CTS-MUM
KONG (05/99)


Die Amsterdamer Formation Kong existiert seit 1989 und hat gerade mit "Freak Control" ihr füntes Album auf den Markt geworfen. Das Quartett aus Holland geht hierauf den mit dem Vorgänger "Earmined" eingeschlagenen Weg weiter, wie schrieb ich damals bereits: "Die Jungs verwenden neuerdings treibende Technobeats und abgedrehte Samples als Grundlage ihrer weiterhin rein instrumentalen Tracks. Der elektronische Anteil der Musik stellt aber nicht die restlichen Instrumente in den Hintergrund, sind doch auch die harten Gitarrenriffs weiterhin richtungsweisendes Stilmittel der Band, ebenso natürliche Schlagzeugbeats und dröhnende Bassläufe. Die Songs sind abwechslungsreich, es erklingen auch gerne mal ruhige Soundteppiche, ob nun elektronisch im Ambient angesiedelt oder akustisch mehr nach Dark Wave klingend. Es macht Spaß, zu hören, wie im Bereich der nicht-elektronischen bzw. nicht rein-elektronischen Musik einfach auf Gesang verzichtet wird und trotzdem nie Langeweile aufkommt." Selbiges gilt auch für die neue Scheibe von Dirk (Gitarre, Programmierung), Marieke (Gitarre), Klaas (Drums) und Mark (Bass, Programmierung). Mit letzterem führte ich ein Interview.

MUM: Ihr veröffentlicht mit "Freak Control" ein neues Album. Wo seht Ihr Unterschiede zum Vorgänger?

M: Es ging damit los, daß unser Drummer Rob die Band verließ. Dann erklärte unsere Gitarristin Marieke, daß sie mit dem Songschreiben nicht mehr so viel zu tun haben möchte. Also mußten vor allem Dirk und ich an den neuen Songs arbeiten, was aber eigentlich gut war, denn wir hatten das Gefühl, nicht mehr so zu arbeiten wie vorher, auf den vier ersten Alben. Da war es nämlich so, daß wir immer zu viert beteiligt waren, wir haben herumgejamt und auf diese Weise probiert, zu neuen Songs zu finden, was oft ein schwerlicher Prozeß war. Wir machten als nun einen neuen Start, machten es anders.

MUM: Warum hat Rob die Band eigentlich verlassen, und wie habt Ihr zu Klaas gefunden, oder er zu Euch?

M: Rob wollte nach drei Jahren bei Kong etwas anderes erleben. Er wollte sich mehr auf seine eigene, mehr modern klassische Musik konzentrieren. Klaas hörte von unserem Toningenieur, daß wir ohne Drummer dastehen, und so rief er bei uns an. Wir kannten ihn nicht, aber wir machten zwei Sessions mit ihm, die gut liefen. So waren wir froh, nicht erst 20 oder 30 Drummer durchtesten zu müssen.

MUM: Beschreib dem Leser mal Eure Musik?

M: Mega-multi-elektronischer Schmelztigel-Rock-Techno-Hop. Unser Stil ist, keinen Stil zu haben, dadurch bleibt es interessant, da man nie weiß, was passieren wird.

MUM: Woher nehmt Ihr die Sprachsamples?

M: Meistens aus dem Fernsehen. Die Jerry Springer-Talkshows sind zum Beispiel großartig, um Samples zu finden, wenn man den ganzen Bullshit ertragen kann. Außerdem aus Filmen, Clinton-Reden und Urlaubsaufnahmen.

MUM: Was wollt Ihr mit Eurer Musik ausdrücken?

M: Nichts als das, was sich jeder Hörer selbst herauszieht. Musik ist eine der wenigen Sachen, die alleine existieren können, auch ohne bestimmte Ideen oder Meinungen dahinter. Das wichtigste im Leben ist es, sich so gut wie nur möglich zu fühlen, und wenn uns die Musik dabei hilft, dann ist das genug.

MUM: Welchen Song vom neuen Album magst Du am meisten?

M: "Evil Tune" hat etwas von allem, von altem und neuem Kong, heavy und funky Gitarre, langsame und schnelle Rhythmen, Melodie, Chaos, und so weiter.

MUM: Was passiert bei Euch auf der Bühne, wie sieht das Konzept aus?

M: Nicht groß anders als es vorher bei uns aussah. Wir haben immer viele Samples benutzt. Einige Songs werden in neuem Gewand daherkommen, um sie live besser umsetzen zu können, und einige Samples werden durch reale Instrumente ersetzt.

MUM: Nenn mir bitte Deine drei Lieblingsalben.

M: "Remain In Light" von den Talking Heads, "Technodelic" vom Yellow Magic Orchestra und "Second Toughest In The Infants" von Underworld, welches sich den dritten Platz mit "Enemy Of The Sun" von Neurosis teilt.

MUM: Haben Euch andere Band dabei inspiriert, die neue Scheibe zu machen, oder Musik generell?

M: Jede Band, die man mag, ist eine Inspiration, aber wir werden nicht von bestimmten Bands oder einzelnen Platten beeinflußt. Das, was man im Alltag erlebt, das ist unsere Inspiration.

MUM: Was ist Euch beim Musikmachen wichtig?

M: Genug Zeit zu haben, das richtige Equipment zu besitzen und die richtigen Leute für eine gute Zusammenarbeit. Außerdem sollte das Telefon nicht andauern klingeln.

MUM: Wo lebt Ihr und was macht Ihr so abseits der Musik?

M: Wir leben in der Stadt der Städte, in Amsterdam, sind alle so um die 30 Jahre alt und arbeiten in unseren Jobs dafür, genug Geld zu haben, um beim Musikmachen nicht darüber nachdenken zu müssen, wovon man lebt. Die Jobs sind Toningenieur, Journalist, Grafikdesigner und Theatertechniker.

MUM: Habt Ihr schon immer Musi ohne Gesang machen wollen?

M: Vor Kong haben wir mit Sänger gearbeitet, aber er sorgt eirgendwie für ein Trauma bei uns, so daß wir uns geschworen haben, nur noch Musik ohne Texte zu machen für mindestens zehn Jahre. Nun ist es also soweit, daß man vielleicht wieder mal mit Gesang experimentieren könnte.

MUM: Meine typische letzte Frage: welche Frage wolltet Ihr schon immer mal gestellt bekommen, und wie lautet die Antwort?

M: Frage: "Mögt Ihr Abba?", Antwort: "Ja, klar, besonders die Blondine!".

MUM = Mucke & Mehr
M = Mark von Kong

(Tobi)