CTS-MUM
IRA HAYES (1999)


Ira Hayes nennen sich fünf Freunde aus Berlin, die sich nach einem erfolgreichen Straßenmusikurlaubs 1996 dazu entschlossen, als feste Band zu arbeiten. Den Kopf der Truppe bildet das Ehepaar Benjamin (Gesang, Gitarre, Harfe) und Anne de Wolff (Gesang, Violine, Akkordeon, Gitarre), die für das Schreiben der Songs verantwortlich sind. Letztere hat bereits einige Erfahrungen im Musikbusiness gesammelt, ist sie doch seit drei Jahren als Backgroundsängerin und Geigerin für Rosenstolz tätig. Vorher tourte sie mit Poems For Laila durch die Lande, wo sie auch Christian Podratzky (Bass) und Haymo Doerk (Gitarre, Mandoline) kennenlernte, jetzt ebenfalls bei Ira Hayes. Komplettiert wird die Band durch Uwe Laemmche an den Drums, der wie soeben genannte Mitstreiter auch im Background singt. Auf der CD "Songs For Jacob" präsentiren Ira Hayes schöne, gefühlvolle Popmusik akustischer Art, mit Rock-, Folk- und auch Countryelementen. Wir baten Anne zum Interview.


MUM: Erzählt bitte nochmal kurz Euren Werdegang, von wegen alljährlich stattfindendem Straßenmusikurlaub und so.

IH: Wie das so ist, kennt man sich ja in Berliner Musikerkreisen ganz gut und ist öfter auch enger befreundet. Wenn man dann mit den Freunden in den Urlaub fährt, bietet es sich als Musiker gewissermaßen an, diesen dann auch gleich mit Straßenmusik zu finanzieren. Es macht großen Spaß, man lernt viele Menschen kennen, und zwar nicht als Tourist... Die Straßenmusik 1996 war sehr erfolgreich - wir waren in St. Malo, da muß man sich bei einem speziellen "Straßenmusikeramt" von der Stadt offiziell anmelden und bekommt feste Zeiten, zu welchen man auf welchem Platz spielen darf. So wußte bald auch das Publikum, wann und wo wir eine Woche lang zu finden waren, und viele Leute kamen tatsächlich jedes Mal wieder und sangen fast jeden Song mit. Beim letzten Konzert gab es dann richtige Teenagertränen - da mußten wir einfach beschließen, eine feste Band zu gründen...

MUM: Ihr habt das Album Eurem Sohn Jacob gewidmet. Hängen die Songs mit ihm zusammen?

IH: Jacob ist mit einem Gendefekt auf die Welt gekommen und lag kurz vor unserer Tour und später, kurz vor den Studioaufnahmen, mehrere Monate auf Intensivstation. Während seines schlimmsten Krankenhausaufenthaltes hat Benjamin "Jacob" geschrieben, als klar war, daß er wieder gesund wird, schrieb er "One Day". Natürlich beeinflußt so ein Erlebnis dein Leben und damit auch die Songs, die in dieser Zeit geschrieben werden...

MUM: Du bist seit drei Jahren fest als Rosenstolz-Background-Musikerin dabei und tourtest vorher mit den Poems. Liegt die Konzentration jetzt voll auf Ira Hayes?

IH: Ich konzentriere mich auf beide Sachen - Rosenstolz und IRA HAYES. Natürlich stecke ich mehr Arbeit in meine eigene Band, da wir zu Hause die Songs schreiben und ich auch den meisten organisatorischen Kram mache. Bei Rosenstolz wird das ja von Anna und Peter und dem Management getan, so daß ich mich hier bloß musikalisch vorbereiten muß - und dann natürlich auch toure.

MUM: Welche Bands haben Euch beeinflußt, welche sind Eure Lieblingsbands?

IH: Da ist jeder der Musiker anders beeinflußt, und da bei der Entstehung des letzten Arrangements alle beteiligt sind, kann man nicht so direkte Vorbilder nennen. Benjamin ist auf jeden Fall großer Dylan-Fan und hört viel "The Waterboys". Ich mag eher Dylans Sohn (Jakob...) und ganz besonders J.C. Mellencamp, der wunderbar ausarrangierte Rockmusik macht mit Instrumenten in der Band, die ich auch spiele, Geige und Akkordeon. Für meine Ideen hole ich mir da sehr viel Anregungen.

MUM: Welcher Song ist Euer Favorit auf der CD? Ich finde ja "One Day" sehr klasse.

IH: Da hat irgendwie auch jeder seine eigenen - alle mögen wir auf jeden Fall sehr "Humble And A-Mumble", "Leaving" und "Perfect Pair". Ich persönlich mag "Jacob" sehr und "One Day", letzteres vor allem live - seit ich nicht mehr so schrecklich aufgeregt bin - da entsteht immer eine wunderbare Stimmung während des Konzerts, wo sonst ja eher hüpfen und "rocken" angesagt ist.

MUM: Benutzt Ihr bewußt auch - gemessen an der sonstigen Popszene - ausgefallenere Instrumente wie Mandoline, Bratsche und Mundharmonika, oder habt Ihr diese eben schon immer gespielt?

IH: Es gehört zu IRA HAYES, daß die Musik vielseitig und mit interessanten Klangfarben gemischt ist. Warum sollte man nicht ausnutzen, daß wir diese Instrumente auch beherrschen, abgesehen davon, daß das Live-Erlebnis noch facettenreicher wird...

MUM: Ihr seid alle aus Berlin. Wie seht Ihr die Entwicklung der Stadt in den letzten Jahren?

IH: Wir leben alle sehr gern hier und freuen uns, daß es langsam zu einer Weltstadt wird. Außerdem hat sich, jedenfalls in unseren Freundeskreisen, Ost und West so vermischt, daß dieses Thema, vor allem das Gemecker, keine Rolle mehr spielt - IRA HAYES sind das beste Beispiel mit einem Rumänen, einem Ostler und drei Westlern.

MUM: Wird es aus dem Album eine Single geben?

IH: Nein

MUM: Was kann man in naher Zukunft von Euch erwarten?

IH: Eine neue CD und im April/Mai die nächste größere Tour.

MUM: Mucke & Mehr
IH: Anne von Ira Hayes

(Tobi)