CTS-MUM
LETZTE INSTANZ (1999)


Die sieben Jungs von Letzte Instanz veröffentlicht, als erste Band auf dem neuen Label Andromeda Records, mit "Das Spiel" ihr zweites Album, das um längen besser ist als das Debüt vom März 1998. Im CD-Info wird von einer Mixtur aus Klassik, Crossover, Metal und Folk gesprochen, gewürzt mit einer nicht angesprochenen Portion Mittelalter, in jedem Fall aber ist die Mischung gelungen. Wir führten ein Interview mit Gitarrist Holger alias Holly-D über die Band, den neuen Sänger Robin Sohn und alles andere, was man wissen sollte.


MUM: Ihr seid die erste Band auf Andromeda Records, wie kam es zu der Zusammenarbeit?

H: Die Zusammenarbeit mit Andromeda Records hat sich schon länger angebahnt. Wir haben Ina Reeg vom Label im August 1998 zum Marienberg-Bizarre in Zöblitz kennen gelernt und hatten seit dem losen Kontakt. Sie fand unsere Musik und unsere Ideen gut und wir die Art, wie sie die Branche sieht und mit ihren Bands umgeht. Als es dann im Frühjahr dieses Jahres zum Bruch mit unserer alten Plattenfirma Costbar-Records kam und Ina sich mit ihrem Partner, dem Shadows-Bassisten Jenne, zu einem eigenen Label entschloss, war es ein logischer Weg, uns dort zu veröffentlichen. Unsere Bandphilosophie geht ganz gut mit den Ansichten von Andromeda und Vielklang zusammen, also haben wir unterschrieben.

MUM: Inwiefern unterscheidet sich "Das Spiel" von Eurem ersten Album?

H: "Das Spiel" ist viel geschlossener und durchdachter als "Brachialromantik". Wir haben uns für das Songwriting, für Texte und auch für die Studioarbeit viel Zeit genommen und einen noch unverwechselbareren Stil gesucht und wie wir meinen gefunden. Wir haben vor allem an den Punkten gearbeitet, an denen wir bei "Brachialromantik" kritisiert worden sind. Seit September 1998 ist ein neuer Sänger und Frontmann im Boot, für uns menschlich und kreativ ein riesiger Gewinn. Außerdem haben wir an Sounds und Spielweisen gefeilt, die Streicher haben wieder Unterricht genommen und wir haben uns bei den Recordings die nötige Zeit gelassen. Bei den Aufnahmen zu unserem ersten Album hatten wir enormen Zeitdruck, und so hat der eine oder andere schiefe Ton seinen Weg auf die Scheibe gefunden. Mit "Das Spiel" haben wir eine gute Bestandsaufnahme unserer musikalischen Vorstellungen gemacht - von hier werden wir weiterarbeiten. Hatten wir auf "Brachialromantik" noch mit dem Vorwurf, andere Bands zu kopieren, zu kämpfen, ist das neue Album eindeutig LETZTE INSTANZ.

MUM: Im Info zur CD wird Euer Stil als Mixtur aus Klassik, Folk und Crossover beschrieben, würdet Ihr es genauso ausdrücken, oder wie seht Ihr Euch?

H: Wir haben uns zur Bandgründung Mitte 1996 ein gemeinsames Ziel gesetzt: Klassische Streicherlinien mit den Sounds der heutigen Zeit zu kombinieren und diese gegensätzlichen Elemente in Rhythmus und Melodie ineinander zu verweben. Das gelingt uns immer besser, und das ist auch das Feld, wo wir unsere musikalische Zukunft sehen. Also geht das mit der Mixtur aus Klassik/Metal/Crossover und Folk schon klar. Auf dem neuen Album haben wir auch verstärkt mit elektronischen Versatzstücken gearbeitet. Der Reiz beim Musikmachen liegt für uns im Experimentieren, und das Feld musikalischer Möglichkeiten ist unendlich.

MUM: Wie kam es zum Sängerwechsel?

H: Im Grunde war der Wechsel schon immer vorprogrammiert. Seit Bandgründung gab es einen großen Unterschied in Sachen musikalischem Anspruch und Lebensstil zwischen der Band und dem alten Sänger Herbie. Als es an die Vorbereitung für "Das Spiel" ging, brach der alte Konflikt aus und wir haben die Konsequenzen gezogen. Mit Robin Sohn haben wir einen sehr guten Sänger und Frontmann gefunden. Seine pathetische Stimme passt gut zu unserer Musik und seine Art, Texte zu schreiben und zu interpretieren, auch. Auf der Bühne hat Robin Sohn eher den ruhigen-mystischen Part, während Geiger Muttis Stolz und Akustikgitarrist Holly-d, also ich, die wilden Parts übernehmen.

MUM: Habt Ihr irgendwelche Vorbilder oder Bands, die Euch beeinflußt haben?

