CTS-MUM
P.A.L (08/98)


Daß aus Bayern nicht nur Weißbier und Lederhosen kommen, hat die Industrialszene schon längst erkannt. Bereits mit seinem ersten Album "Signum" hat der Münchener Christian Pallentin, auch bekannt als P.A.L für Aufmerksamkeit gesorgt. Nach einigen anderen Veröffentlichungen, wie der "Reel"-EP erschien Ende letzen Jahres die zweite Fulltime-CD "m@rix". Seit kurzer Zeit ist jetzt auch die zugehörige Remix-LP "m@rmx" im Handel. Wer allerdings glaubt, die Titel dieser Scheiben wären die E-Mailadressen von P.A.L, hat sich getäuscht. Trotzdem war es uns möglich, ihn zu kontaktieren, um einen Interviewtermin vor einem Konzert in Erfurt zu vereinbaren.

MUM: Wie ist es, wenn man aus dem tiefsten Bayern mal hierher in die Zivilisation kommt?

PA: Es ist ein ganz schöner Kulturschock, aber ich denke, ich pack's.

MUM: OK, zu den ernsthaften Fragen: Warum nennst Du Dich wie ein Hundefutter?

PA: Eigentlich müsste es heißen: Warum nennt sich das Hundefutter wie ich, so ist die Lage. Und die Fernsehnorm: Die werd' ich alle verklagen. Das geht so nicht, das ist nicht drin. Die verkaufen da Millionen von ihren Dosen und ich seh keinen Pfennig davon.

MUM: Dein aktuelle Platte m@rix war einige Wochen in den Alternative Charts. Bist Du mit dem Erfolg zufrieden?

PA: Die Alternative Charts von Viva sind ja keine Verkaufscharts, das sind praktisch nur Tips. Wie ich da allerdings reingekommen bin, daß wissen die Götter. Soweit ich weiß, war das das erste Industrialrelease überhaupt, das da hineingeraten ist und zufrieden bin ich durchaus damit, denn ich war ja auch ein paar Wochen da drin und die höchste Platzierung war wohl 14 oder so.

MUM: Wie sehen denn nun die Verkaufszahlen aus?

PA: Bislang läuft es gut, die Platte ist seit November draußen und wir haben bis jetzt so ca. 800-900 Stück verkauft, das ist schon ganz brauchbar. Von der "Signum" haben wir in zwei Jahren ca. 1600 Stück abgesetzt. Für unsere Verhältnisse und für solchen Sound ist das doch ganz gut.

MUM: Haben die neuen Tracks auf der m@rmx nicht mehr auf das Album gepasst oder hast Du sie extra für diese Platte aufgenommen?

PA: Die waren extra für die LP, die wurden auch alle nach den m@rix Aufnahmen gemacht. Wir hatten ursprünglich geplant, eine ganze Remixplatte zu machen, aber dann haben wir uns doch dafür entschieden, ein paar Stücke von mir auf die Platte zu tun, die einigermaßen zum Subject passen, damit die Full-Length-LP voll wird. Die Stücke sind alle sehr technoid und ich denke, wir haben das ganz gut hingekriegt.

MUM: Ist der Titel "Amok-Koma" Schleichwerbung für den Club in München, in dem Du auch auflegst?

PA: In gewisser Weise, ja. Ich hab' einen Titel für das Stück gesucht und hab mir gedacht "Amok-Koma" passt ganz gut, weil in dem Stück auch immer dieser Wechsel da ist, zwischen diesem heavy verzerrten Sound und dieser eher ruhig laufenden Stringgeschichte. Diese ständige Wechselspiel - das trifft es schon ziemlich gut.

MUM: Jetzt haben ja einige Leute für Dich Remixe gemacht, arbeitest Du auch an Remixen für andere?

PA: Geplant ist unter anderem ein Remix für "The Galan Pix", obwohl bis jetzt noch nicht raus ist, ob sie ihn nehmen. Fertig ist er eigentlich schon, nur haben sie angeblich für diese CD schon mehr als genug Remixe und es ist noch nicht so ganz raus, ob mein Remix nun mit da drauf kommt. Was noch anstehen wird, was aber wahrscheinlich relativ kurzfristig passieren wird, ist ein Remix für die neue CD von "VNV Nation". Weiterhin ist noch eine Kollaboration mit "Not breathing" aus USA geplant, aber da haben wir noch nicht über Details gesprochen.

