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25 Jahre nach der Gründung von Duran Duran sind nun die fünf Mitglieder Simon Le Bon, Nick Rhodes, John Taylor, Andy Taylor und Roger Taylor wieder gemeinsam zurück – nachdem sie lange Zeit getrennt voneinander anderen Projekten nachgingen. Hauptverantwortlich für ihre über siebzig Millionen verkauften Platten ist allerdings ihr Erfolg in den 80er-Jahren, als sie mit Hits wie "The Reflex", "Wild Boys" oder "A View To A Kill" (damals auch einer der besten Videoclips, mit einer Verfolgungsjagd auf dem Pariser Eiffelturm) weltweit die Charts stürmten. Doch nicht nur ihre großen Erfolge konnten begeistern - schon das gesamte zweite Album "Rio" mit Stücken wie "Hungry Like The Wolf", dem tollen Titelsong oder der großartigen Ballade "Save A Prayer" war große Klasse. In der zweiten Hälfte der 80er begann das eigentlich noch in voller Fahrt befindliche Schiff Duran Duran langsam Leck zu schlagen. Zuerst stiegt Roger aus, dann folgte Andy. Das Album "Notorious" konnte sich vor allem dank eines eingängigen Titeltracks zwar wieder oben in den Charts behaupten, mit "Big Thing" allerdings gingen Duran Duran 1988 allerdings zu weit vom eigenen Stil weg, experimentierten mit moderneren Beats und Sounds herum, verloren so nicht weniger ihrer eigentlich treuen Fans. Dies sahen sie wohl auch selbst so, klang fünf Jahre später das "Wedding Album" doch wieder weit mehr nach Duran Duran - mit dem großartigen "Come Undone" enthielt es einen der schönsten Songs der 90er, und auch "Ordinary World" wurde ein Erfolg. 1996 dann verließ mit John auch der letzte Taylor die Band, und die Alben "Thank You", "Medazzaland" und "PopTrash" konnten allesamt nicht mehr so recht begeistern. So ist es kein Wunder, dass viele Seiten auf die Ur-Mitglieder einredeten, sich wiederzuvereinen. Im Jahr 2000, während ihr 25-Jahr-Jubiläum immer näher rückte, war der Zeitpunkt genau richtig und Gespräche wurden arrangiert. Zuerst wurde nur über eine Reunion-Tour gesprochen, aber als die fünf wieder gemeinsam in einem Raum waren, begannen die kreativen Kräfte einmal mehr aufzuleben. 2003 ging es für die ursprüngliche Besetzung Simon, Nick, Andy, Roger und John wieder zurück ins Studio, um an ihrem ersten gemeinsamen Album nach fast achtzehn Jahren zu arbeiten.


Eröffnet wird das neue Album "Astronaut" von der ersten Auskopplung "(Reach Up For The) Sunrise", und hiermit legen Duran Duran schon einmal den ersten Beweis vor, dass sie zwar optisch in die Jahre gekommen sind, aber musikalisch immer noch überzeugen können - sehr eingängig, das Stück. Wer jetzt denkt, dass dies eine Eintagsfliege inmitten eines langweiligen Haufens sein würde, der wird vom Gegenteil überzeugt. Gerne nehme ich das Fazit vorweg: Duran Duran scheinen in ihrer Ur-Formation neu aufzuleben und haben jede Menge guter Songs im Gepäck. "Want You More!" kommt energetisch und knackig, das Midtempo-Stück "What Happens Tomorrow" hat einen sehr guten Refrain, "Astronaut" ist sehr solide, "Nice" ein weiterer Ohrwurm, "Finest Hour" eher mit Melodie als mit fettem Arragement arbeitend, "Chains" stark auf Simons Stimme basierend, "One Of Those Days" etwas rockiger, "Point Of No Return" umso moderner gebastelt und "Still Breathing" ein ruhigerer Abschluss. Ein Megatitel wie "Come Undone" ist nicht unbedingt dabei, aber jede Menge guter Stücke. Lediglich das mit etwas ödem und unpassendem Sprechgesang arbeitende, dann aber durch eine funky Refrain-Melodie wieder aufholende "Bedroom Toys" und der einzig dürfitige Track "Taste The Summer" sind durchschnittlich, ansonsten aber macht die Scheibe weit mehr Spaß als erwartet.

