CTS-MUM
PRIME TIME (05/99)


Am 1. Februar veröffentlichten Prime Time aus Dänemark ihr zweites Album "The Miracle". Sänger Eduard (Ex-Elegy), Komponist, Gitarrist und Keyboarder Henrik (Narita), Lead-Gitarrist Tonni (Ex-Royal Hunt), Bassist Karsten und Drummer Flemming (Ex-Narita) musizieren in dieser Formation zusammen, und letztes Jahr erschien das Debüt "The Unknown", mit dem die Jungs vor allem in Japan große Erfolge verbuchen konnten. Stilistisch verabreichen sie Hardrock der melodischen Art, mal hart, mal im Midtempo, mal ruhiger - ohne Experimente einzugehen, aber auch ohne einen Ohrwurm im Gepäck zu haben. Mit Henrik arbeitete ich einige Fragen auf.

MUM: Welche Neuheiten bietet Euer aktuelles Album im Vergleich zum letzten welchen?

PT: Wir spielen immer noch melodischen Hardrock, aber der Unterschied zwischen den beiden Alben ist der, daß das neue noch melodischer geworden ist und noch packendere Gesangslinien enthält. Auch klingt alles erwachsener, nach einem perfekten Kunstwerk.

MUM: Was wollt Ihr mit Euren Texten sagen?

PT: Schwer zu sagen, was nun genau die tiefere Bedeutung ist. Unser Sänger Eduard schreibt die Texte, und er sagt mir oft, daß es von jedem Zuhörer selbst abhängt, wie er die Texte interpretiert, das ist das selbe wie bei einem Gedicht, da denkt sich auch jeder seinen Teil. Eduard schreibt seine texte ziemlich verschlüsselt, so daß jeder die Freiheit besitzt, sie für sich auszulegen, also lassen wir die Texte als Geheimnis stehen.

MUM: Welche Bands haben Euch beeinflußt?

PT: Ich höre sehr viele Bands, aber ich denke, die Hauptinspiration kommt von den amerikanischen Bands Hardline und Giant, der deutschen Band Fair Warning, den schwedischen Bands Europe und Yngwie J. Malmsteen, den britischen Bands Rainbow und Gary Moore, unter anderen. Wenn man all diese Bands vermengt und eine Prise des dänischen oder skandinavischen Charakters dazu streut, dann ist man, glaube ich, nah am Prime Time.

MUM: Erzähl mir bitte etwas über den Erfolg in Japan.

PT: Er begann mit meiner vorigen Band Narita. Melodischer Hardrock war immer sehr populär in Japan, und als wir mit Prime Time begannen, wo wir ja noch viel melodischer sind als bei Narita, da bekamen wir auch noch mehr Erfolg in Japan. Unser Debüt "The Unknown" bereits erhielt im bekanntesten japanischen Magazin Burrn! die maximale Punktzahl, und "The Miracle" folgte ihm nach. Ich hoffe, daß die europäischen Zuhörer ebenso gut auf das Album reagieren, dann können wir auf Bühnen überall in Europa spielen.

MUM: Ihr habt wieder in den legendären Sweet Silence Studios in Kopenhagen aufgenommen. Wo liegt das Geheimnis dieser Räume, die schin von so vielen, großen Bands gebucht wurden?

PT: Es gibt viele gute Studios in Dänemark, das bekannteste ist wohl PUK, wo schon Judas Priest, George Michael, Elton John und viele andere arbeiteten. Sweet Silence kennt man hingegen von Metallica, Blind Guardian, Deep Purple, Pretty Maids und anderen. Es ist ein cooles Studio, aber ich glaube, sie klammern sich an die Vergangenheit, weil sie mit den besten Studios der heutigen Zeit nicht mithalten können. Wir haben unsere Produktion sogar in ein anderes Studio verlegen müssen während der Mischphase, weil wir Probleme mit dem Sound hatten. Einige Songs haben wir in unserem eigenen Studio P.T.Studio aufgenommen, und abgemischt haben wir sie alle im Sun Studio, Kopenhagen. Das Resultat ist okay, es ist aber nicht das, was wir uns erwartet hatten. Wir konnten jedoch nicht jeden Track nochmal ändern, wegen des Zeitdrucks, vor allem wegen des Veröffentlichungsplans für Japan. Ich denke, unser drittes Album nehmen wir nicht mehr in den Sweet Silence Studios auf.

MUM: Hast Du einen Lieblingssong auf der neuen Scheibe?

PT: Schwer zu sagen, es sind wirklich viele gute Songs, das muß ich ja auch sagen. Ich müßte wählen zwischen "Shadows", "The Miracle", "Touched", "Refugee", "Seven Doors Hotel" und "Save Me", aber wenn ich mich entscheiden muß, dann ist es "Shadows".

MUM: Wie bekannt seid Ihr denn in Dänemark?

PT: Die dänische Bevölkerung kennt eigentlich keine dänischen Hardrock- oder Metal-Bands. Ich weiß, das klingt verrückt, aber Bands wie Pretty Maids, Royal Hunt oder Prime Time können hier nicht touren, weil nur 200 oder 300 Leute zur ersten Show kommen würden, und danach würde man in leeren Hallen spielen. Hier bekommt man als Hardrock- oder Metal-Band auch keinen Plattenvertrag, daher muß man sich in anderen Ländern umschauen. Es ist schon ein komisches Gefühl, in Japan Erfolg zu haben und in Europa südlich Dänemarks vielen Hörern bekannt zu sein, während dich in deinem Heimatland keiner kennt.

MUM: Was passiert denn in der dänischen Musikszene dieses Jahr so, wohin geht die Entwicklung?

PT: Auf jeden Fall nicht in Richtung Hardrock, wie bereits gesagt. Dance, HipHop, Techno und am Computer gemachte Popmusik sind sehr populär hier, und die heißesten Namen sind die Cartoons oder Aqua. Überall in Europa vergrößert sich die Hardrock-Szene, leider aber werden die Dänen daran nicht teilnehmen, fürchte ich jedenfalls.

MUM: Mit welchen Bands würdest Du gerne mal touren?

PT: Mit den Pretty Maids wäre es sicher toll, mal durch ganz Europa zu reisen, um allen zu zeigen, daß wir hier in Dänemark gute Bands haben. Eine meiner Lieblingsbands aus den 80ern, Crimson Glory, veröffentlichen auch bald ein neues Album, und mit ihnen würde ich auch sehr gerne touren.

MUM: Nenn mir doch mal bitte etwas, was Du in der Welt ändern würdest, wenn Du könntest.

PT: Da gibt es viel. Eine der schlimmsten Sachen ist Bürokratie. Ich hasse es Woche für Woche, immer erst über mehrere Stationen geleitet zu werden, wenn ich mal wegen eines Problems in irgendeiner Firma oder auf irgendeinem Amt anrufe. Beseitigt die Bürokratie!

MUM = Mucke & Mehr
PT = Henrik von Prime Time

(Tobi)