CTS-MUM
MANIPULATION (08/98)


Vor zweieinhalb Jahren veröffentlichten Andreas Steckmann (Programmierung, Gesang) und Willi Wilke (Drums) alias Manipulation ihr Debütalbum "Sens 'e' sation" bei Synthetic Symphony und konnten, auch dank der Verpflichtung als Support für And One auf deren I.S.T.-Tour, mit den Verkaufszahlen und den Resonanzen recht zufrieden sein. Nun erscheint, nach langer Pause, das zweite Album "Tumor" bei M.O.S.-Records, einem kleinen Label aus Liechtenstein. Auch hat die Band sich mit der Sängerin Xenia Girod und dem Gitarristen Lars Illmer verstärkt. Grund genug, sich mit Mastermind Andreas zum Interview zu treffen.

Der Labelwechsel erfolgte nicht unbedingt auf Willen der Band. "Er hängt mit dem Großreinemachen unserer damaligen Plattenfirma zusammen. Obwohl wir recht ordentliche Verkäufe hatten, wurde unser Vertrag, wie auch bei anderen Sektoren-Bands, nicht verlängert. Die wollten sich wohl auf bekanntere Bands konzentrieren. Wir mußten uns also nach einem neuen Label umsehen, hatten dann sogar ein Angebot von einem zothal bekannten Label, insgesamt aber waren die Konditionen bei M.O.S.-Records, die als Fans von sich aus auf mich zukamen, für uns besser. Wir sind so nicht eine von 30 Bands, die betreut werden, sondern eine von sieben, also ein Schwerpunkt-Act, wobei promotionmäßig ziemlich viel abgeht. Aktuelle Verkaufszahlen kenne ich noch nicht, aber es wurden mehr CDs gepresst, als wir von unserem Debüt verkauft haben." Die Entfernung zum neuen Label merkt Andreas lediglich an seiner durch Ferngespräche angefressenen Haushaltskasse, ansonsten aber "gestaltet sich die Zusammenarbeit nicht schwerer, als wäre das Label in Bad Homburg oder Hannover."

Die Pause nach dem ersten Album hatte einen unschönen Grund. "Ich will das eigentlich nicht groß ausbreiten, aber zum besseren Verständnis der CD, insbesondere der Texte, dies: ich hatte vor zwei Jahren einen gutartigen Gehirntumor, der mir aber glücklicherweise komplikationslos entfernt werden konnte." INzwischen geht es Andreas wieder ganz gut, aber doch prägt solch eine Krankheit. "Als ich die Diagnose - Tumor - gestellt bekam, begann ich erstmals genauer über Leben und Tod nachzudenken. Da die meisten Songs nach der Operation entstanden sind, floß dies natürlich mit ein, vor allem in die Texte."

Das neue Album klingt meiner Ansicht nach etwas lauer als die erste Scheibe, was Andreas aber anders sieht. "Produktionstechnisch gesehen mag die Scheibe vielleicht nicht ganz an das erste Album herankommen, aber die Fülle und Power ist ja wohl größer, es wird immerhin ein breites Spektrum von soften Balladen über straighten Synth-EBM bis hin zu Industrial-angehauchten, kraftvollen Songs geboten. Die CD ist keinesfalls lauer, im gegenteil, sie ist viel abwechslungsreicher. Wir würden nie ein Album herausbringen, das uns nicht hundertprozentig gefällt."

Abwechslung wird auf "Tumor" wirklich geboten, kein Zweifel, und über die Qualität mag sich jeder selbst ein Urteil bilden. Manipulation hoffen, im September eine kleine Tour zu absolvieren, um sich endlich mal wieder live präsentieren zu können.

(Tobi)