Hier ein Interview zum neuen Album, welches mit John Taylor, Roger Taylor und Andy Taylor am 26. Juli in Berlin geführt wurde:

Frage: Wie kam es zur Wiedervereinigung von Duran Duran?

Roger: Ich glaube, es waren John, Nick und Simon, die sich in L.A. trafen. Die Verträge von Nick und Simon mit Warner liefen gerade aus und beide suchten etwas Neues. Ich glaube, ihr habt mich angerufen.

John: Ja, beide kamen zu mir und wir riefen dich an. Aber sind wir doch mal ehrlich, im Grunde war das doch alles eine Frage der Planetenkonstellation. Also wirklich, das ganze Gerede von anderen Bands und den 80ern mal außen vor, im Grunde war dies der einzige Zeitpunkt, an dem wir alle fünf das Gefühl hatten, es sei der richtige Zeitpunkt, es noch mal zu versuchen. Es hätte zu keiner anderen Zeit passieren können.

Frage: Welche Rolle spielte das 25-jährige Bandbestehen für die Wiedervereinigung?

Roger: Tatsächlich spielte es keine Rolle. Wir hatten einfach alle den richtigen Platz in unseren Leben gefunden, an dem wir bereit waren, es zu versuchen. Eben jener Moment, an dem man nichts zu verlieren hat und bereit ist, es zu wagen, um zu sehen, was passiert. Wir mieteten uns ein Haus in Südfrankreich für zwei Wochen, brachten unsere Instrumente hin sowie einen Aufnahmetechniker und ließen uns überraschen. Von den alten Sachen haben wir gar nichts gespielt, nur neues Material. Eine Menge davon hat es geschafft, aufs neue Album zu kommen.

John: Wirklich ernsthaft haben wir uns erst um die alten Songs gekümmert, als ein Konzert in die Nähe rückte. Es ging in erster Linie darum, einander musikalisch wieder zu entdecken. Im Sinne von, hey, so spiel' ich heute, Oh, so machst du das jetzt. Ist das so ok? Mit der Zeit passten sich unsere Stile wieder einander an, so wie früher.

Frage: Wieso wart ihr euch sicher, dass die Chemie zwischen Euch noch stimmt?

Roger: Wir hatten so viele Stunden zusammen gespielt, bei Konzerten und im Studio. Das wird immer da sein. Es ging nur darum, es wieder zu entdecken. Wir hatten uns unsere Sporen gemeinsam verdient. Da spielt keiner ohne den anderen.

Frage: Hätte es nach der langen Trennung nicht auch scheitern können?

Andy: Es gab gar keine andere Möglichkeit. Egal, was Nick, Simon oder ich in der Zwischenzeit gemacht hatten - bei jedem von uns war es etwas anderes - diese anderen Dinge hatten keine Zukunft! Wir mussten den alten Kreis wieder schließen. Das brauchte seine Zeit. Ich glaube, wir sahen ein, dass wir es alleine nicht schaffen würden. Solange wir aber Songs schreiben und uns musikalisch verständigen konnten - diese ganzen einfachen Dinge eben – gab es auch einen neuen Anfang für uns. Dann würde es auch wieder die Band geben. Tatsächlich hatten wir drei bereits vor dem Fünfer-Treffen schon eine Woche lang gemeinsam im Studio gespielt, um heraus zu finden, ob überhaupt eine Basis da ist. Wir waren nicht so vermessen zu glauben, dass das alles problemlos und instinktiv läuft. Ich glaube nicht, dass wir einfach blind drauf los gezogen wären.

