CTS-MUM
REMY ZERO (1999)


Mit "Villa Elaine" legten die Jungs von Remy Zero kürzlich ein wirklich gutes Album in die CD-Regale. Wir führten ein Interview mit Shelby.


MUM: "Villa Elaine" ist Euer zweites Album. Inwiefern klingt es anders als das Debüt?

RZ: "Villa Elaine" klingt sehr anders, viel frischer und besser produziert, gleichzeitig rauher und geschliffener. Wir wollten eine Scheibe machen, die im Endeffekt ein Produkt und eine Reflektion unserer Umwelt ist, die für uns ein zehn Blocks großes Herzstück Hollywoods war, und für einige immer noch ist. Um die Konfusion und Korruption richtig umszusetzen mußten wir vieteurere Mikrofone und Prozessoren einsetzen. Unentwirrbar die allseits bekannte Glattheit Hollywoods und das ganze Unbehagen, das oft daneben versteckt liegt, zu kombinieren, das war unser Ziel.

MUM: Ihr habt während der Aufnahmen zum Album einige Zeit in der "Villa Elaine" gelebt, dort auch gespielt, oder wie ist Eure Verbindung zu dem Hotel?

RZ: Einige von uns leben immer noch dort. Wir haben alle zusammen in einem Ein-Bett-Appartment gewohnt, wo wir die Platte gemacht haben, einige Tracks haben wir auch in der Halle, dem Waschraum, auf der Feuer-Not-Treppe oder im beheizten Pool aufgenommen.

MUM: Etwas spät zwar, aber ich möchte Euch jetzt trotzdem erstmal noch zu dem großartigen Album beglückwünschen, dem ich volle Punktzahl gegeben habe, ich finde es wirklich toll. Wie waren die Reaktionen von Kritikern oder Fans überall auf der Welt?

RZ: Danke erstmal für das Lob, auch wenn ich glaube, daß neuneinhalb Punkte das Album eher treffen. Nein, mal im Ernst, die Reaktionen überall, und in Asien wird die Scheibe erst noch veröffentlicht, waren sehr viel besser als wir uns das je erträumt hatten. Wir sind auch froh, mit so vielen Leuten auf dem ganzen Planeten über das Internet kommunizieren zu können, das ist praktisch wunderbar.

MUM: Was wollt Ihr mit Euren Texten aussagen?

RZ: Ach, die Texte. Manchmal fallen sie einem einfach aus dem Mund wie ein Kekskrümel, manchmal müssen wir dann auch daran arbeiten, die zu dreckigen Sachen herauszunehmen. Wir behalten immer das Ziel im Kopf, den dicken Saft Hollywoods durch den Trichter der guten alten Lyrik laufen zu lassen. Man könnte also sagen, die Texte handeln von Remy Zeros Erfahrungen in Hollywood im Jahr 1998, mit ein wenig fremdem Schutt mit reingemischt, und aufgekocht mit eine gesunden Portion legal erhältlicher Chemikalien.

MUM: Wie kam es, daß Alan Moulder Euer Album abgemischt hat?

RZ: Weißt Du, er hat mit Bands wie "My Bloody Valentine", "Nine Inch Nails", "Ride" oder "Curve" gearbeitet, um nur einige zu nennen. Er weiß, wie man verrückten Sound zum Rocken bringt.

MUM: Ich denke mal, daß Euch viele in Interviews auch nach Alyssa Milano fragen werden, ich werde das nicht tun. Bist Du überrascht?

RZ: Alyssa ist eine seltene Schönheit!

MUM: Was ist Euch am wichtigsten, wenn Ihr einen Song erschafft?

RZ: Am wichtigsten sind Temeratur und Seitenwindgeschwindigkeit. Eine schlechte Kombination kann einen Song gefährlich lähmen, und das ist in der Nachbarschaft gar nicht gerne gesehen.

MUM: Arbeitet Ihr schon wieder an neuem Material, oder was macht Ihr jetzt?

RZ: Wir spielen jetzt erstmal in den USA mit den Manic Street Creatures, und vielleicht kommen wir ja auch nach Europa. Dann werden wir Waffen laden und unsere eigene Seifenoper in den Weiten Kanadas drehen, oder in Belgien, weißt Du, es muß eben einfach grooven.

MUM: Welches sind Deine drei Lieblingsscheiben aller Zeit?

RZ: Also der Soundtrack für "Mishima" von Phillip Glass, "Another Green World" von Brian Eno, "Heroes", "Low", "Scary Monsters" und " Hunky Dory" von David Bowie, außerdem "Seamonsters" von Wedding Present, "First One" von Geoffrey Oryema, "Bone Machine", "Mule Variations" oder Swordfishtrombones" von Tom Waits, "Revolver" von den Beatles, "Drum" von Hugo Largo, "Art Of Navigation" von Regia, "Queen Is Dead" von The Smiths, "The Best Of" Fat Albert, oh, ich sollte ja nur drei nennen. Also auf dem ersten Platz "Sings The Delta Blues" von William Shatner, auf dem zweiten "Is ... Othello" von William Shatner und auf dem dritten "Mother Goose, She's A Friend Of Mine" von William Shatner.

MUM: Ich habe noch eine obligatorische Schlußfrage. Welche Frage würdet Ihr gerne mal gestellt kriegen und wie würdet Ihr sie beantworten?

RZ: Ich wollte schon immer mal über das Tattoo von remy Zero gefragt werden, aber: kein Kommentar!

MUM: Mucke & Mehr
RZ: Shelby von Remy Zero

(Tobi)