CTS-MUM
((tam))


(( tam )) sind Think About Mutation. Unter diesem Namen wurden sie bei Dynamica herangezüchtet, nach dem Wechsel zum Major Motor treten sie mehr im doppel umklammerten Kürzel auf, ohne allerdings den langen Namen zu leugnen. "Virus" heißt ihr neues Album. Ihrer Mixtur aus Metal und Techno bleiben sie hierauf treu. Mehr über ihre Musik und alles andere, was so interessant ist, erörterten die fleißigen MUM-Schreiberlinge in Form meiner Wenigkeit zusammen mit Kay, dem Drummer der Jungs. Eigentlich wollte man sich persönlich treffen, ich wurde allerdings von einer Grippe ans Bett (und meinen Fernseher) gefesselt und wich auf das gute alte Fax aus. Und siehe da, nach einigen Monaten hatte ich auch schon die Antworten...

MUM: Findet Ihr es nicht etwas frech, mir als momentan Grippekrankem ein Album namens "Virus" vorzusetzen? Warum habt Ihr es so genannt?

K: Jedes unserer Alben hatte recht markante Titel, die auch eine kleine Aussage über die Musik treffen sollten (Motorazor, Housebastards, Hellraver), doch mit der Zeit war uns das zu einseitig. Deshalb jetzt Virus, was schlicht und einfach den Wunsch nach allumfassender Infizierung mit dieser Musik ausdrücken soll. Außerdem legen wir uns mit diesem Titel musikalisch nicht so fest, was der recht vielschichtigen Platte eher entspricht als Kraftwörter.

MUM: Was soll den das "(( tam ))"-Logo, also die zwei Klammern um Eure Abkürzung? Warum kürzt Ihr Euch eigentlich fast immer ab, hättet doch gleich einen kurzen Namen wählen können???

K: Das Logo sieht einfach gut aus und ist einfach im Laufe der Zeit entstanden, wie wohl bei allen längeren Bandnamen. Deer Name Think About Mutation, zu dem wir nach wie vor stehen, war damals bei Bandgründung 1992 als Konzept gedacht, Mutation stand und steht für Veränderung und Bewegung innerhalb der Musik, weg mit dieser ewigen Scheuklappenmentalität und den unnützen und überflüssigen Barrieren in den Köpfen der Leute. Wir haben einfach irgendwann aufgehört, zwischen sogenanntem Mainstream und Underground, zwischen hartem Metal und Pop zu unterscheiden, wobei Pop eh ständig neu definiert werden muß (heute sind halt Bands wie Chemical Brothers oder Prodigy Pop). Es sollte nur noch zwischen guter und schlechter Musik unterschieden werden, wobei egal ist, aus welchem "Lager" die jeweilige Musik kommt.

MUM: Wie würdet Ihr Eure Musik selbst beschreiben?

K: Die Musik in Worte zu fassen ist schwer, man muß sie hören, aber soviel dazu: unsere Musik war schon immer Ausdruck unserer aktuellen Hörgewohnheiten, die damals beim ersten Demotape halt harte Gitarren und Techno waren. Techno war einfach viel zu interessant und aufregend, es war für uns zwingend logisch, elektronische Tanzmusik mit harten Riffs zu verschmelzen. Beide Musikstile verfügen über das gleiche Energiepotential, und es hat sich gezeigt, daß bei phantastisch miteinander können, ohne sich zu stören, als wenn sie nur darauf gewartet hätten, zusammengeführt zu werden. Ganz klar hat natürlich Drum 'n' Bass (speziell der britische) seine Spuren bei uns hinterlassen, intensivere Musik wurde vorher einfach nicht geboten. Unter'm Strich ist unser Album sehr clubbig geworden, sehr tanzbar und vielleicht eingängiger, was einige Hooklines angeht. Nichtsdestotrotz ist es immer noch hart, wobei sich die Härte verlagert hat, statt z.B. einer harten Gitarre kommt sie halt auch mal durch einen harten Beat.

MUM: "Virus" ist Euer erstes Album für Motor. Wo liegen die Hauptunterschiede zwischen Motor und Modern Music, was hat sich für Euch verbessert oder verschlechtert? Und wie seid Ihr zu Motor gekommen? Mit dem Bus (ha, ha)? Nein, Ernst! Wie kommt man als Band an einen so guten Deal?

K: Wir haben drei Alben für Dynamica / Modern Music gemacht und waren absolut unzufrieden. Kaum Unterstützung, kein Verständnis für unsere Musik, einfach scheiße. Durch 'nen glücklichen Zufall sind wir vorzeitig aus dem Vertrag rausgekommen und dann standen die Majors Schlange. ich glaub', es war aber ziemlich schnell klar, daß wir uns für Motor entscheiden würden, weil es einfach ein junges, frisches und erfolgreiches Label ist und weil sie eine coole Art haben, mit Musik und Musikern umzugehen. Das, also gutes Musikempfinden gepaart mit Marktverständnis und dem nötigen Kleingeld, dazu einer majortypischen Infrastruktur, mit der man super arbeiten kann, hat uns dazu gebracht, und für diesen Major zu entscheiden. Ich denke, es war die richtige Entscheidung.

MUM: Wie sieht es mit anderen Bands aus. Gibt es welche, die Euch beeinflußt haben auf Eurem Weg zum Musikolymp?