Frage: Welche Rolle spielten eure Live-Konzerte der letzten Jahre als Test, ob die alte Chemie der Band noch stimmt?

Andy: Eine Band wächst mit jedem Konzert. Man wird wieder eine Einheit. Du siehst das Publikum, spürst die Temperatur. Live zu spielen gibt dir ein Gefühl dafür, wie gut du wirklich als Band bist. Danach kam der Vertrag mit Sony und das Album wurde aufgenommen. Die gesamte Energie, die wir während der Konzerte aufgebaut hatten, findet sich auf dem Album. Es fühlt sich echt und legitim an, das hier ist kein Marketingtrick mit einem großen Namen. Wieder zusammen zu kommen, dauerte einen Tag, wieder zusammen zu finden dauerte Jahre. Aber jetzt sind wir als Band wieder zusammen.

Frage: Wie war die Resonanz auf eure Comeback Tour?

Roger: Es war unglaublich und etwas ganz Besonderes. Es scheint etwas mit den Leuten zu geschehen, wenn sie uns fünf gemeinsam auf der Bühne erleben. Wir hatten keine Ahnung, was passieren würde. Unsere erste Show spielten wir im "Budokan" in Tokio. Da passen 8000 Menschen rein. Wir waren sprachlos.

John: Ich glaube es war in Osaka. Ich erinnere mich, wie wir drei vom Hotel abfuhren. Ich konnte nicht glauben, dass das alles wirklich passiert. So viele Menschen, die überwältigt waren von der Idee, dass wir wieder zusammen spielen. Dabei war wohl niemand überwältigter als wir selbst.

Roger: Die erste Show war innerhalb von zwei Stunden ausverkauft. Es war geschockt und sprachlos. Von da ab lief alles wie von selbst. Alles war im Nu ausverkauft. Wir spielten fünf Abende im Wembley Stadion. Es war unglaublich.

Andy: Als Musiker ist man nicht nur Komponist sondern auch Entertainer und somit jemand, der diese Aufmerksamkeit liebt. Jeder, der etwas anderes behauptet, lügt. Je mehr Konzerte wir spielten und je besser die Resonanz war, desto stärker wurde unser Selbstvertrauen. Dann ist man kreativer und nutzt seine Möglichkeiten besser. Das kommt auch bei Industrie besser an, wenn sie sieht, wie positiv die Leute auf uns reagieren. Wobei wir nicht mit diesen Ausmaßen gerechnet hatten. Als wir in Las Vegas zwei Abende im House Of Blues spielten und 5000 Tickets dafür angeboten wurden, brach das Ticket-System innerhalb von sechs Minuten zusammen. Das ging schneller als bei den Rolling Stones. Solche Dinge passierten uns. Da denkst du dir, verdammt, das habe ich lange nicht gehabt, genauso wollte ich das haben, das ist wirklich aufregend. Dann wischst du alles andere weg. Fünf Jungs und ihre Instrumente, Licht und Sound, mehr brauchst du nicht. Das hat uns wieder zusammen gebracht und sowohl das Publikum als auch das Label davon überzeugt, sich unser neues Material anzuhören. Nach der Tour haben wir einen Haufen Songs geschrieben. So entstand alles.

Frage: Wie würdet ihr das Verhältnis zwischen euch beschreiben?

Andy: Absolut einzigartig. Zerbrechlich, beängstigend.

Roger: Es ist sehr, sehr einzigartig. Wir sind völlig verschieden. Jeder von uns ist ein anderer Typ. Es ist ein Wunder, dass wir überhaupt zusammen arbeiten können. Aber irgendwie scheint gerade diese Spannung etwas Besonderes hervor zu bringen.

Frage: Könnt ihr das Verhältnis zwischen euch etwas genauer beschreiben?

John: Wir sind vor allem sehr auf uns selbst bezogen. Das müssen wir auch sein, denn bevor ich an den Markt oder das Publikum denke, muss ich wissen, ob die Musik für jeden von uns passt. Jede neue Idee für einen Song muss auch Andy oder Nick gefallen. Bis dieses Album fertig war, wurde es von uns einer unvorstellbaren Musterung unterzogen. Ich denke, dadurch …

Andy: Es glättet die Wellen.

