CTS-MUM
MILLENIA NOVA (05/99)


Wenn man sich das Debut-Album "Slow E-Motion Sightseeing" von Millenia Nova anhört, denkt man unweigerlich an Strände, warmen Sand. Sonnenuntergänge und daran, daß man sich vielleicht doch wieder verlieben soll, will, wird, möchte... Atmosphärische Klangteppiche verzaubern und leiten einen sanft in eine Traumwelt voller akustischer Opiate, in der sogar regnerische Tage den Zauber eines Blickes über ein nebliges London besitzen. Eben entspanntes Sightseeing in Zeitlupe, in einer Welt ohne Stress und Hektik, in der ausreichend Zeit zum Träumen bleibt.

Fast liegt der Verdacht nahe, daß sich ein paar unverbesserliche Träumer ein akustisches Utopia erschaffen haben, doch weit gefehlt. Mathias Neuhauser und Michael Meinl begannen ihre musikalische Zusammenarbeit als sie am Jingle einer Chipswerbung tüftelten...
"Wir haben sehr schnell festgestellt, daß wir musikalisch die gleichen Ideen hatten und sie zusammen auch wunderbar umsetzen konnten. Der Vorteil daran ist natürlich, daß wir uns gegenseitig Feedback geben. Wenn man allein an einem Song schreibt, dann verrennt man sich einfach zu leicht, so gibt es dann das nötige Feedback und den Ideenaustausch. Nur was wir beide gut finden wird verarbeiten wir dann auch weiter, und daraus entsteht dann ein Song."

Die Arbeitweise von Michi und Mathias unterscheidet sich von traditionellen Bands, es gibt keine Hierarchie oder Struktur in die die Musik passen soll, alles sind Momentaufnamen von Gefühlen oder Stimmungen, deren Sinn und Zweck es ist ein angenehmes Gefühl des Wohlbehagens im Hörer hervorzurufen. An eine musikalische Karriere dachten die Beiden dabei kaum.
"Als das Angebot zu einem Album kam haben wir uns natürlich gefreut und dachten wir probieren das einfach mal, weil es einfach schön ist auch ein Feedback von der Öffentlichkeit zu bekommen, und dann war da natürlich auch noch der finanzielle Aspekt, um ganz ehrlich zu sein!"
Die erfrischende Offenheit von Michael ist überraschend und eine liebenswerte Ausnahme im sich gern blasiert gebenden Musikbusiness.
"Wenn's doch wahr ist," lacht er, "warum sollten wir denn nicht sagen wie es ist? Wir haben Spaß an der Musik und sehen nicht ein warum wir uns anders verkaufen sollen als wir wirklich sind. Wir sitzen im Studio und basten and Songs, es ist doch schön wenn Du feststellst, daß Du das nicht für Dich allein machst, sonder daß es auch noch andere Leute gibt denen das gefällt!"

Mathias erläutert ein wenig wie die Songs entstehen...
"Einer von uns hat eine Idee, oft analysieren wir nicht mal woher sie kommt. Jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens Erfahrungen und wir verarbeiten diese Erfahrungen dann musikalisch, das ist unsere Inspiration. Einer von uns hat dann eben eine Idee und setzt sich and Keyboard und spielt, dann setzt sich der andere hin uns spielt, und irgendwie entsteht daraus manchmal ein Song. Ohne Konzept und ohne Plan, es muß nur gut klingen.
Wir wollen gar nicht den Anspruch erheben etwas Neues geschaffen zu haben, musikalisch war doch alles schon mal da, wir liefern nur unsere eigene Version davon ab. Wir wollen weder die Welt verbessern noch die Musikszene revolutionieren, oder unsere Musik jemanden aufdrängen. Wenn sich jemand gut dabei fühlt unser Album zu hören, dann ist das absolut genug, mehr wollen wir gar nicht!"
Beide sind sich einig, daß es keine Musik gibt die sie ablehnen, nur auf das Thema Rap sind sie nicht sehr gut zu sprechen:
"Nicht nur weil es zu unmelodisch ist, auch wie das alles aufgemacht ist, ist echt daneben. Die Szene mit den schweren Goldkettchen liegt uns einfach nicht, und dann das coole Getue und ein Rapper der bei glühender Hitze im Daunenanorak durch Miami läuft, nee, muß nicht sein!"

Der nächste Plan von Millenia Nova ist eine Konzertour, die sie am liebsten in kleinen, intimen Clubs mit vielen Sofas veranstalten würden.
"Wir proben gerade mit 4 Musikern, unsere Instrumente sind alle richtig eingespielt, wenn Du Sounds aus einem Syntie nimmst, dann klingt das immer so unecht, da kommt nicht das richtige Feeling rüber, deshalb proben wir nun eben. Ein Freund von uns plant eine riesige Lightshow, wir haben keinen Frontmann im üblichen Sinne, da brauchen wir schon ein bißchen was für die Optik. Keiner von uns ist wirklich ein Poser oder so. Uns wurde einfach eine Tour nahegelegt und eigentlich ist das auch gar keine schlechte Idee, so kommen wir mal aus dem Studio raus und unter Leute. Wie und was das nun wird wissen wir auch noch nicht, aber wir lassen uns einfach mal überraschen und hoffen auf das Beste!"

(Gaby)