CTS-MUM
FLOAT (04/98)


Vor einiger Zeit erst - es ist noch gar nicht lange her - da ergab es sich, daß durch einen via eMail entwickelten Kontakt zwischen dem inländischen Köln und dem schwedischen Örebro mit beiderseitigem Einverständnis das Label Eternity Records Deutschland ins Leben gerufen wurde. Diese Verbindung sollte es uns ermöglichen hierzulande ebenfalls (ohne großartige Beschaffungshindernisse) die Veröffentlichungen des gleichnamigen schwedischen Mutter-Labels erhalten und konsumieren zu können. Aus der Idee, dem Provisorium wurde inzwischen Realität. Die erste spür- bzw. hörbare Konsequenz dieses Bundes war und ist die MCD "I hate you" der schwedischen Synthiepopper FLOAT, einem Duo, daß aus Stefan Lindkvist (Vocals, Keyboards) und Tim Larsson (Synthesizer, etwas Flöte und auch Gitarre - aber dazu später mehr) besteht. Zusammen aufgewachsen begannen sie in den frühen 80ern damit, auf einigen ihrer Aussage nach "billigen" Keyboards herumzuspielen. Stefans erster Synthesizer war ein Yamaha CS-01, Tims ein Casio VL-1. Ohne nennenswerte musikalische Ausbildung brachten sie es aktuell bis zur Veröffentlichung zweier MCDs und einem Longplayer (siehe Diskographie am Artikelende). Okay, Stefan genoß vor gut 15 Jahren ein paar Stunden Flötenunterricht. Heute zählen beide Musiker 25 Lenze, und dieses Wissen ist längst etwas staubbedeckt. Trotzdem ist Stefans Flötenspiel bei "Don't worry" auf oben genannter erster MCD zu vernehmen. "Die Holzflöte wurde in Dänemark für umgerechnet 2,00 DM gekauft. Leider ist sie aber inzwischen hinüber, weil Stefan draufgetreten ist ...!" erklärt Tim etwas vorwurfsvoll. Der Bandname FLOAT hingegen existiert seit erst drei Jahren. "Er war einfach kurz und nett." - soviel zu seinem eventuell vermuteten, bedeutungsschwangeren Inhalt. "Wir sind süchtig danach Musik zu komponieren. Es macht Spaß und ist reizvoll ... ein Weg Gefühle auszudrücken." Einst entwickelten sie ein Stück zur Veröffentlichung auf einer Eternity Records-Compilation. "Daraufhin kamen sie mit einem Plattenvertrag auf uns zu. Ein paar andere Major-Firmen waren ebenfalls an uns dran, doch Eternity Records sagte uns am ehesten zu." Die Entscheidung fiel und blieb bis zum heutigen Tage unbereut. Ihr inzwischen vorliegender und überaus gelungener erster Longplayer "Patience" wurde über drei Monate hinweg aufgenommen. Die darauf enthaltenen Stücke allerdings entstanden verteilt über die letzten fünf bis sechs Jahre - "Higher" ist dabei der älteste aller vertretenen Songs. Im Gegensatz zu Deutschland ist es in Schweden in allen musikalischen Bereichen - gleich welcher Dimension - üblich vor einem Album einige Singles zu veröffentlichen, um das Interesse der Hörer am Longplayer zu erwecken. So erschien dort zuerst die MCD "I hate you", wovon allerdings kein einziger Track auf dem jetzigen Debutalbum zu entdecken ist. Mittlerweile gibt es im Schwedenlande aber auch die erst kürzlich - leider bisher ausschließlich dort - veröffentlichte MCD "Against the tide", also die MCD zum zweiten Track des Albums. "Wir hoffen, daß diese Single ebenfalls in Deutschland veröffentlicht wird. Aber das ist nicht unsere Entscheidung. Wir wissen nicht, welcher Song am besten für Deutschland geeignet wäre ...!?!" Tja, dann ist wohl abwarten und hoffen angesagt - wenn man von den Auslandsimportmöglichkeiten absieht. FLOAT mögen einfach jedes Stück ihres Albums. "Es gibt Highlights in jedem der Songs." Kompositorisch ergänzen sich Stefan und Tim hervorragend. "Meist hat einer von uns die Idee zu einer Melodie. Dann setzen wir uns