CTS-MUM
SIGNS OF CHAOS (02/99)


Hinter dem Projekt Signs Of Chaos, dessen neue CD "Departure" gerade frisch geschlüpft ist, verbirgt sich eigentlich nur ein Mann, Michael Wells, den man, wenn nicht vom Erstling "Frankenscience" oder Samplerbeiträgen, dann vielleicht von seinen Remix-Ergüssen für Fear Factory und andere Bands kennen könnte, aber auch als Mann hinter Tricky Disco, Technohead, The Man, Church Of Extacy oder Greater Than One. Die meisten wissen aber nichts über Michael selbst, also stelle ich ihn noch einmal kurz vor. Er stammt aus England, lebte aber auch schon vier Jahre in Amsterdam, bevor er nach London zurückkehrte. Er mag Deutschland, hat als G.T.O. auch schon bei Mayday, der Love Parade oder in Berliner Clubs aufgelegt. "Deutschland war immer eng verbunden mit Techno, elektronischer und experimenteller Musik, das ist cool!". Er interessiert sich nicht nur für die Playstation, für Kunst oder tolle Reisen, nein, er schreibt gerne und - natürlich - erliegt dem Reiz, sich musikalisch zu betätigen. "Ich bin sehr wie meine Musik, ein Paar Zwillinge. Manchmal bin ich energetisch, dann aber auch wieder relaxed oder in Gedanken versunken."
"Departure" bietet laut Untertitel 'Designer Lounge Beats', was dann im Endeffekt als Drum 'n' Bass, TripHop oder Easy Listening in verschiedensten Ausführungen entpuppt, auch mal mit Swing oder tribalen Elementen gewürzt. "Meine Musik entsteht als direkte Antwort auf meine Umwelt, alles beeinflußt mich da, von Mode, Werbung, Film, Kunst, neuer und alter Musik bis zu zeitgemäßer Kultur, ob nun von der Straße oder in den Wolken." Bei der Entstehung seiner Stücke ist es ihm wichtig, neue Klangformen zu entwickeln, sich nicht zu wiederholen. "Ich experimentiere ständig mit Beats und Sounds herum, daher enthält meine Musik auch nur zufällige Melodien, denn damit fange ich nie an, ich suche immer zuerst nach Sounds und bilde ein Gewand." Hierbei hat Michael schon stilistisch vielfältige Ergebnisse von Industrial über Electronic und Techno bis zu experimentellem Hardcore zustande gebracht.



"Das Album 'Departure' reflektiert mein Post-Rave-Konzept, ein 'Loungecore', ein Gegenstück zu der Clubkultur, die ein kommerzielles Tier geworden ist." Hierbei gefallen mir die ruhigen, relaxten Stücke am besten, wie sieht Michael selbst das? "Ich mag den Vibe der langsameren Stücke. 'Cyberjazzin' hat eine schöne, coole und relaxte Atmosphäre und ist perfekt, um es nebenher zum nächtlichen Internetsurfen zu hören. 'Voodoo Moon' enthält eine Aufnahme, die ich in Afrika gemacht habe, drei kleine Jungen, die ein Beschneidungsritual besingen."
In jedem Fall ist Michael Wells ein sehr interessantes und abwechslungsreiches Album gelungen, in das diejenigen, die bis hierher gelesen haben, auch einmal reinlauschen sollten.

(Tobi)