John: Genau. Außerdem haben wir lange daran gearbeitet. Wir kamen im Sommer 2002 zusammen. Haben wir jetzt 2005 oder 2004? Ok, dann war es 2001. Wäre alles nach Plan verlaufen, hätte damals an Weihnachten bereits ein Album erscheinen können. Aber die Mächte verschworen sich und zwangen uns, sich noch einmal hinzusetzen und weitere Songs zu schreiben, bessere Songs. Und zu touren, was uns zu besseren Musikern machte. Als wir schließlich den Vertrag bekamen und zurückkehrten, um ein Album aufzunehmen, taten wir dies mit all unserer Kraft. Wir hatten ein paar Jahre Zeit gehabt, um darüber nach zu denken, was wir von dem Material fürs Album nehmen, um die Band am besten zu repräsentieren. Als wir dann auf Tour gingen, hatten wir genug Kraft für eine monatelange Tour. Es war also die Beste aller Welten.

John: Unsere Überzeugtheit war stets unsere Stärke. Diese Einzigartigkeit zeichnet alle fünf von uns aus. Trends interessieren uns nicht. Wir denken nicht darüber nach, was im Radio oder bei MTV gerade angesagt ist. Es geht darum, gemeinsam Songs zu schreiben. Wir haben uns immer am Groove orientiert. Roger und ich, wir waren nie eine einfache Rhythmus-Band. Wir haben immer versucht, eine Aussage zu machen. Jeder Musiker in dieser Band hat dieses Ziel. Das zeichnet uns aus. Wenn du ein Video drehst, gibt es bestimmt viele Dinge, die man machen kann. Entscheidend aber ist, dass wir uns wohl fühlen. Erst dann spricht es auch andere an. Wenn wir fünf uns wirklich gemeinsam auf eine Sache konzentrieren, wird daraus ein kraftvolles und anziehendes Ganzes.

Frage: Wie kamt ihr zu Sony Music?

Andy: Wenn du zum zweiten Mal an den Start gehst, kennen dich natürlich alle. Nicht dass man nicht gespannt wäre, immerhin ist bekannt, dass sich unsere Platten verkaufen. Aber besonders motivierend ist das nicht. Man möchte ein Label, das wirklich mit einem arbeiten will. Und Sony war das erste Label, nachdem wir uns bei einigen umgehört hatten, das genau diese Begeisterung zeigte. Wir hätten das alles auch schon ein paar Jahre früher mit einem anderen Manager und einem anderen Label machen können. Aber irgendwie bewahrte uns das Schicksal davor, zu früh einzusteigen. Schließlich will man doch ein Label, das einem die nötige Anerkennung gibt. Und wenn man sich schon die Kirschen heraus suchen darf, dann gibt es für einen internationalen Künstler kein besseres Label als Sony. Wir sind sehr zufrieden mit der Agentur, dem Management, dem Label. Unsere Auftritte waren ein unglaublicher Erfolg. Das Verhältnis mit unserem Manager ist gut, das hatten wir noch nie, das ist absolut einzigartig. Wir haben das beste Label der Welt.

Frage: Was erwartet uns auf eurem neuen Album?

Roger: Uns war wichtig, dass der Sound von jedem Bandmitglied erkennbar ist. Die ganze Wiedervereinigung der Band wäre Unsinn gewesen, wenn wir mit programmierten Sounds gearbeitet hätten, wie das heute so oft der Fall ist. Also gingen wir unseren eigenen Weg und achteten darauf, dass alles sehr gut aufgenommen wurde und klare Standpunkte bezogen wurden. Also gibt es hier sowohl groovige Sachen als auch Balladen. Das Album bewahrt den original Duran Duran Sound, aber mit aktueller Produktion.

Frage: Gab es Inspirationen oder Vorbilder?

