CTS-MUM
PUR (04/98)


MUM: Sag mal Hartmut, wie fing den alles bei Euch an?

H.E. : Angefangen hat alles hier in Bietigheim, mit einer Schülerband. Die gab es schon, als ich mit ca. 15, 16 Jahren auf sie aufmerksam wurde, über einige Umwege kam ich zum Vorsingen und wurde auch aufgenommen. Es hat bis 1980 gedauert bis sich dann die heutige Besetzung gefunden hatte. Wir mußten uns dann entscheiden: Was passiert eigentlich mit unserer Zukunft. Wir waren damals sicherlich nicht in der Lage das ganze als Beruf auszuüben, denn genügend Geld hat das ganze nicht eingebracht. So haben wir uns alle für ein Studium entschieden. Drei von uns als Musikstudenten, einer E-technik; ich habe Politik, Englisch und Deutsch für's Lehramt studiert. Ja, und gerade als Mitte bis Ende der 80er, die Entscheidung eigentlich fallen mußte, was fang ich mit meinem Leben -auch beruflich- an, da kommt dann so Mitte 20 irgendwann mal so eine Entscheidung: Will ich's wirklich riskieren, Profi - Musiker zu werden, oder richte ich mich nach den Sachzwängen, die da heißen: Regelmäßig Geld zu verdienen. Rechtzeitig, kam dann 1987 der Plattenvertrag bei der Plattenfirma, bei der wir auch heute noch unter Vertrag sind.

MUM: Wie seid ihr denn auf den Namen "Pur" gekommen ?

H.E. : Das war eigentlich ganz einfach, wir mußten uns hinsetzen, nachdem "OPUS" mit "Life is Life" aus Österreich eine Riesenhit hatte, den gleichen Namen hatten, war es klar, daß es nur eine Band mit dem Namen geben kann. Deshalb haben wir klein beigegeben. Wer den Hit hat, der hat nun mal recht. Eines Abend's haben wir uns dann in unserer Stammpizzeria getroffen und haben über einen neuen Namen diskutiert. Es sind mehr oder weniger schwachsinnige Vorschläge gekommen und zum Schluß blieb dann nur noch "Pur" übrig.

MUM: Wieso singt Ihr eigentlich Deutsch und nicht Englisch, wie dies einige andere Band's tun?

H.E. : Als ich zur Band kam, da wurden englische Cover - Songs gespielt. Ich war 15 Jahre alt. Wir haben damals nicht darüber nachgedacht, ob wir jetzt kommerziell erfolgreich sind oder nicht. Wir waren halt eine Kellerband, es hat wirklich einen Riesenspaß gemacht, Musik zu machen, gute Kumpels zu haben, zusammen weg zu gehen - und dann kamen halt so die ersten Konzerte. Auf den Konzerten habe ich dann festgestellt, daß ich das unbefriedigend finde, mich in meinem mehr recht als schlechten, selbstgeschriebenen englisch auszudrücken, weil deutsch konnte ich ja damals schon relativ gut - und dann hab ich mir gedacht, singe doch einfach mal in Deutsch, dann verstehen die auch mein ganzes Gefuchtel und meine Gesten, ich war schon immer sehr nach außen gekehrt. Den Leuten wollte ich immer schon zeigen und erklären, was wir da machen, aber mit diesem englischen Zeugs lief das überhaupt nicht. Also habe ich mich dann zu Hause hingesetzt und habe dann einmal ein deutsches Lied geschrieben, das kann dann beim nächsten Konzert am besten an. Daraufhin habe ich dann gesagt - wenn ihr nichts dagegen habt, kümmere ich mich drum, damit wir dann vernünftige deutsche Texte haben. Und so haben wir dann ganz langsam aber sicher ein Programm mit deutschen Texten erarbeitet.

MUM: Hat der Erfolg Euer Leben verändert ?

