CTS-MUM
SONAR (08/98)


Wer auf harte und laute Industrialmusik steht, wird an Sonar nicht vorbeikommen. Bestehend aus Dirk Ivens (Ex-Klinik, Dive) und Patrick Stevens (Hypnoskull, Noshintu...) gehört Sonar zur ersten Liga im Noise- Industrial-Bereich. Vor kurzem erschien eine nur in Japan oder über Import erhältliche CD mit dem Namen "Overdose Simulation". Ende Mai gaben sie ein paar Konzerte in Deutschland, unter anderem auch in Erfurt, wo die beiden Belgier sich einigen Fragen stellen mussten.

MUM: Zuerst eine ganz einfache Frage: Wie war Euer Tag?

DI: Naja, die meiste Zeit sind wir im Auto rumgefahren. Wir kommen gerade aus Magdeburg, da hatten wir eine so ca. 3 bis 4 Stunden lange Autofahrt.

PS: Wir haben uns etwas die Landschaft hier angesehen.

MUM: Und habt Ihr Euch auch mal Erfurt angesehen?

DI+PS: Nein, keine Zeit.

MUM: OK, das war jetzt zum Aufwärmen. Nun zu den richtigen Fragen: Gibt es Unterschiede, ob ihr für Sonar oder eines Eurer Nebenprojekte arbeitet?

DI: Der Unterschied zwischen Sonar und Dive besteht darin, daß Dive Vocals enthält und Sonar instrumental ist. Dive ist mehr songorientiert und Sonar geht mehr in die improvisierte Rhythmus-Ecke.

PS: Wenn wir für Sonar etwas machen, läuft das sehr strukturiert ab wir kommen dabei kaum von unserem Mechanismus ab. Wie gesagt, "kaum". Manchmal gehen wir doch etwas aus uns heraus. Das ist schon ein großer Unterschied, denn bei anderen Projekten experimentiere ich viel mehr und drifte dabei schneller mal ab. Bei Sonar ist es wie "Das ist der Sound und wir wollen genau diesen Sound haben", so daß alles strukturierter abläuft. Das ist Industrial mit Struktur.

MUM: Warum wurde Eure letzte Veröffentlichung "Overdose Simulation" nur in Japan veröffentlicht und nicht auf Daft?

DI: Im Oktober oder November gehen wir für 4 Gigs nach Japan. Jeder weiß ja, wie teuer Japan ist und wir helfen damit dem Veranstalter, die Konzerte zu finanzieren. Man braucht ja Flugtickets für 3 Personen, Hotel, Verpflegung...

PS: Allein die Flugtickets kosten 2500 DM pro Person.

MUM: Was ist das Verrückteste, daß Ihr je über Eure Musik gehört habt?

PS: Hmmm... mir hat einmal jemand erzählt, daß seine Katze bei meiner Musik in die Gardinen gesprungen ist. Und das Ganze scheint auch wahr zu sein.

DI: Ich habe einmal die erste Dive-CD jemanden gegeben, mit dem ich zusammen gearbeitet habe. Als er sich die CD zu Hause angehört hat, haben seine Kinder angefangen zu weinen, da sie von der Atmosphäre der Songs erschreckt wurden.

MUM: Was glaubt ihr, was für Leute Eure Musik hören?

PS: Die Leute, die dunkle und rhythmische Musik mögen. Aber das sind nicht irgendwelche "Freaks" oder Serienmörder.

MUM: Was macht ihr den ganzen Tag lang, wenn ihr keine Musik macht oder durch Deutschland tourt?

DI: Ich betreibe das Daft-Label, das benötigt eine Menge Zeit, sonst mache ich Musik oder mache die Dinge, für die ich am Wochenende keine Zeit habe. Am Wochenende bin ich meistens im Auto unterwegs und gebe Konzerte. Aber am Dienstag oder Mittwoch setze ich mich auch mal in eine Kneipe, um ein Bier zu trinken.

PS: Bei mir sieht das ganze etwas anders aus. Ich arbeite in einem Full-Time-Job, habe eine sehr nette Freundin, ich arbeite für vier Bands und das war's schon. Da bleibt nicht viel Zeit für irgendetwas anderes. Na gut, ab und zu gehe ich noch auf die Toilette. Aber dann habe ich wirklich keine Zeit mehr übrig.

MUM: Wenn ich Interviews mit Leuten aus anderen Ländern mache, frage ich oft, wie ihnen Deutschland gefällt. Was habt ihr für eine Meinung über Deutschland?

DI: Für mich ist es ein sehr gutes Land, denn meine Musik kommt hier sehr gut an, vielleicht ist Deutschland einer der größten Märkte für meine Musik. Deutschland ist sehr groß, man hat genug Möglichkeiten, Auftritte zu machen. Man kann einmal 5 Auftritte im Norden machen und dann ein paar Monate später im Süden, so etwas ist in Belgien nicht möglich, dafür ist das Land zu klein.

MUM: Siehst Du Unterschiede zwischen den einzelnen Gebieten in Deutschland?

DI: Im Ruhrgebiet ist es sehr gut, um München herum auch und auch in Berlin ist es meistens sehr gut.

MUM: Gestern habe ich mit Johann von Suicide Commando gesprochen, er meinte die Leute im Ruhrgebiet wären ziemlich faul, die würden nur herumstehen und nichts machen.

PS: Hehe, das war nur, weil er vorgestern dort nicht so toll gespielt hat.

DI: Nein, das eigentliche Problem war ja, daß er NACH Sonar spielen mußte.

PS: Ja, die Leute konnten einfach nicht mehr tanzen. Nein, nein, alles nur Spaß, aber eigentlich stimmt es doch irgendwo.

MUM: Habt ihr noch ein paar berühmte letzte Worte?

DI: Oh, nach 4 Gigs ist so etwas schwer... hmm... vielleicht "I've got a rumour and I'm gone to use it."

PS: Oder vielleicht "I've got a hotelroom and I'm gone to use it."

(Sick)