Andy: Wir würden uns nie bei einem Album oder Video an anderen Dingen orientieren, außer an uns selbst. Genau das macht uns aus. Es ist überwältigend und geht nur darum, fünf Leute zusammen spielen zu sehen und die Band zu hören. Das ist alles, was wir wollen.

Frage: Was könnt ihr zu den Texten des Albums sagen?

John: Simon hat sich als Textschreiber weiterentwickelt. Songs wie "Ordinary World" und "Come Undone" waren wichtige Songs, sie verfügten über etwas Menschliches. Er war schon immer ein spannender Texter, der schräge, aber spannende Texte schreibt. Hinzu kam dann Bewusstsein, das sich in diesem Album widerspiegelt. Ebenso etwas Frivoles oder jene Partystimmung, die einfach aus ihm raus musste. Denn sie macht die Band aus.

Frage: Was genau macht euch als Band aus?

John: Es ist ein Zusammenspiel von Talenten. Darum geht es in dieser Band. Die verschiedenen Talente von fünf Jungs. Jeder von uns ist fähig, selbst ein Album zu machen, wir wissen, wie man Songs schreibt. Aber wir kommen zusammen und jeder gibt sein Bestes. Das ist Duran Duran, wir stehen für Spaß und lebendige Musik, die aber auch etwas Düsteres hat und etwas Erwachsenes, da wir reifer geworden sind. Ich habe im Laufe der Zeit mit vielen anderen Musikern gearbeitet habe. Ein Grund, warum ich zurückgekehrt bin, ist, dass Musiker wie Roger oder Andy in ihrer Disziplin für mich immer der der Richtwert geblieben sind, an dem ich jeden anderen Schlagzeuger oder Gitarristen messe. Ebenso Nick als Keyboardplayer, niemand spielt so aufregend wie er. Da kommst du irgendwann an den Punkt, an dem du dich fragst, warum holen wir nicht einfach dieses Maß aller Dinge zurück. Es ist die Musik, die uns zusammenbringt. Und was das Persönliche betrifft, daran kann man arbeiten. Ist doch klar, dass wenn du fünf Mittvierziger in solche eine besondere Situation bringst, …

Andy: … und die ganze Welt schaut zu …

John: … dass dann eine Menge Shit passiert. Weil wir Jungs nun mal so sind. Wenn wir fünf Frauen wären …

Andy: Aber wir menstruieren nicht. Obwohl einige behaupten, wir wären in der Hinsicht noch viel extremer …

John: … während Frauen das ja oft gleichzeitig haben … aber wir haben das innerhalb von zwei Wochen.


Frage: Was kann man aus euren Texten über euch erfahren?

Andy: John hat ja schon einiges erzählt zu Simon und den Texten. Ich denke, in ihnen steckt mehr, als etwa bei Songs wie dem halbherzigen "Union Of The Snake". Aus zwei Gründen: zum einen weil wir als Vierzigjährige über einen ganz anderen Erfahrungsschatz verfügen. Zum anderen, weil sich die Welt entscheidend verändert hat. Das hat auch unsere Arbeit, die Songs und ihre Texte beeinflusst. Wir fingen an im Sommer (2001), noch vor dem 11. September, unten im Süden Frankreichs. Da war die Welt noch reich, der Aktienmarkt florierte, aber dann: Bin-wer? Heute können wir nicht mehr arbeiten, ohne Visa, Fingerabdrücke oder ähnliches. Natürlich hat das Einfluss auf unsere Songs. Simon hat diese Themen aufgegriffen, aber ohne daraus belehrende oder klagende Songs zu machen. Es geht um den Blick auf das Morgen. Glauben zu haben oder sich mit Drogen voll pumpen und sich gegenseitig umzulegen. Indem er diese Punkte anspricht, folgt er eben nicht dem Weg von Morrissey, von wegen Thatcher ist eine Schlampe und Reagan ein was-weiß-ich. Er beschreibt es eher als etwas, das uns allen passieren kann, das aber nur schlimmer wird, wenn man es nicht besser macht. Es gibt nur eine Lösung: Hoffnung und Optimismus.