zusammen und entwickeln diesen Anfang zu einem kompletten neuen Song." Zum vermeintlichen Stil FLOATS ... "NEW ORDER ist eine der besten Bands der Welt. Also haben sie uns natürlich auf gewisse Weise beeinflußt. Jegliche Musik die wir hören inspiriert uns irgendwie - mehr oder weniger." (Was die transportierte Stimmung einiger FLOAT-Songs betrifft, so hätten sie problemlos auf dem neusten MONACO-Album vorzufinden sein können! Was nicht bedeuten soll, daß es sich bei FLOAT um bereits zu Hauf Dagewesenes, sondern um wahrhaft Eigenständiges mit der vergleichbaren Gabe zur Erzeugung brillanter Atmosphären innerhalb ihrer Stücke handelt.) Zu ihren bevorzugten Klangerzeugungsmitteln gehören ihre Sampler aufgrund ihrer Eigenschaft die meisten anderen Instrumente ersetzen zu können. Oft entwickeln FLOAT ihre Samples per Synthesizer, um einzigartige Sounds zu kreiren. Neuen Medien durchaus nicht verschlossen bedienten sie sich in der Vergangenheit aber auch des Internets, was ihnen nebenbei noch einige Drumsamples bescherte. Das Netz ... "Zweifelsohne eine schnelle und günstige Möglichkeit an aktuellste Informationen zu gelangen." Aber auch die Gitarre wird als Medium zum Ausarbeiten von Melodien geschätzt. Tim und Stefan verstehen sich beide auf das Schreiben der Songtexte. Stefan aber ist es, der sich hauptsächlich und schwerpunktmäßig in seiner Eigenschaft als Sänger damit auseinandersetzt. Die Wichtigkeit, die sie ihren Texten beimessen ist von Song zu Song unterschiedlich. Beim Inhalt handelt es sich um eine Mixtur aus realen Ereignissen und Emotionen oder auch erdachten Stories. Im "Patience"-Booklet sind keinerlei Textzeilen abgedruckt. So wie wir die Texte nicht kennen, bevor wir "Patience" lauschen, so kannten die beiden Schweden auch ihre Zweitstimmen- und Hintergrundsänger noch nicht, bevor sie gemeinsam mit ihnen ihre Stücke aufnahmen. "Sie arbeiten beide innerhalb anderer Projekte." Also eine scheinbar vorübergehende Zweckgemeinschaft, die - akkustisch gesehen - zwar kurz, doch durchhaus sinnvoll und begrüßenswert ist bzw. war. Doch Gastmusiker oder -Sänger sind für FLOAT kein Kuriosum mehr. Live bedienen sie sich des öfteren diverser Bühnengäste wie Gitarristen oder zusätzlichen Sängern. In Zukunft hoffen sie sogar eine komplette Liveband für gemeinsame Auftritte gewinnen zu können. Für Livegigs jederzeit gerne zu haben würden sie auch einer Tour durch Deutschland durchaus nicht abgeneigt sein. "Unser Wunsch ist es einfach eine Menge Geld zu machen, um uns davon ein eigenes Studio zu errichten. Darüberhinaus benötigen wir auch eine Limousine, um dorthin zu kommen - eine große!" Naheliegender ist da wohl die Erfüllung des Wunsches nach der Zusammenarbeit mit namhaften Produzenten oder Künstlern im Falle des nächsten Albums. Zukunftsmusik! Dieses Wort ist es wohl auch, mit dem die Existenz der FLOAT-eigenen Internet-Webpage in Verbindung gebracht werden kann. Diese Seiten sind von Eternity Records selbst entwickelt, ohne daß die Band bislang in irgendeiner Weise Einfluß darauf ausübte. "Wir mögen unsere gegenwärtige Homepage nicht so sehr. Wir hatten einfach nicht genügend Zeit sie besser auszubauen." Die Hoffnung auf zukünftige umfangreichere Bemühungen diesbezüglich besteht jedoch bandseitig. Nichtsdestotrotz finden sich auf den aktuellen Pages - sodann man sie öffnen kann (leider Probleme möglich!) - neben der Diskographie auch Soundproben, Bildmaterial, persönliche Steckbriefe etc. die übersichtlich und informativ dargeboten werden. Wer einen Kurzausflug zu wagen gedenkt, der klicke hier.

(Mo)