CTS-MUM
GUY SMILEY (1999)


Guy Smiley, ein Quartett aus Winnipeg in Kanada, veröffentlichte vor kurzem mit "Alkaline" - inwzischen auf Epitaph gelandet - sein drittes full-length Album, und in meiner Rezension beschrieb ich die Scheibe musikalisch als "melodischen Hardcore-Punk, klanglich eher zurückhaltend nach Underground klingend, nicht so offensiv produziert, da könnte man vielleicht noch mehr rausholen." Letztes Jahr konnte man die Jungs als Support von H2O in Deutschland sehen, dieses Jahr hatten sie Ignite und Ensign im Gepäck. Wir führten mit Drummer Ryan ein Interview.


MUM: Seid Ihr stolz, jetzt auch zur Epitaph-Familie zu gehören?

GS: Natürlich! Dies ist ein Traum für jede Band in unserem Genre. Wir denken, daß Epitaph das beste Label für uns ist, und wir meinen auch, daß diese Vertragsunterzeichnung zu einem sehr guten Zeitpunkt unserer Karriere erfolgt ist.

MUM: Wo seht Ihr die größten Unterschiede des neuen Albums zum letzten?

GS: Wir sind mit der Produktion und auch dem Songwriting viel zufriedener. Als wir das Material für dieses Album geschrieben haben, da hatten wir vor allem unsere Live-Shows im Kopf und versuchten, die Sachen so zu spielen, wie auch auf der Bühne. Das Album davor war übereilt, und der Produzent hat sich nicht wirklich mit unseren Songs angefreundet, oder unserem Stil überhaupt. Bei "Alkaline" hatten wir Dylan McLaren (The Misfits) einen Produzenten, der seinen Job unserer Ansicht nach sehr gut gemacht hat. Der größte Vorteil war, daß wir gerade von der Tour mit den Misfits zurück waren und er daher unser Material gut kannte, er wußte, wie die Songs klingen sollten. Als wir ihm die Demos für das Album schickten, da merkten wir, daß er in etwa die selben Ideen für die Produktion hatte wie wir, wir sind sehr froh darüber.

MUM: Meine Favoriten auf der Scheibe sind "Father's Day" und "Closure", welches sind Deine?

GS: Schwer zu sagen, ich mag verschiedene Tracks aus verschiedenen Gründen. "The Canadian Way" jagt mir einen Schauer über den Rücken, aber ich mag den Adrenalinausstoß eines härteren Songs wie "Alkaline" ebenso. "Father's Day" und "Closure" sind zwei Songs, die auch bei den Radiostationen in Kanada sehr gut ankommen. Das ist komisch, weil man normalerweise Bands wie uns gar nicht im Radio hört, aber es ist natürlich richtig cool, im Auto herum zu fahren und seine eigene Musik im Radio zu hören.

MUM: Wovon handeln Eure Texte?

GS: Davon, positiv zu sein. Wir sind eine positive Band. Wir meinen, daß wir lieber über gute Freunde oder die Wichtigkeit guter Zusammenarbeit singen, als unseren Hörern unsere eigene politische Auffassung einzutrichtern.

MUM: Ihr habt schon mit vielen Bands zusammen gespielt, mit welcher hattet Ihr am meisten Spaß, und warum?

GS: Dies ist auch eine schwere Frage. Wir schulden vielen Bands etwas und hatten mit eigentlich allen viel Spaß. Mit den Misfits war es toll. Ignite waren klasse, auch H2O waren großartig. Wir haben viele gute Freunde in der Szene gefunden. Wir haben erfahren, daß die Vielzahl der Bands sehr hilfsbereit ist, und wir versuchen, auch so zu sein. Es ist schwer, eine echt Band voller Arschlöcher in dieser Szene zu finden, da Zusammenarbeit sehr wichtig ist, und die meisten Combos verdanken ihren Erfolg auch anderen Bands.

MUM: Ich denke, Euer Sound könnte noch etwas offensiver klingen, kräftiger ins Ohr hauen, weißt Du, was ich meine? Was denkst Du darüber, oder mögt Ihr wirklich eher diesen Underground-Sound?

GS: Ich glaube, unser Sound ist individuell. Mit dem, was Du meinst, würden wir vielleicht wie viele andere Bands auch klingen. Wir haben nie versucht, jemanden zu kopieren, und wir fangen jetzt auch nicht damit an. Wenn wir wie andere Bands klingen wollten, dann würden wir einfach ihre Songs spielen. Wir haben unsere eigene Menge an ausgesuchten Songs, die es uns erlauben, vor vielen verschiedenen Zuhörern zu spielen und von ihnen akzeptiert zu werden. In Kanada unterstützen alle verschiedenen Gruppen auch die anderer Genres. Punks gehen zu Hardcore-Konzerten, Hardcore-Kids zu Punk, und die Metal-Kids schauen überall vorbei. Ich denke, daher ist unsere Herkunft eine andere und deswegen haben wir unseren Sound.

MUM: Welches war der beste, welches der mieseste Moment in Eurer bisherigen Musiker-Karriere?

GS: Der beste war sicher die Unterschrift bei Epitaph, sie hat uns viele Türen geöffnet. Der schlechteste Moment, hmm, ach, da gab es so viele, ha, ha, ha. Nein, ich denke, das war, als unser Van während einer Kanada-Tour mitten im tiefen Winter einfach stehen blieb, das war sehr ungemütlich. Wir touren im Winter nicht gerne durch Kanada, es ist schweinekalt, -35 Grad Celsius. Wir hoffen, aufgrund unseres neuen Albums den Winter in wärmeren Regionen verbringen zu können.

MUM: Welche Bands haben Euch beeinflußt?

GS: Jeder von uns hat andere Einflüsse. Einige bands, bei denen wie sicher alle übereinstimmen, sind Bad Brains, Dag Nasty, Descendants und Sick Of It All. Ich muß auch noch etwas Metal erwähnen, denn es gibt nichts besseres, als ab und an ein altes Iron Maiden-Album aufzulegen.

MUM: Wie fandet Ihr es in Deutschland?

GS: Wir lieben Deutschland, es gibt eine tolle Szene dort. Die Konzerte waren immer klasse, und die Leute waren sehr nett zu uns. Wir sind uns alle einig, daß Deutschland mit Sicherheit eines unser Lieblingsländer zum Spielen ist, und wir kommen bestimmt dorthin zurückkommen, vielleicht schon im Januar 2000.

MUM: Ich habe noch eine obligatorische Schlußfrage. Welche Frage würdet Ihr gerne mal gestellt kriegen und wie würdet Ihr sie beantworten?

GS: Frage: "Hallo, ich bin eine schöne, 23-jährige Blondine und total nackt. Willst Du nicht herkommen und Pudding von meinen Nippeln runterschlecken?". Antwort: "Ja, okay!".

MUM: Mucke & Mehr
GS: Ryan von Guy Smiley

(Tobi)