Frage: Was meint ihr, wie eure Fans auf die neuen Duran Duran reagieren?

Andy: Unsere Fans sind älter geworden. Das dürfte also kein Problem sein.

Roger: Ich hoffe, sie sind mit uns gereift. Die Kids, die uns damals hörten, sind heute in der Regel Mitte dreißig. Also haben wir es mit einem reiferen Publikum zu tun, das unseren Ideen gegenüber aufgeschlossen sein dürfte. Andererseits wäre es schon schön, auch die jungen Kids zu erreichen. Deshalb war die Entscheidung richtig, mit Dallas Austin einen aktuellen schwarzen Produzenten zu wählen, eben um auch die Kids zu erreichen.

Frage: Wie bewertet ihr die Arbeit der am neuen Album beteiligten Produzenten (Dallas Austin, Don Gilmore)?

Andy: Was macht ein Produzent? Er wählt Songs aus, trainiert die Band für sie, arrangiert sie, und falls Leute aus der Band selbst nicht spielen können, findet er Ersatz. Wir machen das alles selbst. Wir kommen mit einem fertigen Stück zum Produzenten und fragen ihn nach seiner Meinung, etwa ob das Schlagzeug ausreichend ist. Einen Einfluss wie ihn etwa Don Gilmore auf die Musik von Linkin Park hat, gibt es bei uns nicht. Es ist eher eine Art Koproduktion. Der Produzent steuert das letzte etwas bei, das wir selbst nicht geben können, etwa die Entscheidung über das Tempo eines Songs. Davon profitieren wir. Aber niemand verbiegt uns in Richtung seines Stils. Wir wollen etwas vom Produzenten, nicht er von uns. Don ist ein großartiger Mann, wenn es um Aufnahmen geht. Er ist sehr geduldig und kann viele Informationen verarbeiten und koordinieren. Während Dallas ein Gefühlsmensch ist.

Frage: Wie war die Arbeit mit Dallas Austin?

Roger: Wenn Dallas ins Studio kommt, wird ein Nachtclub daraus. Die Musik ist richtig laut. Auf den Bildschirmen laufen Filme und er sitzt an seinem Keyboard. Der totale Gegensatz zu Don. Don arbeitet sehr methodisch und exakt. Es ist spannend, diese beiden gegensätzlichen Top-Produzenten im Studio zu haben.

Frage: Warum habt ihr Dallas Austin und Don Gilmore als Produzenten gewählt?

Roger: Nun, wir hielten Don für den richtigen Mann, um die Instrumente perfekt aufzunehmen und einen organischen Sound für das Album zu schaffen. Er arbeitet sehr präzise. Während Dallas eher der wilde Typ ist …

John: Außerdem sind beide gerade mit Alben in den Charts vertreten. Im Gegensatz zu uns. Auch war klar, dass wir uns nicht grundlegend ändern würden, wie heißt es doch: die Katze lässt das Mausen nicht. Es ging nur darum, den Ton des Fotos ein wenig zu ändern und sicher zu stellen, dass die Songs gut rüberkommen. Wir haben so oft mit Produzenten gearbeitet, die meinten: Lasst es so, so ist es perfekt. Denn wir sind uns da oft nicht sicher. Da braucht man jemanden, der entscheidet: Das bleibt so, das ist jetzt fertig. Wir würden sonst einfach weiter machen und säßen wahrscheinlich immer noch am ersten Album.

Frage: Die erste Single "Sunrise" klingt mit Zeilen wie "Now The Time Is Come/ The Music Between Us/ The Night Is Young…" fast wie eine Reverenz an die Reunion von Duran Duran. War das die Idee dahinter?