MUM: Wenn man einzelne Deiner Titel vergleicht, erkennt man zum Teil riesige Unterschiede. Die Titel auf der "After Hour Sounds" sind z.B. sehr ruhig, andere Stücke sind reine Rhythmusspielereien, bei anderen wiederum dominieren technoide Sequenzertöne. Hängt das von Deiner Stimmung ab, wie ein Song am Ende klingt, oder sagst Du Dir einfach "Heut' will ich etwas krachiges aufnehmen und morgen etwas ruhiges"?

PA: Die "After Hour Sounds" war ja eigentlich ganz anders konzipiert, die schlägt eigentlich vollkommen aus dem Rahmen. Die habe ich 1994 als reine Kassettenproduktion aufgenommen. Damals stand mein zweites P.A.L Konzert an, das sollte in Nürnberg stattfinden. Da hab ich mir gesagt, ich biete den Leuten noch einen zusätzlichen Bonus an, die ersten fünfzig Leute, die reinkamen, bekamen kostenlos diese "After Hour Sounds" Kassette. Ich hab auch extra in die Liner-Notes geschrieben "Don't expect Industrial". Diese Kassette sollte dann auch mehr zum Heimfahren, zum Chill-Out gehört werden. Ich wollte mal so einen eher ruhigen Gegenpart zu den anderen Sachen bringen. Ich habe einfach ein paar Jams an meinen Maschinen gemacht. Die Kassette ging aber mehr oder weniger unter, viele waren ziemlich enttäuscht und wollten den "P.A.L-Sound" und fanden das ziemlich schlapp für P.A.L, aber mittlerweile ist die Beliebtheit recht groß und Uwe von Dark Vinyl hat mich dann mal vor 1 1/2 Jahren angesprochen, ob er mal ein Full-Length Release von mir machen darf. Dann hab ich gedacht, daß man die Kassette re-releasen könnte, falls ihm der Sound zusagt. Ihm hat es gefallen und deswegen hat er die LP gemacht. Ansonsten ist es so, wenn ich Sounds mache, dann hängt es davon ab, wie ich zu dem Zeitpunkt gerade drauf bin, oder was eben gerade anliegt. Wenn ich zum Beispiel einen Soundtrack oder ein Stück für eine Compilation mache, die technoid orientiert ist, dann wird das Stück auch technoid. Und wenn jemand Noise-Geschichten haben will, dann richte ich mich doch schon etwas nach den Leuten und schaue, ob da so etwas rauskommt. Es ist auch oft genug so, daß ich ein Stück aufnehme und nach 3 Stunden sage: "Also Leute, das geht so nicht." Dann wird der Reset Knopf gedrückt und ich fange nochmal von vorne an.

MUM: Was wird als nächstes von Dir erscheinen, weißt Du überhaupt schon, wie es weitergehen wird, nachdem die m@rmx gerade erst erschienen ist.

PA: Ja, nach der Remix-LP kommen jetzt erst einmal ein paar Sachen auf Compilations. Auf der neuen "The Cave"-Compilation kommt was raus, die "Antology" ist ja auch relativ neu. Geplant ist jetzt erst einmal eine 10" mit "Not Breathing", die allerdings auch erst im Spätherbst erscheinen wird. Eventuell dann noch eine Single auf "Spector", einem belgischem Label. Da ist allerdings auch noch nichts Festes geplant und das wird wohl auch erst in der zweiten Jahreshälfte 98 sein. An eine neue CD und sowas denke ich derzeit noch nicht.

MUM: Auf welche 65 Dinge des täglichen Lebens könntest Du niemals verzichten?

PA: Ist das nicht etwas viel? Da wird das aber ein langes Interview. Ich sag Dir nur ein Ding, auf daß ich mein Lebtag nicht verzichten kann und das ist die Musik.

MUM: Wenn Du 5 Leuten verbieten könntest Musik zu machen, wen würdest Du dafür auswählen?

PA: Ich sage keine Namen, ich geh' da wirklich von der Maxime aus "Any promotion is good promotion" und die Leute, die ich aus persönlichen oder musikalischen Gründen nicht mag, die nenne ich noch nicht einmal. Das ist auch nur wieder Werbung und ich sag da nichts dazu.

MUM: So, das war es dann auch schon mit meinen Fragen.

PA: Hmm, kurze und schmerzlose Sache.

MUM: Ja stimmt, vielen Dank für Deine Zeit, man sieht sich.

PA: Ja, tschüß.

(Sick)