CTS-MUM
SMOKE BLOW (03/00)


Anlass? Die neue Smoke Blow-Scheibe "777 Bloodrock". Smoke Blow? Fünf Jungs aus Kiel. Stil? Hardcore-Punk...

Es wäre einfach zu viel, den kompletten geistigen Dünnschiss des Interviews mit Letten & Co. wiederzugeben. Daher versuche ich eine möglichst genaue Zusammenfassung:

Genau zwei Drittel der Kieler Band - nämlich Kentucky und Letten - haben sich bereit erklärt, mir ihre Vorstellung von Rock 'n' Roll zu erklären. In einem Jahrzehnt, in dem keiner mehr von irgendetwas geschockt werden kann, ist das Image des bösen, gewaltbereiten Rockers nicht mehr so besonders verkaufsfördernd. Dann stellt sich heraus, welche Band nur ein Hartmann-Image vortäuscht oder wer wirklich so drauf ist. Die Jungs von Smoke Blow scheinen in die letzte Kategorie zu fallen: sie reden ganz selbstverständlich über ihre Gewaltphantasien, die noch nicht einmal beim Wellensittich oder bei den Katzen aufhören (siehe Brainstorming). Angeblich werde Letten "ziemlich exessiv gehasst" und man haue sich "gegenseitig gern mal eins auf's Auge". Aber trotzdem sieht es ganz so aus, als wären die drei ohne einander ziemlich einsam; denn man mag heute niemanden mehr schocken können, aber sozial emanzipiert sind Rocker, die im Proberaum pennen (in dem Letten voher noch in eine Fanta Pulle gepisst hat), nachdem sie von ihrer Alten rausgeschmissen wurden, eben doch noch nicht.
Genug davon - schließlich geht's hier hauptsächlich um Musik. Also, Smoke Blow's Musik:
Plutonium-Fueled Stoner Punk, das ist "eine Fusion aus der Schwere von Black Sabbath und der Härte des Punk-Rocks und Hardcores der frühen 80er-Jahre." Smoke Blow will den Leuten einfach nur in den Arsch treten, "und sie nicht mit anspruchsvollen Aussagen in den Texten langweilen". Die Jungs schmeißen Namen in den Raum - oder besser: auf's Papier - die es zu sortieren gelten würde, wenn sie nicht einfach für sich stünden: da wird Bud Spencer erwähnt und im gleichen Satz Blümchen, Iggy und Keith Richards. Ein paar Sätze später wird von AC/DC geredet. Etwas abgedroschen erscheint die Aussage: "we are Punkrockers and real Punkrockers never will be Rockstars" und dann im nächsten Satz: "Fuck Pussies like Offspring."
Über fehlende Gigs können sich die Jungs auf jeden Fall nicht beklagen: 30 Gigs im Jahr sind nicht besonders viel, aber es sind immerhin Gigs, auf die man aufbauen kann. Allerdings scheinen die Bedingungen dabei nicht ganz so gut zu sein: "wenn man knapp 800 km für 100 Mark fährt, die Unterbringung unter aller Sau ist, wir erst um 2 Uhr nachts spielen oder der Veranstalter keine Werbung macht und so keine Zuschauer kommen", dann ist es verständlich, wenn man hin und wieder unzufrieden ist.

Brainstorming (in Ausschnitten):
1. Fußball: Hauptsache, HSV wird Meister, alles klar!
2. Karriere: Die große Rockstar Karriere wird es wohl für uns nicht geben, but who cares. Wenn es gar nicht anders geht, mache ich meinen Fliesenleger Meister, die anderen beanspruchen ja sowieso nur die Sozialkassen.
3. Gewalt: ...Und wenn so'n Heini auf die krumme Tour kommt, dann setzt's Hiebe. Übrigens, wenn ich auf Schnaps bin, dann komm' ich ganz schlecht drauf und dann kriegt mein Wellensittich keine Kartoffelchips mehr. Der geht mir eh auf den Sack, der beschissene Flattermann. Meine Katzen sind zum Bumsen da...
4. Demokratie: Ähem, öhh..., weiß' nicht, darf nicht wählen, bin nicht existent...
5. Boygroups: üble Abzocke von 12- bis 18-jährigen Mädels. Schlimmer als Pornodarsteller, die sich anscheißen lassen.
6. Girlgroups: Girlschool war die einzig wahre Girlgroup.
7. Kiel: Born to Kiel!...zu wenig Clubs, immer zu Hause hocken, d.h. kiffen, saufen und nach Scheiße stinken...
8. Macht: macht nichts.
9. Drogen: machen mittlerweile auch nichts mehr.
10. Sex: War früher geil, als man(n) sich noch gepflegt ein auf den Otto Versand-Katalog wichsen konnte (You know Underwäsche).
11. Interviews: Es ist gut und wichtig, daß es Fanzines gibt, die den Underground fördern. Weiter so 'n' keep the spirit alive!


All-Time-Smoke-Blow-Favourites-List:
1. Black Sabbath hören, anschließend Klebstoff schnüffeln und die Unterwäsche der Freundin tragen, dabei durch die Wohnung tänzeln.
2. Feedback Massacres Massages
3. Gelben Schein von Doc Holyday besorgen, zur Videothek Gewaltstreifen holen, glotzen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.
4. Rauf auf's Bonanza Rad, Malzbier trinken, Bierdeckel in die Speichen klemmen (gibt fette Motorrad-Sounds) und die Gegend unsicher machen.
5. Schwarzfahren, die Rechnungen nicht bezahlen, um anschließend Säumniszuschläge abzulatzen, bzw. in einer sozialen Einrichtung abzuarbeiten.
6. Schwarz fliesenlegen, um an Kohle zu kommen.
7. Bandmitglieder nieder machen und sie als Asos darstellen.
8. Rollerblade-Mäusen am Hindenburg Ufer nachglotzen.
9. Die Mäuse mit nach Hause nehmen und "drei ???"-Cassetten hören, dann langsam anfangen zu fummeln...
10. Vaterschaft abstreiten.
11. Anwalt besorgen.
12. Kaugummi-Automaten knacken und auf Schulhöfen den Kram verhökern, nachdem wir es mit LSD behandelt haben.
13. Gehirn wegsaufen.
14. Fahrradreifen aufstechen, Klingeldeckel und Tankdeckel von verschiedenen Marken sammeln.
15. Quartett spielen, am liebsten Deutsche Marine-Schiffe oder amerikanische Polizeiautos oder Monstertrucks.
16. Schmökern bis die Fingerstumpfen vergilbt sind.
17. Beim Platten klauen erwischt werden, vor allem wenn man so hohl ist und denkt, Heavy Metal CDs sind eh nicht gesichert.
18. Im Stehen pissen.
19. Fast-Food fressen und den anderen nichts abgeben, die verschissenen Schnorrer.
20. Friteuse kaufen und amtliche Pommes Parties feiern - bis einem Mayonaise aus dem Arsch quillt und der Weg zum Klo nicht mehr weit ist.

(Björn)