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Jen und Raphael trafen im Jahr 2003 aufeinander. Die Beiden kamen ins Gespräch, tauschten Songideen und Telefonnummern aus. Sie trafen sich wieder, erst ganz unverbindlich, schrieben gemeinsame Songs. Bald entdeckten sie: Die Sache wird ernst. Jen lebt, liebt & leidet ihre Emotionen in den Texten, ist gerne mal laut, schreit der Welt ihre Gefühle entgegen, dominiert mit ihrer Präsenz. Raphael als musikalischer Mastermind zieht sich oft zurück, liebt die Vielfalt der Monotonie, fühlt und zelebriert die elektronische Klangwelt, die er um sich herum aufgebaut hat. Demos wurden aufgenommen; es entstanden Songs für Tanzflächen und heimelige Stunden, die Aggressivität und Stärke mit Sanftmut udn Poesie verbinden. Klangwelten, bestimmt durch pulsierende Synthie-Bässe und Samples, aufgebaut auf stets fetten Beats, kombiniert mit sexy deutschen Texten. Provokant und unterhaltsam zugleich ergeben sie doch in ihrer Gesamtheit diesen feinen, klebrig-süßen Elektro-Pop mit dreckigen Attitüden und glücklich gewählten Ecken und Kanten. Das Ganze wird unter dem Bandnamen GROSSSTADTGEFLÜSTER veröffentlicht. Bis jetzt entspricht das Gelesene der Biografie zur Band - hier noch einmal unsere Rezension:


Dass gut gemachte elektronische Musik mit deutschen Texten und Frauenstimme im Trend liegt, haben Bands wie 2raumwohnung oder Quarks bewiesen. Hier kommt das nächste Projekt, welches jede Menge Potenzial mitbringt. Grossstadtgeflüster aus Berlin ist die typische Mann-Frau-Kombination. Raphael arbeitet die gemeinsamen Ideen zu Songs aus, Jen schreibt dazu dann noch Texte und gibt ihnen Leben. Diese CD-EP bietet vier Stücke, und allesamt wissen sie zu gefallen. "Für dich" steht nicht umsonst am Anfang, ist ein eingängiges, flottes, tanzbares und packendes Stück Elektropop mit guter Melodie. "Spass" liegt im Midtempo und setzt auf tiefe Elektro-Gurgeltöne. "Luft und Liebe" ist ebenfalls im Midtempo angelegt und beweist, dass auch Raphaels Stimme nicht schlecht ist, denn hier sind sie beide zu hören. "Seelensupergau" zieht das Tempo schließlich wieder mächtig an, kommt treibend und schwer tanzbar daher. Stellenweise reicht bei bei Grossstadtgeflüster Elektro-Minimalismus im Hintergrund, manchmal aber ist das Klanggewand auch umfangreicher gestrickt. Der Gesang (oft Sprechgesang) von Jen ist prima, zwischen erotisch angehauchtem Gesäusel und Bestimmtheit bringt sie die gesamte Palette. Insgesamt sehr eindrucksvoll und gut - diese Formation könnte es noch weit bringen.
(Bewertung: 9 von 10 Punkten)


Grund genug, ein Interview mit der Band zu führen:

MUM: Produziert ihr eure Songs selber - d.h. belasst ihr die Songs wie ihr sie euch vorgestellt habt und somit unverfälscht?

R: Wir schreiben und produzieren die Songs selber. Dabei wächst uns vieles so sehr ans Herz, dass wir eigentlich nichts mehr ändern wollen. Aber wenn wir ausgehen und in einem Club ein Track von uns läuft, dann soll der bitte genauso knallen wie der davor und der danach! Deshalb lassen wir alles noch mal abmischen und sitzen meistens auch daneben. Allerdings wissen wir auch dass eine dicke Bassdrum wenig Freude bringt wenn der Charme des Songs dabei verloren geht. Letztendlich soll dass Abmischen nichts mehr verändern sondern dass was wir uns vorgestellt haben betonen und zu 100 % erfüllen.

MUM: Wie plant ihr das für die Zukunft?

R: Ich gehe mal davon aus, dass sich jeder Musiker größt mögliche Unabhängigkeit wünscht. Zumindest was seine Musik betrifft. Ich habe das Gefühl, wir sind da auf dem richtigen Weg.

J: Ohne äußere Einflüsse kommt man nicht vom Fleck, wenn aber grundlegende und wichtige Entscheidungen von anderen gefällt werden, wirst du austauschbar.