H.E. : Es sind Sorgen gegangen und andere gekommen. Es ist ein Riesenvorteil, in so einem unsicheren Beruf wie Musik, keine Geldsorgen mehr zu haben. D.h. jetzt aber nicht, daß wir mit dem Geld, was wir bis jetzt verdient haben in Saus und Braus leben können, wir müssen uns halt nur nicht mehr verbiegen. Hinzugekommen ist z.B. der Job als Unternehmer, d.h. wir sind die ganze Zeit damit befaßt zu organisieren, zu delegieren, mit den Leuten zu reden, die für uns und mit uns arbeiten. Das "reine" Musikmachen beschränkt sich auf die Zeit im Studio und die Zeit auf Tour. Alles andere drumrum hatten wir uns so sicherlich nicht so vorgestellt. Auf der anderen Seite aber, kann auch das ein wenig Spaß machen. Aber ich sag mal, wenn man das Gefühl hat, die Dinge noch größtenteils selbst zu kontrollieren, dann kann man abends schon ruhiger schlafen gehen.

MUM: Ihr seid ja auch eine Band ohne Skandale, wie ist so etwas zu schaffen ?

H.E. : Wir verschweigen das dann im Allgemeinen und gehen auch nicht zur Presse und prahlen damit. Wir hatten auch noch das Glück, daß die meisten dieser skandalträchtigen Dinge zu einer Zeit passiert sind, als wir für eine "Bildzeitung" noch kein Thema waren. Heute wäre das sicherlich schon anders, aber bis zu einem bestimmten Punkt sind wir relativ liebenswürdig und diszipliniert. Wenn dann aber doch mal was passiert, dann versucht man den Leuten zu erklären, daß das ein Ausrutscher war. Man entschuldigt sich und übernimmt denn Schaden.

MUM: Wer sind denn eigentlich Eure schärfsten Kritiker ?

H.E. : Das sind ganz sicher wir selbst. Bevor wir etwas gut finden, kritisieren wir so dranrum und beleuchten es von allen Seiten und denken zehnmal drüber nach, ob es auch so richtig ist, es so zu machen.

MUM: Durch den großen Erfolg den ihr habt, hat sich doch sicherlich ein großer Leistungsdruck ergeben, wie geht Ihr damit um ?

H.E. : Eine gewisse Abgeklärtheit hat sich durch die Verantwortung als Familienväter jetzt eingestellt. Wir wissen, daß es schlimmeres gibt, z.B. wenn das Kind krank wird, das ist wesentlich schlimmer als irgendwas, was mit dem Job schiefgehen kann. Gesundheit ist für uns ein Gut, das nicht hoch genug eingeschätzt werden kann und das ist wohl das einzige, wovor wir im Moment noch ziemlich Angst haben. Das unsere Tour aus Gesundheitsgründen ausfallen müßte, oder das wir ein echtes Problem haben dadurch, daß jemand den wir lieben krank wird.

MUM: Wie gehen denn die Mitglieder der Band mit den weiblichen Fans um und ganz besonders Eure Frauen ?

H.E. : Da müssen unsere Frauen sicherlich sehr viel Charakterstärke beweisen, denn das hat was mit Vertrauen zu tun und es wäre sicherlich nicht sehr schön, wenn sie jetzt permanent Angst haben müßten, daß sich ihre Männer in andere Mädels verlieben. Natürlich tut das gut, wenn man so ein bißchen Hahn im Korb spielt und das ein paar Monate lang. Ich denke aber, wir sind alt genug, um zu wissen wo wir hingehören und das ist das Wichtigste. Deswegen tragen unsere Frauen diesen Job mit, es wär unerträglich nach Hause zu kommen und sich erst einmal einem Verhör zu unterziehen, sondern es muß klar sein wo man steht bzw. hingehört.

MUM: Was machst Du, wenn es Dir einmal zu viel wird ?

H.E. : Dann hau ich mit meiner Familie ab, oder auch mal alleine mit Kumpels in ein Ferienhaus, im Süden. Dort scheint viel öfters die Sonne als hier, da laß ich's mir dann gut gehen ! Wenn ich mich dann ein bißchen Relaxed und abreagiert habe, dann komm ich wieder zurück.

MUM: Wenn Du eine Chance hättest wiedergeboren zu werden, als was würdest Du zurückkehren ?

H.E. : Für mich wär " Balou " der Bär aus Walt Disney's Dschungelbuch das sympathischste Tier überhaupt. Ich wäre dann zwar etwas dünner als er, aber ich liebe seine bärige Gemütlichkeit und dieses, ich wär gern so locker wie dieses Lied " Versuchs mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit". Ich wäre gern ein nicht zu dicker, aber ein attraktiver Bär.




(T.K.)