K: Ganz klar, ob unbewußt oder bewußt. bei mir waren das füher No Means No, bei Joey (Gitarre) z.B. Motörhead und bei Donis (Gesang) alte Popperlen wie Pet Shop Boys oder New order, also sehr verschieden. Mittlerweile bewegen wir uns alle doch ziemlich im selben, sehr weitgefassten musikalischen Kosmos. Da steht halt Helmet neben Ed Rush und wiederum neben Depeche Mode, obwohl in letzter Zeit hauptsächlich alles Beatorientierte wie Bigbeats oder Drum 'n' Bass aus England konsumiert wurde.

MUM: Wo seht Ihr Eure Zielgruppe? Raver? Metaller? Durchgeknallte Partylöwen?

K: Eigentlich bei allen Leuten, die offen an Musik rangehen können, wir hatten einige Konzerte, bei denen Metaller neben dem B-Boy und dem Raver ihre Party hatten, und das war der Hammer, eben szeneübergreifend.

MUM: Gibt es zu den Auskopplungen auch Videoclips? Wenn ja, was passiert in ihnen?

K: Zur zweiten Single "Irregular" gibt es ein Video, das wir in hamburg gedreht haben. Ziemlich crazy und witzig, mehr wollen wir nicht verraten.

MUM: Welcher Song ist Euer Favorit des Albums?

K: Eigentlich alle.

MUM: Wo seht Ihr die Weiterentwicklungen im Vergleich mit dem letzten Album?

K: Die Beats sind einfach besser geworden, die Songs sind teilweise eingängiger, und die Härte wird freier eingesetzt, außerdem ist "Virus" clubbiger und tanzbarer.

MUM: Ihr kommt ja aus Leipzig - wie sieht die Musikszene der Stadt aus?

K: Zur Szene: zur Zeit doch noch oder wieder recht mager, aber ich hoffe, daß in einigen Kellern an neuen und innovativen Sachen gebastelt wird.

MUM: Was wollt Ihr mit Euren Texten dem Hörer vermitteln?

K: Texte schreibt ausschließlich Donis. Seine Texte sind sehr persönliche und verschlüsselte Ansichten von Dingen, Situationen und Vorgängen, die ihn bewegen, wobei Donis dabei nie den zeigefinger hebt oder sich anmaßt, den Leuten zu sagen, was sie tun oder lassen sollen, das sollen die Leute schon selber wissen. Wennes eine Message gibt, dann liegt sie in der Musik, und die wirkt auf jeden anders.

MUM: Es gibt einige Kritiker, die bemängeln, daß bei Eurer Mixtur aus verschiedenen Stilen die Power verloren geht, d.h. die Riffs knallen nicht so, die Beats packen einen nicht so richtig, der Gesang ist eher ein immer ähnliches Chor-Shouten und die Strukturen sind trotz einiger guter Ideen nicht so, daß sie im Gedächtnis bleiben. Was haltet Ihr von solchen Einstufungen?

K: Jeder hat seine eigenen Empfindungen beim Musikhören. Wir machen die Musik in erster Linie für uns und wir finden, daß so moderner Rock klingen sollte, einfach mit coolen Beats, abgefahrenen Sounds, geilen Hooklines...

MUM: Was macht Ihr, wenn Ihr nicht musiziert? Laßt uns etwas von Euch als Privatpersonen wissen... Wie alt seid Ihr? Was schaut Ihr so in der Glotze? Kann man auch als Leipziger Hertha-Fan sein? Sabbert Ihr, wenn Ihr Pamela Anderson seht (oder bei wem sonst)? Seid Ihr mit den Prinzen befreundet (die kommen doch auch aus Leipzig, oder?)?

K: Eigentlich dreht sich alles um Musik. Gerade Donis ist Musikjournalist, DJ, hat 'ne Radiosendung, eigentlich bei allen 100% Musik, das ist einfach das geilste, was man machen kann. Ich glaube, wir können gar nicht anders, als Musik machen.

MUM: Gibt es eigentlich irgendeine Band, mit der Ihr wirklich gerne mal auftreten würdet?

K: Einige, man muß dazu sagen, daß wir schon mit einigen Favoriten gespielt haben: Depeche Mode, Napalm Death, Helmet, Godflesh, ...! Was noch ausstehen würde wären die Pet Shop Boys oder Motörhead (ich empfehle ein Festival zu dritt ... uah!), dann hätten wir die Liste erstmal kompletter, oder klar Depeche Mode, vielleicht auf ihrer nächsten Tour?!

MUM: Ist eine weitere Auskopplung geplant, bevor das Album erscheint oder um den Februar herum?

K: Am 27.11. erschien die erste Single "Reflect It", am 19.1. dann die zweite "Irregular" mit Video, dam 9.2. folgt das Album und evtl. kommt noch eine dritte Single.

MUM: Wann tourt Ihr denn? Und vor allem mit wem, nun verratet das doch mal so durch die Blume?!?

K: Am 14.1. gehen wir mit Sisters Of Mercy auf Deutschlandtour und im März machen wir dann noch eine Clubtour zum Album.

MUM: Hattet Ihr ein besonders tolles oder mieses Erlebnis während Eures Musikerlebens (Gigs, Groupies, Moneten...)? Erzählt mal...!

K: Das lassen wir wegen völliger Übermüdung mal weg (hmm, innerhalb vieler Wochen Faxantwortzeit hätte man ja mal munterer an die Bodystyler-Fragen gehen können, oder ist man von den Groupies so müde ... wahrschneinlich knabbert gerade eine an Kay herum und er will das Interview deshalb jetzt schnell beenden)

(Tobi)