Andy: Ich denke schon. Simon hat hier versucht, die Worte in den Kontext einer späten Clubszenerie zu stellen, wo er jemandem etwas in Kurzform erzählt. Daher die vielen Phrasen. Aber was wirklich dahinter steckt, wird man sehen. Er liefert nämlich nie eine Erklärung zu seinen Texten, die muss sich jeder selbst erarbeiten. Für den Song "Astronauts" etwa gibt es drei Interpretationsansätze: einen für Kinder, einen fürs Radio und einen für Erwachsene.

Frage: Wovon handelt der Song "The Finest Hour"?

Andy: Da geht es um Lauschangriffe und all das. Die Bestimmungen des verdammten "Patriot Act" gefährden unsere Freiheit, wenn Telefone abgehört, E-Mails gelesen und Lauschangriffe durchgeführt werden. Ein brillanter Text, der davon handelt, diese Dinge rückgängig zu machen, da schon zu viel untergraben worden ist.

Frage: Simon schreibt als einziger die Texte?

Andy: Ja, aber der Trick ist, dass er keinerlei Musik dazu hat, bevor wir sie beisteuern. Ohne uns ist er ein reiner Poet. Und das bliebe er auch, denn die Musik kommt immer zuerst. Wir legen los, und irgendwann fällt ihm was dazu ein …

Roger: Simon ist kein Sting, der ein Instrument spielt und dazu ein Band arrangiert.

Andy: Also ist der Antrieb ein anderer. Wir setzen eine Stimmung, zu der er dann mit einem Text kommt, der zu dieser Stimmung passt. Er kann sich glücklich schätzen, dass er uns hat. Und umgekehrt, natürlich.

Frage: Ihr motiviert Simon zum Schreiben von Texten?

John: Wir nennen uns "Charlie & The Fluffers". Du weißt, was ein Fluffer ist? Die benutzen man in Pornos, um den Typ während der Takes bei der Stange zu halten. Genau so ist es bei uns. Wir "fluffern" Simon pausenlos: Komm schon, Baby! Wie gefällt dir dieser Groove? Oder diese Akkorde? Ist das gut so? Oh, ja, mir fällt etwas dazu ein. Perfekt! So bleibt es.

Frage: Ihr wirkt nach all den Jahren immer noch wie ein Haufen guter Freunde. Warum habt ihr euch damals überhaupt getrennt?

John: Wir waren jung und völlig verdorben. Wir wussten das alles nicht zu schätzen. Wir standen unter großem Druck.

Andy: Es war dieses typische "Wieso-sind-alle-anderen-so-selbstsüchtig"-Syndrom. Ich war 19, als ich zur Band stieß, Nick war 17. Wir waren Teenager, als wir den Vertrag bei EMI unterschrieben. In der Zeit zwischen 18 und 25 sind wir nicht wirklich gereift. Wir hatten ja keinerlei Verantwortung. Die einzige Weiterentwicklung während dieser sechs, sieben Jahre war unsere Musik. Das Individuum trat völlig dahinter zurück. Das ist wie bei jungen Fußballern. Du hängst permanent mit derselben Clique rum, wo alle dieselbe Sprache sprechen und dieselben Witze reißen. Bis du dich mit 25 plötzlich fragst: Und was ist mit mir? Plötzlich hast du ein Kind und stellst fest, dass du existierst. Anfangs nutzt du die Band als Flucht, später fliehst du vor ihr, weil sie dir keinen Platz mehr für dich selbst lässt. Man wird dort nicht erwachsen, alles ist einfach. Alles ist käuflich. Habe ich jemanden verletzt? Egal, bezahl sie und gut. Das ist ein sehr ungünstiges Umfeld für einen jungen Menschen. Man lernt dort nichts. Denn am Ende fällt man ins Loch. Es war ohne Frage eine unglaubliche Erfahrung aber auch eine große Chance, die uns da Anfang 20 in die Hände gegeben worden. Natürlich wussten wir nicht, mit ihr umzugehen.

Frage: War eure Situation eine besondere? Und was habt ihr daraus gelernt?