H: Das musikalische Vorbild schlechthin gibt es für die Band nicht. Bei sieben sehr unterschiedlichen Charakteren ist es schwer, einen Konsens zu finden. Unser Ansatz war von Anfang an, klassische Einflüsse mit aktuellen Sounds zu vermischen. Insofern orientieren wir uns, was die Streicher betrifft, schon an Künstlern wie Kronus Quartet, Balanescu Quartet, Michael Nyman oder auch Apocalyptica. Zitate aus dem Folk findet man bei uns eher selten, und wenn, dann sind es bauchlastige Stücke, die aus einer Laune heraus geschrieben wurden. Wobei ich anmerken will, daß die Stücke mit dem Folktouch bei Konzerten eher abgehen. DieKlassikschiene, unsere eigentliche Vorliebe, erschließt sich eher beim mehrfachen Hören. Das erklärt sich daraus, daß die Stücke viel komplexer und vielschichtiger sind. In Bezug auf die Metal-Fraktion in der Band geht unsere Orientierung eher in die Crossover- oder Hardcore-Richtung. Wir finden Bands wie z.B. Korn sehr interessant. Diese Strömungen gehen vor allem vom Gitarristen Tin und vom Bassisten Rasta F. aus. Tin, der auch eine Großzahl der Stücke bei Letzte Instanz schreibt, hat früher sehr viel alten Metal gehört und eben dort seine Roots. Rasta F. ist schlappe 7 Jahre jünger und fährt völlig auf Korn ab. Wenn die zwei sich in der Mitte treffen, wird dies für die Zukunft noch interessant. Ein Werk möchte ich an dieser Stelle noch nennen, die "Deathmetal Sinfonie" der finnischen Band Waltari. Dieses Werk trifft recht gut den Punkt, was auch wir mit unserer Musik erreichen wollen: Den Plattenhörer und Konzertbesucher mit extremen Gegensätzen in ein Wechselbad zu tauchen, eine Gratwanderung zwischen Romantik und brachialer Gewalt.

MUM: Wie seid Ihr darauf gekommen, einen Song von Camouflage zu covern (ich finde Eure Eigenkompositionen übrigens weitaus besser)?

H: Einfache und kurze Antwort, das hat sich so ergeben. Wir sind nicht gerade Anhänger der 80er. Das Stück bot sich an, da es im Refrain eine sehr interessante und gut entwickelbare Melodieführung hat. Unsere Streicher haben das just for fun gemacht. Der Rest der Band fand es gut, die Vocals lagen unserem Sänger, also haben wir die heilige Kuh geschlachtet und das Stück veröffentlicht.

MUM: Was wollt Ihr mit Euren Texten aussagen?

H: Unsere Texte sind in der Regel eher indirekt und hintersinnig. Vergleichbar mit Prosa, den Hörer oder Leser soll der Text ansprechen, wie ist uns egal. Für jeden kann ein Text etwas anderes bedeuten, ob diese Gedanken dann die selben sind, die der Schreiber hatte - bei uns in der Regel Sänger Robin Sohn oder Akustikgitarrist Holly D - spielt eine untergeordnete Rolle. Die Texte sollen mal eben so konsumierbar sein. Irgendwelche Erklärungen zu den Inhalten möchte ich nicht geben, da kann sich jeder Höhrer selbst mit auseinandersetzten.

MUM: Das Wort "Mittelalter" wird im CD-Info bewußt vermieden, obwohl ich denke, daß viele Hörer spontan schon auf Bands wie Subway To Sally oder ähnliche Mittelaltermetaller kommen, wenn einer Eurer Songs erklingt. Warum bleiben solche Vergleiche aus?

H: Die Vergleiche bleiben bewußt aus, unsere Wurzeln liegen in der Klassik. Unsere Musik als Mittelaltermetal zu bezeichnen, würde uns doch arg verkürzt wiedergeben. Wir sehen uns schon als Teil der genannten Szene, aber eben eigenständig genug, um ständigen Vergleichen zu entgehen.

MUM: Welches Stück gefällt Euch am besten auf der CD?

H: Da gehen die Meinungen auseinander. Mein Lieblingsstück ist "Für immer und ewig", textlich und musikalisch ein sehr harter Brocken. Das mehrfache Hören lohnt sich. Andere in der Band finden "Zarter Engel" oder "Mondfahrt" besonders gelungen.

MUM: Welche Erfolge konntet Ihr mit Eurem Erstling "Brachialromantik" verbuchen?

H: Wir haben die CD bis dato so an die 4000 mal verkauft, was kein so schlechter Start ist. Schließlich hatten wir kaum Presse im Rücken. Da wir uns vor allem als Live-Band sehen, haben wir ca. 80 Konzerte zu dem Album gespielt und können uns über die Publikumsresonanz keineswegs beschweren. Zumindest ist es uns mit der Platte gelungen, den einen oder anderen auf uns aufmerksam zu machen. Daß "Brachialromantik" kein Überflieger wird, war uns von Anfang an klar.

MUM: Ich habe noch eine obligatorische Schlußfrage. Welche Frage würdet Ihr gerne mal gestellt kriegen und wie würdet Ihr sie beantworten?

H: FRAGE: Warum heißt ein Dudelsack eigentlich Dudelsack? ANTWORT: Weil des Gedudel mit der Zeit auf den Sack geht.

MUM: Mucke & Mehr
H: Holger alias Holly-D von LETZTE INSTANZ

(Tobi)