CTS-MUM
POTHEAD (05/99)


Das amerikanisch-deutsche Drei-Mann-Gestirn Pothead veröffentlichte vor kurzem sein neues Album "Fairground", nun bei Goldrush/BMG. Die aus Seattle stammenden Brad (Gesang, Gitarre) und Jeff (Bass) plus der Sauerländer Sebastian (Drums) verbinden hierauf wieder einmal Rock, Grunge, Alternative, Folk und Punk zu stimmungsvollen und lebendigen Songs.

Die Geschichte der Band erzählt Jeff gerne ausgiebig, und sie ist es auch wert. "Brad und ich spielten beide Musik in Seattle, hatten beide eigene Bands, die sich mochten. Wir haben dann einige Shows zusammen gemacht. Irgendwann haben einige Jungs aus beiden Bands angefangen, auch zusammen zu jammen. wir hatten dann ein Projekt, das war eigentlich keine richtige Band, und haben unter dem Namen Pothead Aufnahmen gemacht. Das war im Juli 1991. Gleich anschließend haben Brad und ich zusammen mit Kenny, dem Gitarristen meiner alten Band, unser altes Haus in Downtown Seattle, in dem wir alle gelebt haben, verlassen und sind im August 1991 nach Europa geflogen. Brad und ich sind dann Campen gefahren, nach Spanien und Frankreich. Wir hatten schon länger darüber nachgedacht, völlig nach Europa zu ziehen, das war mehr eine romantische Idee, und nun wollten wir mal schauen, ob das für uns möglich ist. Wir haben dann im 'Meringhof' und im 'Ex' gespielt. Ein paar Tage vorher hatten wir noch keinen Drummer, also sind wir rumgelaufen und haben nicht nur, wie sonst immer, nach Hasch gefragt, sondern auch nach einem Drummer. Wir sind dann schließlich im Rauchhaus gelandet, wo wir schon beim Namen dachten: 'Oh ja, hier gibt's bestimmt Hasch'. Da gab es Proberäume, und Musik war zu hören, also haben wir einfach mal überall angeklopft. Im ersten Raum übten gerade ein paar Jungs. Wir haben gefragt, ob wir mal zuhören könnten, sie meinten aber nur, sie seien beschäftigt, und haben uns die Tür vor der Nase zugehauen. Im zweiten Raum dann trafen wir den Bassisten Heini von Gunjah, der eher eine ost-berliner Mentalität hatte, gerne fremde Leute kennenlernte, und uns daher hereinbat. Über ihn lernten wir die ganze Band kennen und fragten den Drummer Markus, ob er nicht die Show mit uns spielen wolle, und das tat er dann auch. Wir haben also ein paar Tage geübt und dann die Show gemacht. Schließlich entschieden wir uns, das Jahr, das wir aufgrund unserer Papiere hierbleiben durften, in Berlin zu bleiben. Zur gleichen Zeit kamen Nirvana ganz groß raus. Also erzählten wir, daß wir aus Seattle kommen, und so bekamen wir leicht Shows, vor allem in besetzten Häusern, für vielleicht 200 Mark oder so, das war schon viel. So ging es weiter, zwei Leute aus meiner Band, zwei aus Brads, so tourten wir herum, machten vielleicht 50 Shows. Dann mußten wir alle zurück in die Staaten. Ich kam dann gleich wieder, auch weil ich eine Freundin hier hatte. Brad kam erst ein Jahr später zurück, als wir die CD 'USA' veröffentlichten. Er brachte ein paar Musiker mit aus Seattle, andere als vorher, und so spielten wir wieder einige Konzerte, meist in den gleichen Schuppen wie beim ersten Mal. Die Jungs gingen dann zurück nach Seattle, während Brad und ich uns entschlossen, ein zweites Album zu machen. Wir suchten also wieder einen Drummer. Als Ersatz benutzen wir einen Drumcomputer, um ein paar Songs erstmal einzuspielen. Gleichzeitig kam Sebastian nach Berlin, um nach einer Band zu suchen, der wollte einfach in eine Großstadt und es nochmal versuchen. Wir hatten eine Anzeige in der 'Zweiten Hand', daß wir einen Drummer suchen, und er rief uns an. Ich fragte ihn, ob er eine Double-Kick spielt, er sagte: 'Nein', ich sagte: 'Gut, okay, dann komm vorbei'. Er kam dann, und zuerst dachten wir, er wäre ein modebewußter Schnösel aus West-Deutschland. Er spielte dann aber wirklich gut, und wir fragten, was für ein Drumkit er habe. Er antwortete: 'Ich habe ein DW', und wir sagten: 'Alles klar, du bist in der Band'. Er meinte: 'Morgen früh bin ich da', und so kam es dann auch. Wir haben das Album fertiggemacht, einige Shows gespielt, und so kam alles ins rollen. Seitdem machen wir eine CD nach der anderen, jedes Jahr eine."

Soviel zur abenteuerlichen Story von Pothead. Zu Goldrush kamen sie schließlich, als sie gerade vertragsfrei waren und nach einem neuen Label suchten. "Wir spielten einige Konzerte, und Sabine, die Chefin des Labels, kam in den Backstageraum und bot uns einen Deal an, der uns gut gefiel." Andere Angeboten hatten sie zwar auch, aber entweder wollten die Labels, daß Pothead ihr Image ändern, oder ihnen Produzenten vorschreiben, und so erschien ihnen Goldrush als einzig wirklich fair. Mit BMG im Rücken hat man ja sicher auch Perspektiven. "Klar, durch den Vertrieb von BMG kann man die Scheibe fast überall kaufen, das ist schon prima."

Die Unterschiede zum letzten Album sieht Jeff vor allem darin, daß man härter geworden ist und Brad, der die Musik schreibt, sich noch weiter verbessert hat. "Wir haben außerdem viel in unserem eigenen Studio gearbeitet, ich habe technisch viel dazugelernt, und wir haben auch bei den Aufnahmen mehr Zeit gehabt." Sein Favorit auf 'Fairground' ist 'Spiritual Need'. "Das ist irgendwie was Neues und macht live auch viel Spaß. 'Mary Jane' und 'Police State' mag ich auch sehr."

Nach Amerika sehnt sich Jeff nur aus einem Grund noch zurück - der Radiolandschaft. "Ich wünschte, es gäbe einen Rocksender hier. Ich habe versucht, Radio zu hören, aber mir gefällt das alles hier nicht. Es gibt ab und zu mal eine gute Show, aber insgesamt ist das doch mies. Ich brauche eine reine Rock-Station. In Seattle sind die vier Rocksender die größten in der Stadt, sie spielen nur Rock, das ist klasse." Na dann, let's rock, mit Pothead!

(Tobi)