MUM: Eure Songs sind schöne/faszinierende Verknüpfungen von Musik und Text-wie entstehen sie?

J: Oh mein Gott, das geht runter wie warme Milch mit Honig, danke!

R: Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich, aber im Großen und Ganzen macht einer den Anfang, indem ein vorhandener Text von Jen als Anregung für ein neuen Beatů

J: ...von Raphael...

R: ...funktioniert oder umgekehrt - manchmal ist beides vorhanden und ... was nicht passt wird gemeinsam passend gemacht.

J: In einigen Fällen schmeißt einer von uns 'ne Zeile oder eine Melodie in den Raum und dann entwickelt man oder lässt es über einen längeren Zeitraum entstehen.

MUM: Wie könnt ihr eure Texte kommentieren - handelt es sich dabei um Vergangenheit, Zukunft, Fiktion , Realität?

J: In erster Linie sind es Momentaufnahmen, festgehaltene Gedankenblitze ... kleine Geschichten von Gefühlen und Begebenheiten, die unseren Alltag mit gestalten können ... nichts Großes, was die Welt verändern soll, eher etwas, was vielen von uns vertraut und bekannt vorkommen soll, es soll greifbar sein, Spaß machen und zum Schmunzeln anregen.

MUM: Ihr sagt, eure Musik ist stark durch das Leben in der Großstadt beeinflusst. In welcher anderen Stadt außer Berlin könntet ihr euch eine ähnliche Musik vorstellen. Wäre eure Musik in einer anderen, euch sympathischen Stadt eine andere?

J: Unsere Musik wäre schon eine andere, wenn sie in einem anderen Raum entstanden wäre. Mich reizen so viele Städte dieser Welt, und in jeder huschen neue und andere Einflüsse durch die Straßen .Die schnapp ich mir noch und werde sie verarbeiten, und selbstverständlich wird das Ergebnis ein völlig anderes sein.

R: Ich glaube, dass für mich Wichtigste an einer großen Stadt wie Berlin mit vielen verschiedenen kulturellen und sozialen Einflüssen ist, dass du enorm viel Unterstützung bekommst, wenn du Dinge auf eine andere Art anpackst. Mann könnte hier jeden Abend in 20 Clubs Bands angucken, und wenn du da einfach nur so klingst wie "der" oder so gut bist wie "die",dann interessiert das hier keine Sau. Es wird sozusagen die Eigenart gefördert. Das gilt auch für uns.Wer weiß, würden wir in Pupsdorf leben, wäre Jen vielleicht eine zweite Jeanette und ich irgendein Biedermann.

MUM: Wann kommt euer LP nach den ersten guten Kritiken für die EP? Und wie lebt ihr mit den Vorschusslorbeeren?

J: Dieses Jahr wird es ein Album geben - nur wann, das wollen wir uns noch offen halten.

R: Wir möchten es ohne Druck von außen fertig machen und es rausgeben, wenn unser Gefühl uns sagt, dass wir es zum jetzigen Zeitpunkt nicht besser machen könnten oder wollten.

J: Und die Vorschusslorbeeren sind echt geil ... hätten wir so nicht mit gerechnet ... und sie motivieren selbstverständlich, weiter zu machen, halten uns aber nicht davon ab, uns stetig weiter entwickeln zu wollen und uns auszuprobieren.

MUM: Wohin wird euch und eure Fans die musikalische Reise in Zukunft führen?

J: Das weiß keiner. Vielleicht machen wir irgendwann schwedische, zeitgenössische Musik mit tschechischen Texten und japanischen Untertiteln oder so ... kommt auch darauf an, wo uns unsere potentiellen Fans hinbringen.

MUM: Wie sieht ein Konzert von euch aus? Nur ihr zwei und die Bühne / das Publikum oder werdet ihr durch eine Band unterstützt - und falls ja, dann mit welcher Instrumentierung?

R: Meistens wird man uns mit freundlicher Unterstützung von Bass und Schlagzeug erleben.

MUM: Wann und wo kann man euch in nächster Zeit live erleben?

R: www.grossstadtgefluester.de, da steht das.

MUM: Lebt ihr eigentlich noch andere Musikprojekte? Wenn ja, welche und in welchen Stilrichtungen?

R: Im Großen und Ganzen dreht sich bei uns momentan alles um Grossstadtgeflüster. Wir sind jedoch tendenziell offen für alles - na ja, fast alles.

MUM: Interview von Kai, Rezension von Tobi
J: Jen
R: Raphael