CTS-MUM
ERRORHEAD (02/99)


Markus Deml ist Gitarrist, und anscheinend ein guter welcher, wurde er doch schon für Saga, Kingdom Come, Schwester S, RHP, Nena oder Snap! angeheuert. Gitarrist für Snap? "Ja, auch für Snap! merkwürdigerweise, meistens hört man es nicht, aber es gibt auch eine Instrumentalnummer von ihnen, die sehr Pink Floyd-mäßig klingt. Ansonsten habe ich auch produziert, programmiert und solche Sachen, aber nicht für diese Projekte, da wurde ich als Gitarrist gebucht."
Nun hat er ein Album als eigenständiger Künstler unter dem Namen Errorhead auf den Markt gebracht, und die Scheibe heißt genauso. Natürlich darf die seltene Frage nach dem Projektnamen nicht fehlen. "Der Name heißt frei übersetzt ja auch sowas wie Wirrkopf. Er entstand, als sich die ersten Leute meine Demos anhörten und sich wunderten, daß man solche Stile miteinander mischt. Sie fanden das zwar alle sehr gut, fragten aber, ob ich noch ganz richtig im Kopf sei, und da fand ich Errorhead eine passende Bezeichnung, das ist natürlich auch ein bißchen Selbstverarschung." Gut, es übermannte ihn also einfach die Sehnsucht, endlich alleine etwas auf die Beine zu stellen, statt ständig für andere seine Kreativität herzugeben. Seinen Stil beschreibt er - etwas widerwillig, es überhaupt tun zu müssen - als "eine hoffentlich gelungene Verschmelzung von Dance, Beats und Gitarrenmusik." Die Songs auf der Scheibe klingen sehr verschieden. Bei 'Cruel Beauty' fährt Markus Rammstein-Riffs auf, 'Praha' ist eher groovy und hier spielt die Gitarrenmelodie die erste Geige (nettes Wortspiel!), 'The Other Side' besitzt sogar Einflüsse fremder Kulturen (wenn ich die nicht als einziger entdecke), 'Miles From Nowhere' verbindet Rhythmus mit Wortzitaten, Gitarrenriffs und Jazztrompete, um schließlich hypnotisch zu enden ... sehr abwechslungsreich also. "Über die Abwechslung habe ich nicht direkt nachgedacht, ich habe einfach losgelegt, aber sicherlich hat es mich bei vielen Platten genervt, daß sie so eintönig sind. Ich bin aber nicht hingegangen und habe gesagt, daß wir unbedingt viel Abwechslung schaffen müssen."

Seine Gitarren klänge erinnern mich stellenweise etwas an Pink Floyd, die er zwar mag, "ich habe aber nur eine Platte und höre sie nicht unbedingt viel. Ich fasse das mal einfach als Kompliment auf, auch wenn mich Vergleiche mit anderen Gitarristen eher nerven. David Gilmour ist aber ein guter Gitarrist, das ist anscheinend ein Stil, der mir sehr natürlich ist." Das Album kommt, abgesehen von etwas vereinzelter Sprache, völlig ohne Gesang aus. "Ich wollte ihn durch Gitarre ersetzen, ein Instrumentalalbum machen. Die Sprache ist nur eine Farbe, unwichtiger als ein Hihat-Klang."
Natürlich muß ich ihn auf das Gerücht ansprechen, Jeff Beck hätte ihn als Support abgelehnt, weil er ihn zu gut fand. "Ich kenne die Story so, daß der Tourbus und alles schon gebucht war, dann wurde von seinem Management geantwortet: 'Mr. Beck doesn't like any competition'. Das ist wohl der Grund, 'he doesn't like to step into the ring'. Ich weiß nicht, wovon er redet, ich trage keine Boxhandschuhe beim Spielen." Ich bringe die Idee ein, doch einfach Jeff Beck als Support agieren zu lassen. "Den Vorschlag finde ich gut, warum eigentlich supportet er uns nicht, das ist 'ne klasse Sache."
Noch ein Gerücht muß ihn hinterfragen. Markus soll für Snap! die Vocals von Turbo B. in Wirklichkeit gerappt haben, weil er eine Kastratenstimme hat. "Das finde ich ziemlich gut, aber das war ich eigentlich nicht, da hast Du wirklich was verwechselt." Auch kann ich mir nicht verkneifen, Markus zu fragen, ob ihm schon einmal jemand gesagt hat, daß er auf der CD aussiehst wie Peter Schilling? Ist er etwa Peter Schilling und tarnt sich nur? "Who the fuck is Peter Schilling? (lacht) Keine Ahnung."

Markus Deml, was für ein Name. Wir haben früher, wenn wir jemanden ärgern wollten, auch öfter mal Dehmel gesagt, was ja soviel heißt wie Dummkopf oder Doofmann. Wie lebt es sich mit dem Namen Deml, oder kennt er das Kinder-Schimpfwort nicht? "Klar habe ich das mal gehört, aber ich denke, ich hatte nicht mehr oder weniger Probleme als Du mit Deinem Nachnamen." Frechheit! Na ja, wir reden trotzdem weiter... Ein Song auf seiner CD heißt 'Desert Dance'. Als ich im Frühjahr in Tunesien war, habe ich auf einer Wüstenjeeptour nachts sternhagelblau unter dem superben Sternenhimmel herumgetanzt. Ob er dieses Gefühl meint? "Ich habe das leider nur im Traum erlebt, dieses Wüstentanzen, aber ich sollte das vielleicht mal ausprobieren, wenn ich in der Wüste bin, mich anheitern und tanzen ... vielleicht sollte ich mich auch gar nicht anheitern." Auch sonst hat die Instrumentalmusik Errorheads Inhalte. Der 'Song For You' ist für eine verblichene Person geschrieben worden, in 'Cruel Beauty' verarbeitet er eine nahestehende Person, die aber nicht einmal weiß, daß sie gemeint ist.
Eine Zielgruppe für seine Musik sieht er nicht direkt. "Ich weiß nicht, ich habe die Platte aus reiner Egomanie gemacht, ohne kommerzielle Rücksichtnahme, habe daher keine Ahnung. Ich habe einfach das aufgenommen, was mir in den Kopf gekommen ist." Als Einflüsse nennt er Bands wie Prodigy, Kraftwerk oder auch den Geiger Nigel Kennedy, entdecken tut man deren Strukturen jedoch nur schwer. "Prodigy hörst Du z.B. bei 'Trippin', meines Erachtens nach ist das groovemäßig eine starke Anlehnung im Stil des Programmings, was im Hintergrund läuft. Die supersteife Hihat bei 'Dealer' klingt nach Kraftwerk. Nigel Kennedy klingt auch ein bißchen wie ein Gitarrist, vielleicht mag ich ihn deshalb, man kann ihn auch bei 'Gameboy' heraushören, da klingt der Sound etwas ähnlich." Na gut, wenn er meint.
Zuhause hört er ansonsten alles mögliche, und "wenn ich mich umbringen will, dann Portishead, das ist sehr geil." Nun soll er das mal nicht tun, sondern weiter fleißig die Gitarre zupfen, wie Peter Schilling aussehen und als Ghostrapper von Snap! fungieren.

(Tobi)