Andy: Ich glaube nicht, dass wir eine Ausnahme waren. Wir haben fünf Alben und zwei Spin-Offs, also sieben Alben in fünf Jahren gemacht. Das verschlägt dir den Atem, das ist eine Karriere. Sieben Alben sind eine Karriere. Die meisten Bands schaffen zwei und das dritte geht im Koks unter. Sieben Alben, "Wildest Dreams" als Nummer-eins-Hit für James Bond, zwanzig verdammte Hit-Singles. Was bleibt da noch zu tun? Nichts. Spaß haben, mehr Drogen nehmen, noch mehr Geld ausgeben, aber sonst nichts. Ich mache uns keine Vorwürfe, weder mir noch Roger oder wie wir damals waren. Immerhin haben ein paar Leute ein Haufen Geld damit verdient. Wieso sollte man sich da schlecht fühlen? Irgendwie haben wir es überlebt und wieder zusammen gefunden. Heute ist es besser denn je. Jeder von uns lebt heute bewusster und weiß die Dinge mehr zu schätzen. Die Pause hat uns gut getan. Wären wir damals dabei geblieben, es wäre richtig schief gelaufen. Dadurch dass wir uns trennten, haben wir unsere Haut gerettet und haben heute die Kraft und den Schwung, es neu anzugehen. Die meisten anderen Bands wären zu diesem Zeitpunkt völlig abgegessen. Das hier ist eigentlich unser viertes Studioalbum in der kompletten Duran Duran-Besetzung. Und wie sagt man so schön in der Gegend, aus der ich komme: da ist noch eine Menge Tinte im Füller.

Frage: Außer euch hat fast keine Band der 80er Jahre überlebt. Schicksal?

Andy: Wir hatten Glück oder es war einfach Schicksal. Unsere alten Freunde von Power Station sind alle tot. Überleg mal: Du hast in zwei Bands gespielt, mit beiden Hits gehabt, und die Hälfte der Leute lebt nicht mehr. Da merkst du schnell, dass du ein bisschen besser auf dich aufpassen solltest.

John: Wie nennt man das, wenn man sich den Rückzugsweg abgeschnitten hat?

Andy: Wir können nicht mehr zurück. Daran siehst du, wozu dieses Business fähig ist: Es kaut dich auf und spuckt dich aus. Es tötet dich und bringt dich früh ins Grab. Wir waren da dicht dran …

John: Ich glaube, diese Erfahrung hat uns gut getan. Sie zwang uns, mehr über uns und unsere Beziehungen nachzudenken. Wir sind heute stärker und fokussierter als am Anfang. Das mussten wir auch, um am Ball zu bleiben. Man stellt sich das wohl so vor: Ok, wir fahren wir mal eben für zwei Wochen nach Südfrankreich, nehmen ein Album mit neuem Material auf und haben einen Vertrag. Aber so war das nicht. Überhaupt nicht. Die Messlatte für uns wurde ständig höher gehängt. Wir mussten wirklich springen. Das war wirklich erstaunlich. Und jetzt sind wir hier mit einem neuen Album. Aber dahinter steht eine lange Geschichte.

Frage: Wann kommt ihr mit dem neuen Album auf Tour nach Deutschland?

John: Wir hoffen, in einigen unserer europäischen Lieblingsstädte spielen zu können, bevor das Album erscheint. Dann wären wir auch in Berlin. Die komplette Deutschlandtour wird aber erst im nächsten Jahr folgen. Darauf freue ich mich sehr.

Roger: Auf jeden Fall, denn Deutschland war schon immer einer unserer stärksten Märkte, den uns immer unterstützt hat. Daher freuen wir uns darauf, wieder zu kommen.


In den Videoclip zur Single "Sunrise" kann man gleich jetzt reinschauen - einfach hier klicken. Zudem haben wir ein Promovideo zum Album "Astronaut" parat (beides Windows Media Video).

Mehr zu Duran Duran findet man auf ihrer Artistpage.

(Tobi)