächste Frage bitte - ja, ja, stimmt schon." Dafür verrät er, dass er zuhause am liebsten Bob Marley hört, dass er sehr gerne in Deutschland auf die Bühne geht ("Wir haben schon oft bei euch gespielt. Ich liebe Deutschland") und dass er den musikalischen Fortschritt der Band in all den Jahren vor allem darin sieht, dass man Stile weiterentwickelt hat. Man darf gespannt sein, wie es mit Downset weiter geht, ob interne Querelen ausbleiben, ob das nächste Album, für das man aufgrund der langen Arbeit am aktuellen schon einige Stücke in der Tasche hat, schneller erscheint. Alles andere als eine ruhige Bandgeschichte, mal sehen, ob sie Los Angeles-like ein Happy End hat.

(Tobi)